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Kommt in 2005 der Durchbruch?

Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Jeder Arbeitgeber ist seit 2002 gesetzlich verpflichtet, seinen Mitarbeitern ein Altersvorsorgeangebot zu unterbreiten. Aus gutem Grund: Ruheständler beziehen heute nur noch rund fünf Prozent ihrer Einkommen aus Firmenrenten, damit bildet Deutschland international das Schlusslicht. Die Frage ist: Kommt jetzt – nach dem Wegfall des Privilegs der Steuerfreiheit in der Lebensversicherung – der große Boom in der betrieblichen Altersvorsorge?

„In die lange Zeit vernachlässigte Schicht betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist Bewegung gekommen, seit Arbeitnehmer einen entsprechenden Rechtsanspruch haben“, so Axel Weber, Vorsitzender des Vorstandes der DekaBank. Über Fördermaßnahmen der Regierung wurde die betriebliche Altersvorsorge nun Jahr für Jahr schmackhafter für jeden Arbeitnehmer, aber auch für den Arbeitgeber gemacht. Bisher war die betriebliche Altersvorsorge gerade für Arbeitnehmer eher unattraktiv. Priorität hatte eine private Altersvorsorge über kapitalorientierte oder rentenorientierte Lebensversicherungen. Doch seitdem das Privileg der Steuerfreiheit zum 01. Januar diesen Jahres weggefallen ist, denken viele Arbeitnehmer um. Ein Umdenken zur betrieblichen Altersvorsorge – oder sind es andere Anlageformen, die für den Vertrieb und den Endkunden interessant werden?

> Die aktuelle Situation

Nach einer Untersuchung des Kölner Marktforschungsinstitutes Psychonomics bieten inzwischen 77 Prozent der Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeitern mindestens einen der fünf zur Verfügung stehenden Durchführungswege an. Besonders beliebt sind dabei Direktversicherungen und Pensionskassen, wobei laut Informationen der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) die Direktzusage mit 45 Prozent immer noch die mit Abstand am häufigsten gewählte Form im Jahre 2003 war. Dabei ist die Pensionskasse vor allem bei mittelständischen Unternehmen beliebt, weil es durch die Entgeltumwandlung zu niedrigeren Sozialabgaben kommt. Gerade kleinere Arbeitgeber haben in den vergangenen anderthalb Jahren stark aufgeholt. Ein großer Schub, wenn man bedenkt, dass bis dato knapp 60 Prozent einen Durchführungsweg anbieten und es im Mai 2003 noch gerade mal 25 Prozent der kleinen Unternehmen waren. Und das Spiel ist noch nicht zu Ende, wie Johann Prost, Leitung betriebliche Altersvorsorge bei Condor Lebensversicherungs-AG, Hamburg, erklärt: „Die betriebliche Altersvorsorge ist mehr denn je ein bedeutender Stützpfeiler im deutschen Vorsorge-System. Sie erlebt durch das Alterseinkünftegesetz eine Vielfalt an Neuerungen und Verbesserungen, die sich für Arbeitnehmer vorteilhaft auswirken. Die Bereitschaft von Arbeitnehmern über die betriebliche Schiene für ihr Alter vorzusorgen, wird dadurch gestärkt und die Absatzaussichten für die Versicherungsbranche werden auch in 2005 weiterhin ungebrochen sein.“

> Warum betriebliche Altersvorsorge?

„Generell gilt, dass die bAV für den Großteil der Arbeitnehmer Begünstigungen bietet. Neben nicht unerheblichen Steuerentlastungen und Sozialversicherungsersparnissen sind die Anwartschaften auch vor Zugriffen durch Hartz IV geschützt“, erläutert Thomas Bahr, Sales Director der Standard Life Versicherung. Und Prost ergänzt: „Dahingehend ist die private Altersvorsorge stets aus dem Nettogehalt zu finanzieren“ – 1:0 für die bAV! Aber auch Arbeitgeber sparen – je nach Wahl des Durchführungswegs – Steuern und Sozialversicherungsbeiträge über die Form der Entgeltumwandlung. Außerdem können für Beiträge zu Direktversicherungen, Pensionskasse oder Pensionsfonds staatliche Zulagen bzw. Steuervergünstigungen im Rahmen der Riester-Rente in Anspruch genommen werden – alles gute Verkaufsargumente für den Vertrieb. Ein weiterer Vorteil besteht in der ab Januar 2005 geltenden Portabilität bereits erworbener Betriebsanwartschaften. „Für Arbeitnehmer, die im Verlauf ihres Erwerbslebens mehrmals den Job wechseln, werden bAV-Angebote dadurch interessanter, dass künftig ihr bereits aufgebautes Betriebsrentenkapital zum neuen Arbeitgeber mitgenommen werden kann“, beschreibt Bahr die neue Möglichkeit. Kritisch dabei zu sehen ist, dass bei Direktzusage und Unterstützungskasse kein Rechtsanspruch besteht. Weiterhin darf der Übertragungswert die Beitragsbemessungsgrenze von 5.200 Euro (2005) pro Monat nicht übersteigen. Auch Unternehmensberater Dr. Henning Escher sieht einige Schwachstellen im Gesetz: „Der Arbeitnehmer kann zwar zukünftig die Mitnahme des so genannten Übertragungswertes verlangen; nicht gerüttelt hat der Gesetzgeber jedoch an der Entscheidungshoheit des Arbeitgebers. Über welches Modell und welchen Anbieter die bAV läuft, bleibt weiterhin einzig seine Wahl.“

> Zeig mir den Weg!

