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GDV-Pressekolloquium 2009

Beitragseinnahmen hui, Nettoverzinsung pfui!

Auch den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat die Finanzkrise 2008 getroffen.

Wie aus einer aktuellen Statistik des GDV hervorgeht, welche im Rahmen des Pressekolloquiums 2009 in Berlin vorgestellt wurde, ist die Nettoverzinsung der deutschen Lebensversicherer um rund 1 % gesunken. Waren es zum Stichtag 31. Dezember 2007 noch 4,64 %, wird die Nettoverzinsung zum Ende 2008 laut den Experten des GDV nur noch 3,62 % betragen. In den Jahren zuvor waren es noch 4,82 %. Aber auch sonst sind Veränderungen zu beobachten.

Die Summe der Kapitalanlagen reduzierte sich gegenüber 2007 um über 7 Mrd. Euro auf nun 689,1 Mrd. Euro. Immer noch stehen die Kapitalanlagen damit aber über dem Wert von 669,2 Mrd. Euro aus dem Jahre 2006. Besonders auffällig, jedoch nicht verwunderlich, war dabei ein Wandel im Bereich der Asset-Allokation der Versicherer. So wurde der Aktienanteil um 3,7 % auf nun 4,8 % zurückgefahren und der Anteil festverzinslicher Papiere wie Pfandbriefe, Schuldscheindarlehen an Banken, Staaten und Unternehmen, Hypotheken oder Rentenfonds um 3 % auf nun 85,3 % erhöht. Besonders stark war hier der Zugang von Rentenfonds, der im Rahmen der festverzinslichen Papiere um 3,3 % auf nun 20,2 % gesteigert wurde. Anscheinend geschah bei deutschen Lebensversicherern vermehrt ein Wechsel von Aktien in Fonds enthaltende Renten.

Schon eher verwunderlich - die Immobilienquote blieb konstant bei 3,4 % bestehen. Wo doch noch im August letzten Jahres das Haus Ernst & Young (E&Y) prognostizierte, dass die Versicherungsbranche ihre eigene Immobilienquote erhöhen wollte. Wie die Untersuchung „Immobilienanlagen der Assekuranz 2008" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft E&Y damals zeigte, wollten 63 % der befragten Versicherer in Deutschland zukünftig ihre Immobilienquote im Schnitt um 7,35 % erhöhen. Hierzu erläutert Ulrich Bockrath, Medienreferent Konzernkommunikation AXA Konzern AG: „Bei den Lebensversicherern des AXA Konzerns ist der Grundbesitzanteil an den Kapitalanlagen 2008 nahezu konstant geblieben. Die Entwicklung bei AXA befindet sich somit im Einklang mit den GDV-Unterlagen. Wodurch die besagte Studie zu anderen Ergebnissen kommt und weshalb die dort angeführte Steigerung ausgeblieben ist, können wir nicht beurteilen."

Währendessen erklärt Dr. Maximilian Zimmerer, Vorstandsvorsitzender ALLIANZ DEUTSCHLAND AG: „Wir halten Immobilien für eine interessante Assetklasse, die risikoadjustiert attraktive Renditen sowie einen gewissen Inflationsschutz bietet. Allerdings unterliegen auch Immobilienmärkte Zyklen. So hat Allianz Leben in 2007, als die Bewertungen historisch hoch waren, im Rahmen von Paketverkäufen das Exposure zum Immobilienmarkt zunächst deutlich auf rund 3 % reduziert. Seitdem sind die Immobilienpreise auf breiter Front gefallen, und wir gehen davon aus, dass diese Korrektur noch etwas andauern wird. Daher wurde in 2008 nur sehr selektiv und zurückhaltend reinvestiert. Mit zunehmender Bodenbildung der Preise ist aber ein verstärkter Ausbau des Immobilien-Exposures beabsichtigt."

Im Bereich der Beitragseinnahmen konnten die Lebensversicherer ein leichtes Plus verzeichnen. Insgesamt wurden in 2008 rund 6,9 Mio. Neuverträge mit einer Beitragssumme (Bewertungssumme) von knapp 175 Mrd. Euro abgeschlossen. Dies bedeutet bei Neuverträgen ein Minus von 12,5 % und bei der Beitragssumme ein Zugang von gut 8 % gegenüber den Vorjahreswerten. Die gebuchten Bruttobeitragseinnahmen der Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds erreichten 79,6 (2007: 79,0) Mrd. Euro, das sind 0,8 % mehr als im Jahr zuvor. Die Lebensversicherer alleine verzeichneten somit ein Beitragsplus von 1,1 %. Auf der Auszahlungsseite überschritten die Lebensversicherungskunden im Jahr 2008 erstmals 70 Mrd. Euro! Insgesamt wurden rund 72 (2007: 66) Mrd. Euro an die Kunden ausgezahlt (plus 8,6 %). Der anhaltende Trend der regulären Vertragsabläufe lässt die Lebensversicherer aber schon wieder düster ins aktuelle Jahr schauen. „Jenseits der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise führt im Bereich der Lebensversicherung vor allem die anhaltend hohe Anzahl regulärer Vertragsabläufe zu entsprechend hohen Einbußen bei den Beitragseinnahmen, so dass im größten Versicherungszweig für 2009 mit einem Rückgang der Beitragseinnahmen um 2 bis 3 % zu rechnen ist", heißt es da aus dem Hause des GDV!

(Marc Oehme)


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