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Unerwarteter Boom für einen "Oldie”

Bausparverträge erfolgreich verkaufen

Hypothekenzinsen auf Rekordtief, Eigenheimzulage vor Kürzung, Wohnungsbauprämie vor der Streichung, Rückgang beim Eigenheimbau - den deutschen Bausparkassen bläst scheinbar auf allen Fronten der Wind ins Gesicht. Die Kunden stört das nicht. Sie bausparen wie nie zuvor. Sie schätzen den guten alten Bausparvertrag als Geldanlage und Weg zur sicheren Altersvorsorge.

Die Deutschen haben Bausparverträge im Volumen von 678 Milliarden Euro bis zum Ende des Jahres 2002 abgeschlossen - so viel wie nie zuvor! Galt das vergangene Jahr mit Neuabschlüssen von 3,5 Millionen Verträgen bereits als außerordentlich guter Bausparjahrgang, so lässt auch 2003 die Bausparkassen und die Vermittler wieder jubeln. Die privaten Bausparkassen melden für das erste Halbjahr 2003 einen Anstieg des Neugeschäfts um 16,8 % in der Stückzahl und um 23,3 % in der Summe. Marktführer Schwäbisch Hall registrierte für die ersten sechs Monate einen Anstieg im Bruttoneugeschäft um 34 %, der Branchenzweite BHW um 21,2 % und die kleine Direktbausparkasse Quelle sogar um 79 %. Höchste Zeit also für Vermittler, die das Bausparen immer noch als „alten Hut“ abtun, auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Die eigenen vier Wände als attraktives Sparziel ist wieder besonders gefragt

Doch was sind die Gründe für den unerwarteten Boom des Bausparens? Manfred Breuer, Vorstandsvorsitzender der LBS Norddeutschen Landesbausparkasse Berlin-Hannover, bringt die einhellige Branchenmeinung auf den Punkt: „Nach dem Stimmungsumschwung an der Börse haben sich die Sparer grundlegend umorientiert. Bausparen als sichere Anlage und die eigenen vier Wände als attraktives Sparziel sind wieder besonders gefragt.“ Trotzdem wird bei Verbraucherschützern immer wieder die Frage laut, ob sich das Bausparen überhaupt noch lohnt. Denn angesichts historischer Niedrigzinsen bei Hypothekendarlehen - zehnjährige Baukredite gibt es jetzt bereits für im Schnitt unter fünf Prozent Effektivzinsen - sind die Zinsvorteile der Bauspardarlehen ziemlich zusammen geschrumpft. Doch viele Bausparkassen haben auf die Niedrigzinssituation mit einer Korrektur der Bausparzinsen nach unten reagiert. So die Landesbausparkassen Nord, Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg, die Allianz-Dresdner, Schwäbisch Hall, Deutscher Ring, Victoria und Wüstenrot. Gerade erst wieder hat Schwäbisch Hall zum 1. August die Bausparzinsen drastisch gesenkt. Je nach Tarifvariante kosten Bauspardarlehen beim Marktführer nunmehr zwischen 2,9 und 4,6 % effektiv. Nur die Renditevariante kostet mit 5,07 % effektiv mehr. Bezahlen müssen Bausparer die billigen Darlehen mit mageren Sparzinsen von 1,0 bis 2,0 %. Das tut jedoch nicht allzu sehr weh, denn auch auf andere vergleichbare Sparformen gibt es zur Zeit nicht viel mehr oder - siehe Sparbuch - sogar z.T. noch weniger.

Spitzenrenditen für Nur-Sparer

Zudem ist auch für Sparer beim Bausparen noch Einiges zu holen. Renditetarife für Nur-Sparer erzielen bei einigen Bausparkassen dank der staatlichen Förderung durch die Arbeitnehmersparzulage und die Wohnungsbauprämie immer noch Spitzenrenditen von über sechs Prozent. So z.B. bei Quelle, HUK-Coburg, BHW sowie LBS Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Solche Rendite-Bausparverträge eignen sich vor allem für junge Arbeitnehmer, die vom Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen erhalten und die geförderten Höchstbeträge von 480 Euro bei der Arbeitnehmersparzulage bzw. von 512 Euro bei der Wohnungsbauprämie (Alleinstehende) ausschöpfen. Nach Ablauf von sieben Jahren kann der Vertrag für Anschaffungen verwendet werden, ohne dass die Prämien vom Staat wieder verloren gehen. Die Tarife mit den hohen Renditen gelten jedoch als Auslaufmodell. Viele Bausparkassen bieten sie nicht aktiv an oder kontingentieren die Abschlüsse. Der Grund: Die hohen Guthabenzinsen drücken auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis der Kassen. Wenn - wie die Regierungskoalition plant - die Wohnungsbauprämie gestrichen werden sollte, ist ohnehin Schluss mit den Spitzenrenditen. Für Vermittler und ihre Kunden ein Grund, noch in diesem Jahr einen Vertrag unter Dach und Fach zu bringen.

Wer jahrelang freiwillig spart, kann auch die Raten für Zinsen und Tilgungen tragen

Den meisten Bausparern geht es jedoch ums Darlehen. Feste Zinsen, rasche Tilgung, Finanzierung im zweistelligen Bereich der Beleihung ohne Zinsaufschläge, Sondertilgungen ohne Vorfälligkeitsentschädigung und Kleindarlehen ohne Aufschläge sind die entscheidenden Vorteile des Bausparens. Hinzu kommt jetzt ein weiterer Vorteil. Während die meisten Kreditinstitute im Vorfeld der neuen Eigenkapitalrichtlinie für Banken - bekannt als Basel II - dazu übergehen, die Kreditkonditionen in Abhängigkeit vom individuellen Risiko des Kreditnehmers zu schneidern, bleiben Bauspardarlehen davon unberührt. Im Klartext: Baufinanzierer mit wenig Eigenkapital und geringen Einkünften müssen bei Hypothekendarlehen damit rechnen, dass sie künftig höhere Zinsen zahlen müssen als Kreditnehmer mit viel Eigenkapital und überdurchschnittlichem Einkommen. Bausparer nicht. Denn die bei Vertragsabschluss vereinbarten Bauspardarlehenszinsen können die Bausparkassen nicht nachträglich ändern. Außerdem gelten Bausparer à priori als Kunden guter Bonität. Denn wer jahrelang freiwillig spart, kann auch die Raten für Zinsen und Tilgungen tragen, so die Erfahrung der Bausparkassen.

Bleibt die Frage, wie sich die Streichung oder Kürzung der Eigenheimzulage auf das Bausparklima auswirken wird. Da machen die Bausparkassen in Optimismus. Ihr Argument: Die Eigenkapitalbildung - also das Vorsparen per Bausparvertrag - wird noch wichtiger als bisher. Immerhin müsste eine Familie mit zwei Kindern bei der Streichung der Zulage für Neubauten auf einen Zuschuss von 32.740 Euro verzichten. Baufinanzierer müssten dann selber mehr Kapital mitbringen - durch intensiveres oder längeres Bausparen beispielweise.

(Hans Pfeifer)


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