Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Wachstumsprognosen

Banger Blick auf 2012

© Foto: Alexey Klementiev - Fotolia.com

Es erwarten alle eine Verlangsamung der Konjunktur, nach den USA schwächeln jetzt auch die Europäer, selbst in China geht alles etwas langsamer und ebenso in Deutschland wird das Wachstumstempo schwächer. An den Finanzmärkten wird die problematische Kombination niedrige Zinsen und steigende Inflation vorherrschen. Soweit sind sich die Auguren einig, bei den Einzelheiten liegen sie allerdings teilweise recht weit auseinander.

Der IWF liefert mit seiner Prognose zum Herbst traditionell den ersten Blick auf das große Ganze und damit den Rahmen, in den die regionalen und nationalen Prognosen mehr oder weniger passend eingefügt werden. Im September dieses Jahres meldeten sich die Weltvolkswirte aus Washington mit einer eher in Moll gestimmten Botschaft: Das Wachstum der Weltwirtschaft geht von den 2010 erreichten 5,1 % zurück auf 4 %. Der Rückgang verteilt sich auf alle Regionen, niemand entkommt dem Trend völlig. Lediglich für Japan ergibt sich eine aufsteigende Entwicklung mit deutlich anziehendem Wachstum, eine Folge des tiefen Einbruchs nach der dreifachen Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Super-Gau in Fukushima: Die Japaner arbeiten noch daran, den alten Stand wieder einzuholen. Solche Aufholprozesse schlagen sich in optisch starken Wachstumsraten nieder.

Die stärksten Impulse kommen weiterhin klar aus Asien, das von der ungebrochenen Dynamik der chinesischen Wirtschaft angetrieben wird. Speziell für China liegen die Wachstumszahlen und -schätzungen 2011/2012 immer noch um oder klar über 9 %. Dieser Boom hat allerdings seine Schattenseiten und Risiken: Ganz vorne steht die Inflation, die auch zuletzt noch deutlich über 5 % lag und damit jenseits des zu Jahresanfang ausgegebenen Ziels von 4% für 2011, das deutlich verfehlt wird. Diese Inflation schafft soziale Probleme und damit gerade das, was mit der Strategie „Wachstum um jeden Preis“ eigentlich verhindert werden soll. Die Führung in Peking wird also weiter auf die Konjunkturbremse treten müssen, wobei sich dazu mittlerweile der Devisenmarkt anbietet: Eine Aufwertung würde nicht nur die Bremswirkung der bisherigen Zinserhöhungen ergänzen, sondern durch günstigere Importpreise auch die Kaufkraft verbessern. Im Hintergrund steht zudem die Gefahr einer Immobilienkrise (die Märkte sind teilweise deutlich überhitzt) sowie bereits jetzt schwache Banken, die beim Platzen einer Immobilienblase sicher großen Stützungsbedarf aufweisen werden. Sollte das im nächsten Jahr passieren, sind alle hier genannten Prognosen Makulatur.

Für die Anlage bleibt es damit bei den Vorteilen einer Strategie, die vor allem auf die Chancen der Emerging Markets setzt: Die konkreten Anlageziele sollten vorwiegend in Asien (ex-Japan) und Lateinamerika gesucht werden, daneben auch weiter in Osteuropa.

In den USA und Euroland machen sich die jeweiligen Schuldenkrisen bemerkbar, der Zwang zum staatlichen Sparen bremst schon länger die Konjunktur. In den USA ist diese Krise bei den Kommunen bereits virulent mit einer ganzen Reihe von Insolvenzen von Städten und Counties, die schon jetzt zu Kredit- und Anleiheausfällen in zweistelliger Milliardenhöhe geführt haben. Aufgrund der Verteilung auf lokale Einzelfälle wirkt das nicht so spektakulär wie die Probleme etwa in Griechenland, hat wirtschaftlich am Ende aber vergleichbare Effekte. Die erzwungene Zurückhaltung der staatlichen Kassen setzt eine Kette in Gang, die auch besser aufgestellte Staaten herunterzieht: So macht sich in Deutschland die Nachfrageschwäche des Auslands über den Rückgang der Exporte bemerkbar. Damit wird der bisherige Antreiber „Export“ unversehens zum Bremsklotz. Die fünf Weisen im Sachverständigenrat rechnen damit, dass der Außenbeitrag 2012 negativ ausfällt und 0,3 Prozentpunkte an Wachstum kosten wird. Einigkeit besteht ganz klar darin, dass in Deutschland das nächste Jahr deutlich schwächer wird als das laufende. Offen ist nur, wie weit es abwärts geht. Die Volkswirte sowohl der Commerzbank als auch der Deutschen Bank rechnen hier sogar mit einer milden Rezession Anfang 2012 bzw. um den Jahreswechsel 2011/2012.

Dieses recht einheitliche Konjunktur-Szenario schlägt sich in etwas weiter streuenden Finanzmarktprognosen nieder, besonders auffällig bei den US-Daten: Die Spannweite der im letzten Quartal 2012 erwarteten Dollarkurse von 1,30 (SEB) bis 1,48 (Goldman Sachs) ist doch ganz beachtlich, aber auch weitgehend den Unwägbarkeiten der jeweiligen Schuldenkrisen hüben und drüben zuzurechnen. Etwas einheitlicher sieht es bei den Zinssätzen aus: Die bleiben vor allem für die USA auffällig niedrig geschätzt, das Team um Thomas Mayer (Deutsche Bank) setzt den US-Geldmarkt sogar demonstrativ auf null. Nicht direkt aus den gezeigten Daten ablesbar ist die Erwartung, dass die Renditen der Anleihen bis Ende nächsten Jahres nahe oder sogar unter den Inflationsraten verharren. Damit käme die für die Anleger gefährlich schleichende Enteignung zum Tragen trotz niedriger Inflationsraten, die den Finanzministern die stille Entschuldung ohne großes Aufsehen ermöglicht. Gegen diesen Trend helfen „Sachwerte“ für sich genommen nicht das Geringste. Entscheidend sind Renditen, die wenigstens einen Inflationsausgleich erbringen: Wer zu nominalen Renditen unter der Inflationsrate anlegt, macht ganz real täglich Verlust.

(Martin Klingsporn)

Downloads:
Prognosen

Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: