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„Verzweifelt in der Spaßgesellschaft“

Berufsunfähigkeitsversicherung

Es war schon schöner, berufsunfähig zu werden, zumindest dann, wenn man dabei Versicherungsschutz genoss. Doch inzwischen leiden die Versicherer hier zu Lande an ihrer aus Wettbewerbsgründen selbst verordneten Großzügigkeit und ziehen die Reißleine. Gleichwohl: Die private Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit ist ein Muss; denn gesetzlich gibt es für Jüngere nichts mehr und die Risiken wachsen.

Mehr Zurückhaltung ist für die Versicherer auch nötig; denn vielfach wurden sie schlichtweg ausgenützt. So haben sie die sogenannte Beamtenklausel, wonach die Dienstunfähigkeitsbescheinigung des Arbeitgebers genügt, um Berufsunfähigkeitsleistungen zu beziehen, schon vor längerem kassiert. Vorruhestandsregelungen mit Hilfe privater Berufsunfähigkeitsrenten aufzubessern, das funktioniert heute nicht mehr so einfach.

Dabei sind psychische Erkrankungen bei der Rentenzugangs-statistik des Verbandes Deutschen Rentenversicherungsträger bereits seit 2000 sowohl bei Männern als auch bei Frauen der zweithäufigste Grund für den Antrag auf Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Nur Muskel-, Skelett- und Bindegewebe-Malaisen führten noch häufiger zu Erwerbsunfähigkeit. Doch relativ nehmen diese Ursachen ab und dürften in wenigen Jahren, wenn die Entwicklung so weitergeht, von psychischen Erkrankungen überflügelt werden.
Schon der letzte Bundesgesundheitssurvey von 1998 hatte depressive Störungen bei rund vier Millionen Bundesbürgern festgestellt. Zwar gilt das noch in erster Linie für die reiferen Jahrgänge, doch die Jugend zwischen 15 und 29 Jahren weist die höchsten Zuwachsraten auf.

Mehr Zurückhaltung ist für die Versicherer auch nötig; denn vielfach wurden sie schlichtweg ausgenützt. So haben sie die sogenannte Beamtenklausel, wonach die Dienstunfähigkeitsbescheinigung des Arbeitgebers genügt, um Berufsunfähigkeitsleistungen zu beziehen, schon vor längerem kassiert. Vorruhestandsregelungen mit Hilfe privater Berufsunfähigkeitsrenten aufzubessern, das funktioniert heute nicht mehr so einfach.

Dabei sind psychische Erkrankungen bei der Rentenzugangsstatistik des Verbandes Deutschen Rentenversicherungsträger bereits seit 2000 sowohl bei Männern als auch bei Frauen der zweithäufigste Grund für den Antrag auf Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Nur Muskel-, Skelett- und Bindegewebe-Malaisen führten noch häufiger zu Erwerbsunfähigkeit. Doch relativ nehmen diese Ursachen ab und dürften in wenigen Jahren, wenn die Entwicklung so weitergeht, von psychischen Erkrankungen überflügelt werden.
Schon der letzte Bundesgesundheitssurvey von 1998 hatte depressive Störungen bei rund vier Millionen Bundesbürgern festgestellt. Zwar gilt das noch in erster Linie für die reiferen Jahrgänge, doch die Jugend zwischen 15 und 29 Jahren weist die höchsten Zuwachsraten auf. „Immer mehr junge Menschen reagieren offensichtlich mit psychischen Problemen auf die Anforderungen im beruflichen und privaten Umfeld. Das ist die Schattenseite der Spaßgesellschaft“, kommentierte der stellvertretende DAK-Vorstandsvorsitzende Eckard Schupeta die Entwicklung. Dabei gehen DAK wie die Autoren des Bundesgesundheitssurveys von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn vielfach würden psychische Leiden nicht als solche erkannt, da sie sich häufig auch organisch bemerkbar machten. Oft scheuten sich die Erkrankten auch, wegen psychischer Erkrankungen einen Arzt aufzusuchen. Vor diesem Hintergrund kann eine private Berufsunfähigkeitsversicherung gar nicht früh genug abgeschlossen werden.

