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Fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen

Besser als ihr (momentaner) Ruf

Dem beispiellosen Höhenflug der sogenannten Fondspolicen folgte im vergangenen Jahr ein doch recht jäher Absturz. Die hannoverschen Ratingspezialisten Michael Franke
und Katrin Bornberg meinen allerdings, dass die geschmähten Produkte besser sind als ihr momentaner Ruf - und können dies auch belegen.

Federn haben sie deutlich lassen müssen, die Fondspolicen, das ist unübersehbar. Frage ist, woran liegt’s, dass die jüngsten Shootingstars der Versicherungsszene zur Zeit so arg zerrupft da stehen? Ist es das allgemein kühle Börsenklima - oder ist der hiesige Markt womöglich noch nicht recht reif für so vergleichsweise innovative Produkte?
Auf jeden Fall tun die Anbieter - ihrer achtzig sind gegenwärtig mit Fondspolicen am Markt präsent – das ihre, um verlorenes Terrain bei Vermittlern und Verbrauchern wieder wett zu machen; unter anderem zum Beispiel mit Produkten, die Garantien enthalten. Die meisten davon hätten indes noch vor wenigen Jahren kaum das Etikett »Fondspolice« bekommen, da ein doch nicht ganz unbeträchtlicher Teil der Anlagegelder im Deckungsstock des jeweiligen Versicherers landet. Wie ist es also im Ganzen um die Produktqualität bei den Fondsgebundenen bestellt? Um hier relevante Aussagen treffen zu können, bedarf es einer geeigneten Methodik, die unter anderem den gefährlichen Äpfel-mit-Birnen-Vergleich vermeidet, aber auch gewährleistet, dass an alle in Frage kommenden Produkte die gleiche Messlatte angelegt wird.

Nicht immer werden Kosten
der Kapitalanlage in der Modellrechnung sowie die Qualität der Anlage selbst berücksichtigt.


Nur wenig tauglich ist unserer Meinung auch der - oft von Anbietern mit überdurchschnittlichen Modellrechnungen geforderte - Produktvergleich anhand der Kosten des Vertrags. Denn vielfach verweigern die Versicherer die Offenlegung der tatsächlich eingerechneten Kosten; nicht immer werden Kosten der Kapitalanlage in der Modellrechnung sowie die Qualität der Anlage selbst, die ja größten Einfluss auf das Ergebnis des Vertrags hat, berücksichtigt.
Wir haben deshalb eigens für die Fondspolicen ein Verfahren entwickelt, das vor allem in der Art der Bewertung neu ist. Denn nach wie vor werden überwiegend Vergleiche veröffentlicht, die auf Selbstauskünften der Versicherer beruhen. Das lädt natürlich den Bock ein, sich zum Gärtner berufen zu fühlen. Im Interesse objektiver Datenerhebung haben wir deshalb jede Leistungsaussage aller Anbieter detailliert überprüft und ausschließlich das bewertet, was in den Versicherungsbedingungen, der Verbraucherinformationen oder den einzelnen Policen schwarz auf weiß niedergelegt ist - also in denjenigen Unterlagen, die im Fall von Vertragsstreitigkeiten relevant sind.
Dabei fanden wir bei vielen Produkten eine überraschend geringe Regelungstiefe. Offensichtlich behalten sich zahlreiche Anbieter erhebliche Kulanz- und Ermessensspielräume vor. Unserer Meinung nach aber hat der Kunde einen ganz klaren Anspruch auf verbindliche, nachvollziehbare Regelungen - mit jederzeit auch wieder verweigerbaren Leistungen ist ihm nicht gedient.

Ziel ist es, Vermittlern und Verbrauchern eine klare Orientierungshilfe für den doch recht unübersichtlichen Markt der Fondspolicen zu bieten.

Ziel unseres Bewertungsverfahrens ist es, Vermittlern und Verbrauchern eine klare Orientierungshilfe für den doch recht unübersichtlichen Markt der Fondspolicen zu bieten, denn verbindliche Mindeststandards, die als gemeinsame Basis dienen könnten, gibt es nicht. Bewusst haben wir uns dabei nicht auf den reinen Vergleich der Versicherungsbedingungen beschränkt, sondern bis zu 42 zusätzliche Kriterien einbezogen, die zur Auf- oder Abwertung eines Produktes führen können. Wir haben drei Wertungsbereiche untersucht:

  • Versicherungsbedingungen

  • Anlagemöglichkeiten/Fondsauswahl

  • Anträge


Zusätzlich haben wir eine Eigenschaftswertung vorgenommen, und zwar dahingehend, inwieweit sich das Produkt als Renten- oder als Lebensversicherung eignet, unabhängig von der tatsächlichen Produktbezeichnung (siehe Kasten »Leben und Rente«). Und wir haben die individuelle Kundenmentalität berücksichtigt und die Produkte daraufhin abgeklopft (siehe Kasten »Kleine Kundentypologie«). Um größtmöglichen Praxisbezug sicher zu stellen, wurden auch Ergebnisse der hoch- und höchstrichterlichen Rechtsprechung der letzten Jahre in das Bewertungsverfahren einbezogen.
Um zu einer sinnvollen Gesamt-Qualitätsaussage zu kommen, ist die getrennte Untersuchung und Bewertung der einzelnen Bereiche erforderlich; denn es wäre methodisch unsauber, wenn sich beispielsweise schlechte Noten bei den Versicherungsbedingungen mit guten Ergebnissen im Bereich Fondsauswahl kompensieren lassen könnten. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass längst nicht alle Eigenschaften, die ein Produkt hochgradig vermittlungsattraktiv machen, tatsächlich auch für den Kunden nützlich sind. Unser Bewertungsverfahren ist daher so aufgebaut, dass sich sinnvolle Maßnahmen zum Schutz des Versichertenbestandes nicht nachteilig auswirken. Zugleich wurde überprüft, inwieweit vorhandene Regelungen wirklichen Kundennutzen gewährleisten.
Rund 170 zur Zeit am Markt angebotene Fondspolicen wurden nach unserem sehr aufwändigen und im Rahmen dieses Beitrags längst nicht erschöpfend dargestellten Verfahren überprüft und bewertet. Im Ergebnis ist fest zu stellen: Die Anbieter haben an Professionalität sichtlich zugelegt, die Qualität steigt. Ein positives Signal für den Verbraucher, der gute Chancen hat, vom verschärften Wettbewerb in einem enger werdenden Markt zu profitieren - so er sich denn bei seiner Entscheidung nicht von schillernder Reklame, sondern von objektiven Fakten leiten lässt.

(Katrin Bornberg & Michael Franke)


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