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ETFs

Bausteine für die Portfolios

© Foto: Jörg Vollmer - Fotolia.com

Die Auswahl der Märkte, die so genannte strategische Asset Allocation, ist für den Anlagerfolg wichtiger als die Auswahl der einzelnen Papiere – so lautet eine immer wieder gern zitierte Weisheit.

Mit den passiv anlegenden ETFs liefert die Investmentbranche ein ideales Instrument zur Umsetzung: Ganze Märkte werden als Bausteine für die Portfolios zur Verfügung gestellt, jedes Nachdenken über einzelne Titel entfällt. Dies vorausgesetzt bleiben dem Portfoliomanagement „nur“ zwei Entscheidungen: Wie werden die verschiedenen Märkte gegeneinander gewichtet und wann sind die richtigen Zeitpunkte für Ein-und Ausstieg aus den einzelnen Märkten erreicht?

Genau auf diese beiden Punkte konzentriert sich die von Götz Kirchhoff und Thomas W. Uhlmann geführte Münchener Avana Invest GmbH, die das Portfolio- Management auf ETF-Basis samt den dafür benötigten Fonds anbietet. Bisher waren die Münchener nur für institutionelle Kunden tätig, wollen ihr Geschäft aber nun auch für private Anleger öffnen. Für das Publikum konkret verfügbar sind derzeit zwei Aktien- und je ein Renten und Rohstofffonds, wobei es sich genau genommen jeweils um Dachfonds handelt, die ihrerseits in eng definierte ETFs investieren. „Mit unserem Konzept zeigen wir, dass sich passive Instrumente und aktives Management nicht gegenseitig ausschließen“, betont Uhlmann.

Das Strickmuster ist jeweils gleich: Das jeweilige Investitionsfeld ist in einzelne Blöcke zerlegt, die ihrerseits wieder durch marktgängige einzelne ETFs abgebildet werden. So steht hinter dem Avana Indextrend Europa Dynamic (DE000A0RHDB9) ein Spektrum von 18 Branchen, die durch eigene marktgängige ETFs abgedeckt werden. Diese Branchen werden vom Team der Avana grundsätzlich gleich gewichtet, die sonst übliche Orientierung an der Kapitalisierung und dem daraus abgeleiteten Gewicht im Gesamtindex entfällt.

Ähnlich ist die Struktur beim Emerging Market Aktienfonds aus der Schmiede der Avana: Hier wird allerdings statt nach Branchen nach nationalen Märkten gegliedert. Die Gewichtung wird anhand des Bruttoinlandsproduktes vorgenommen. Die gesamtwirtschaftliche Leistung sei ein besserer Bezugspunkt für das Gewicht der einzelnen Emerging Markets anstelle der sonst verwendeten Marktkapitalisierung. Das aktive Portfolio-Management wird in erster Linie als Risikomanagement betrieben. „Der Kern unserer Anlagestrategie besteht darin, die maximalen Kursverluste, den `maximum draw down`, für die Anleger zu minimieren. Durch diesen Basiseffekt können wir den Markt schlagen“, erläutert Uhlmann.

Das Avana-Team stützt sich dabei auf ein so genanntes Trendfolgesystem, wie es in der technischen Analyse (Chartanalyse) üblich ist: Aus den vorliegenden Kursverläufen werden Kauf- oder Verkaufsignale interpretiert. Benutzt wird ein in der Grundform einfaches Schema: Neben dem laufenden Wert eines Wertpapiers (hier eines Branchen-ETFs) wird eine Trend- oder Signallinie benutzt. Dahinter verbirgt sich ein gleitender Durchschnitt, bei dem täglich neu der Durchschnittskurs über eine bestimmte Anzahl von Tagen berechnet wird, um Trends und vor allem Trendänderungen gegenüber einzelnen Tagesschwankungen erfassen zu können. Schneidet die Linie der aktuellen Kurse die Trendlinie von unten nach oben, wird das als beginnender Trendwechsel interpretiert und gilt als Kaufsignal. Im umgekehrten Fall, wenn die aktuellen Kurse die Trendlinie von oben nach unten schneiden, wird das Bild als Verkaufsignal interpretiert.

Was in der Grundform recht einfach klingt, ist in der Praxis nicht ganz so kindersicher: Schon die Auswahl der „richtigen“ Trendlinie ist eine Kunst. Gebräuchlich sind Intervalle von 30 bis 200 Tagen, entsprechend ist die Rede von 30 oder 200 Tagelinien. Manche Modelle benutzen auch mehrere solcher Linien gleichzeitig, denn es müssen Fehlsignale möglichst herausgefiltert werden: Es gilt, reine Zufallsschwankungen von echten Trendwechseln zu unterscheiden. Eine Option dabei ist der Abgleich über verschiedene Trendlinien, bei denen sich die Signale gegenseitig bestätigen können.

Alternativ wird die Volatilität (Intensität der Schwankungen) berücksichtigt: Ein Kauf- oder Verkaufsignal wird erst dann akzeptiert, wenn der Trendwechsel stark genug ausfällt, also der Anstieg des aktuellen Kurses über die Trendlinie eine bestimmte Größenordnung erreicht, also „signifikant“ ist, wie die Charttechniker sagen. Diese Sicherheitsmarge wird üblicherweise umso größer definiert, je höher die Volatilität ist. Die Entwicklung solcher Filterregeln ist das zweite Kunststück bei der Konstruktion von Trendfolge-Systemen: Einerseits sollen Fehlsignale möglichst sicher erkannt werden, was für hohe Sicherheitsmargen spricht. Hohe Sicherheitsmargen haben aber den Nachteil, dass man erst später reagiert, wenn schon ein Teil der Kursbewegung gelaufen ist, auf die das Portfolio ausgerichtet werden soll. Die – ANZEIGE – Sicherheitsmargen bedingen verzögerte Reaktionen. Allerdings ist mit diesem Vorgehen sichergestellt, dass der jeweils mögliche Verlust (der „draw down“) in jedem Falle begrenzt bleibt.

Als Alternative stehen bei allen Fonds Geldmarktanlagen zur Verfügung, wenn die Signale des Trendfolgesystems nur zur Anlage von Teilbeträgen führen, etwa weil innerhalb des Aktienfonds einzelne Branchen wegen eines negativen Trends auf null gesetzt werden. Darüber hinaus können hier sogar negative Positionen mit Short-ETFs aufgebaut werden, so dass diese Strategie auch bei klar negativen Trends weiter positive Ergebnisse ermöglicht. Am einfachsten ist das anhand des Rentenfonds Avana IndexTrend Europa Control (DE000A0RHDC7) nachvollziehbar: Der Fonds investiert in deutsche Renten-ETFs. Die Anlagestrategie ist in fünf Laufzeiten- Bänder gegliedert, die jeweils durch spezielle Indizes und darauf bezogene ETFs erfasst sind. Sofern wenigstens für drei der fünf Laufzeitkategorien Verkaufsignale vorliegen, wird auch in Shorts auf den Bund- Future investiert. In diese Anlage können bis zu 50 % des Gesamtvermögens gehen. Von daher kann der Fonds auch in schwachen Märkten weiter positive Ergebnisse erzielen.

(Martin Klingsporn)


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