Ohnehin gibt es auch für gesetzlich Versicherte heute keine Alternative mehr zur privaten Vorsorge. Denn seit dem 1. Januar 2001 steht Jüngeren - Geburtsjahrgängen ab 1961 - statt einer gesetzlichen Berufsunfähigkeitsrente nur noch eine zweistufige Erwerbsminderungsrente zu. Was hierbei zählt, ist die Arbeitsfähigkeit. Beruf, Ausbildung und Wissen spielen für den gesetzlichen Schutz keine Rolle mehr. Wer seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann, für den lässt sich - zumindest theoretisch - noch irgendeine Erwerbstätigkeit zum Verdienen der Brötchen finden.

Und noch wer mehr als sechs Stunden pro Tag arbeiten kann, der ist für den Gesetzgeber ohnehin kerngesund. Nur wer aus gesundheitlichen Gründen weniger als drei Stunden am Tag zu arbeiten im Stande ist, bekommt die volle Erwerbsminderungsrente. Bei bis zu sechs Stunden Arbeitsfähigkeit gibt es die Hälfte. Dabei ist der staatliche Erwerbsunfähigkeitsschutz alles Andere als üppig. Die durchschnittliche Rente bei Erwerbsunfähigkeit liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes für einen Mann bei rund 600 Euro im Monat.
Zwar waren die gesetzlichen Berufsunfähigkeitsrenten schon bislang bescheidener als Erwerbsunfähigkeitsrenten. Doch nun gibt es sie für jüngere Jahrgänge überhaupt nicht mehr. Jüngere haben daher gar keine andere Wahl, als privat für den Fall der Berufsunfähigkeit vorzusorgen. Und dieser Fall ist keineswegs selten. Rund jeder vierte Arbeitnehmer nämlich scheidet aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben aus, davon ein volles Viertel vor dem vierzigsten Geburtstag.
In dieser Hinsicht allerdings besteht noch ein erheblicher Aufklärungsbedarf. Die Ergebnisse einer repräsentativen INRA-Umfrage im Auftrag von „FinanceScout24“ - nach eigenen Angaben Deutschlands größtes Finanzportal im Internet, das inzwischen auch selbst Finanzdienstleistungen vermittelt - zeigen das. Denn demnach sind über die Hälfte der Deutschen unter 35 Jahren der Ansicht, dass im Fall der Berufsunfähigkeit der Staat für sie sorgen sollte. Im Durchschnitt vertraten 40 Prozent aller Befragten diese Auffassung. Zwar waren auch 83 Prozent der befragten Bundesbürger davon überzeugt, dass es wichtig sei, beim Thema Berufsunfähigkeit bereits in jungen Jahren aktiv zu werden. Und immerhin ein gutes Viertel haben über eine Berufsunfähigkeitsversicherung schon nachgedacht, allerdings noch nichts unternommen.

Deutliche Unterschiede zeigten sich zwischen den Altersgruppen. „Während bei den älteren Bundesbürgern über 55 Jahren ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer solchen Versicherung zu erkennen ist“, schreibt FinanceScout24, „stehen die Jüngeren der Thematik abwartend gegenüber“. Demnach meinte ein volles Fünftel aller Befragten, es sei in jungen Jahren wichtiger, Geld zu haben als sich gegen Berufsunfähigkeit abzusichern. Bei den unter 35-jährigen war sogar jeder Dritte dieser Ansicht.
Hier sind die Finanzdienstleister gefordert. Dass ein solcher Schutz unverzichtbar ist, schreibt selbst der Lebensversicherungen gegenüber bekanntlich recht kritisch eingestellte Bund der Versicherten. In seiner „Medieninformation vom 26. 05. 2003“ kritisiert der Bund die Stiftung Warentest in Berlin als verantwortungslos, weil sie in Heft 6/2003 von „Finanztest“ versäumt habe, allen Berufstätigen zur Absicherung ihres existenznotwendigen Einkommens den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu empfehlen.

(Michael J. Glück)


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