Bankhaus Wölbern
Bank von Emissionshaus endgültig getrennt

Bei dem in der Branche renommierten Hamburger Bankhaus Wölbern tat sich Denkwürdiges.
Das Emissionshaus Wölbern Invest wurde nicht nur formal, sondern auch unternehmerisch von der Bank getrennt. Die Umstände des Verkaufs der Bank deuten auf Probleme, die in einer allgemeinen Bankenkrise häufiger vorkommen. Die eher ungewöhnliche Beteiligung des Bankenverbandes (BdB) neben der Hamburger M.M. Warburg Bank wird allgemein als Indiz gesehen, dass es zu einer Schieflage im Bankgeschäft gekommen ist. Die Pressemitteilung von Wölbern Invest spricht ausdrücklich davon, dass mit der Übernahme „die finanzielle Sicherung des Bankhauses gewährleistet wird". Das deutet ziemlich klar auf ernste Probleme.
Angesichts des schwachen Fondsgeschäftes liegt der Gedanke nahe, dass eben dieses Geschäft mit den geschlossenen Fonds mit der vermuteten Schieflage zu tun haben könnte. Ansatzpunkte für Spekulationen über solche Probleme liefern geschlossene Fonds auf vielen Ebenen von Finanzierungsproblemen bei den Vorratsobjekten über gezogene Platzierungs- oder Mietgarantien bis hin zu Ausfällen bei der Anteilsfinanzierung der Anleger. Alles schon mal da gewesen und jedes Problem kann eine Privatbank ins Schlingern bringen. Vertriebsvorstand Alexander Bergé schloss auf Nachfrage allerdings jeden Zusammenhang zwischen etwaigen Problemen der Bank und dem operativen Geschäft des Emissionshauses kategorisch aus: „Das Emissionshaus hat keinen Fonds über das Bankhaus Wölbern finanziert. Unsere Fonds unterhalten dort - ebenso wie bei anderen Geschäftsbanken - lediglich Kontokorrentkonten."
Mit den rechtlichen und wirtschaftlichen Veränderungen ist auch das Personaltableau umgebaut worden. Der bisherige Wölbern-Kopf und -Eigentümer Prof. Dr. Heinrich Maria Schulte tauschte mit dem bisherigen Wölbern Invest Vorstandsvorsitzenden Hendrik Pretorius die Position des Vorsitzenden im Aufsichtsrat. Bei Wölbern Invest hieß es dazu, dass Schultes Fokus „von Beginn an auf dem Ausbau des Emissionsgeschäftes und der Erweiterung der erfolgreichen Assetklasse Real Estate um die Bereiche Private Equity sowie Global Transport" gelegen habe. Das vorausgesetzt scheint es nur konsequent, wenn Schulte jetzt auch die unternehmerische Führung des Geschäftes übernimmt.
Wölbern Invest sieht sich nach der Trennung vom Bankgeschäft gut aufgestellt, nicht zuletzt dank der Wölbern-Spezialität, der von Altmeister Ove Franz aufgebauten Produktlinie Hollandfonds. Dieses klassische Immobilienprodukt trifft im aktuellen Umfeld exakt den Nerv der Anleger. Die Niederlande behaupten sich in der Krise im europäischen Vergleich recht gut, vor allem die Arbeitslosigkeit steigt dank eines sehr flexiblen Arbeitsmarktes und einer vorbildlichen Arbeitsmarktpolitik mit intensiver Betreuung und Vermittlung weit weniger als im EU-Durchschnitt. Ein starker Arbeitsmarkt ist die beste Voraussetzung für die Bewirtschaftung von Gewerbeimmobilien. Wölbern bringt daher derzeit auch schon den nächsten Hollandfonds (Nr. 66) auf den Markt mit einem Büroobjekt in der Universitätsstadt Leiden. Alleiniger Mieter ist eine auf Raumfahrttechnik spezialisierte Tochter des EADS-Konzerns. Auch die Private Equity Linie passt derzeit gut ins Umfeld, denn die bei Wölbern favorisierten Zielmärkte Medizintechnik und Umwelttechnologie wachsen aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Faktoren dynamisch und bieten daher entsprechende Investmentchancen. Damit ist zwar nicht alles eitel Sonnenschein, aber die Perspektiven stimmen zumindest aus Sicht der Wölbern-Macher: „Zwar wachsen die neuen Geschäftsfelder Private Equity, Schiff- und Luftfahrt konjunkturbedingt langsamer als geplant ... Durch die Fokussierung auf das Initiatorengeschäft ist Wölbern Invest jetzt richtig aufgestellt", erläutert Schulte. Zudem habe Wölbern die letzten beiden Jahre genutzt, die Vertriebsstrukturen zu professionalisieren und vor allem den Kanal zu den unabhängigen Beratern auszubauen. Diese Gruppe brachte 2008 über 30 % des Umsatzes nach rund 19 % im Vorjahr.
(Martin Klingsporn)