Direktzusage, Pensionskasse, Direktversicherung, Unterstützungskasse, Pensionsfonds oder doch etwas ganz anderes – welche Vorsorgeart ist denn der oft zitierte Königsweg?
Beim Alterseinkünftegesetz sind die Direktzusage und die Unterstützungskasse außen vor geblieben. Während das Gesetz eher auf die steuerliche Behandlung der Eigenvorsorge des Arbeitnehmers abhebt, handelt es sich bei diesen beiden um Durchführungswege, die alleine durch Zuwendungen vom Arbeitgeber getragen werden. Interessent wird auch der Chef des Unternehmens selbst. Siegfried Gleiche, Occupational Pensions Manager von Clerical Medical: „Bei der Direktzusage (klassische Pensionszusage) werden wir uns verstärkt um das Segment Gesellschafter-Geschäftsführer und leitende Mitarbeiter kümmern.“ Prost: „Die Condor Lebensversicherungs-AG bietet hierzu die rückgedeckte Unterstützungskasse und die rückgedeckte Pensionszusage mit dem weitreichenden Rund-um-Service an.“ Anders bei Pensionsfonds, Direktversicherung und Pensionskasse. „Wir gehen davon aus, dass sich 2005 im Bereich der betrieblichen Vorsorge einiges bewegen wird. Die steuerliche Gleichstellung der Direktversicherung mit der Pensionskasse wird dem bAV-Markt interessante Impulse verleihen.“ erläutert Standard Life Versicherungs-Experte Bahr. Im Rahmen des Alterseinkünftegesetzes wurde zum 01. Januar 2005 unter Einbeziehung der Direktversicherung in den Förderrahmen des §3 Nr. 63 EstG die Direktversicherung der Pensionskasse gleichgestellt. Demnach kommt es künftig zu einem „gerechten Konkurrenzkampf“ zwischen Pensionskassen und Lebensversicherungsunternehmen, die Direktversicherungen anbieten werden. Hierzu Gleiche: „Wir werden die positive Stimmung nutzen, zumal die Förderung der Direktversicherung durch die gesetzlichen Änderungen ab 01.01.2005 erheblich verbessert wurde: Ab sofort können p.a. ca. 4.300 Euro nun steuerbegünstigt in eine Direktversicherung eingezahlt werden (ohne Einschränkung aus Regelgehalt oder aus Sonderzahlung), die Verlagerung von Kapital- zu Rentenleistungen wird den zur gesetzlichen Rentenversicherung ergänzenden und ersetzenden Charakter des kapitalgedeckten Durchführungsweges Direktversicherung wesentlich stärken.“

Unüberhörbar melden sich jedoch auch Kritiker zu Wort (s. Beitrag „Alles muss raus!“ Ausgabe 06/2004), die die Direktversicherung künftig weniger attraktiv einschätzen. Zum einen sei sie mit einer normalen privaten Lebensversicherung zu verwechseln, zum anderen sei vermutlich die Nachfrage nach dem 31.12.2004 nicht mehr ausreichend vorhanden.
Damit könnten Pensionskassen und Pensionsfonds an Bedeutung gewinnen. Verstärkt auch durch den neu eingeführten Festbetrag von 1.800 Euro und die gleichzeitige Möglichkeit, dass in der Einzahlungsphase die Steuerlast auf das Bruttoeinkommen deutlich gemindert werden kann. Für den bisher zumeist unbeliebten Pensionsfonds spricht dagegen eine höhere Renditeorientierung.

> Oder doch andere Anlageformen?

Seit diesem Jahr wittert auch die Fondsindustrie neue Chancen im Bereich des Vorsorgemarktes. „Bis ins vergangene Jahr hatte nur etwa jeder fünfte Bundesbürger mit Fonds für das Alter vorgesorgt“, erläutert Adig-Geschäftsführer Hans-Jürgen Löckener. Dabei ist das Geschäft mit den Fondssparplänen gerade für junge Vorsorger sehr rentabel. „Ein 20 Jahre laufender, defensiver Fondssparplan – mit 80 Prozent Renten- und 20 Prozent Aktienanteil – bringt nach Steuern bei weitem mehr Endkapital als eine analog laufende Kapitallebensversicherung", errechnet Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des BVI-Verbandes. Die jetzige Herausforderung sieht Löckener sehr konkret: „Durch die künftige Besteuerung der Lebensversicherung besteht nun eine deutliche Chance für die Investmentindustrie, dass künftig mehr Deutsche über Fonds langfristig vorsorgen." Trotz dieser Perspektiven stehen sowohl Vermittler als auch Anleger dieser Art der Anlageform noch verhältnismäßig skeptisch gegenüber. Denn ungeklärt ist bislang: Liegt es wirklich an den schwankenden Kursen oder nicht doch an den niedrigen Provisionen? Dazu Seip: „Die Furcht vor Kursverlusten ist immer noch in den Köpfen vieler Bürger, weshalb diese derzeit zu selten Fonds als Vorsorgeanlage wählen. Dabei sind sichere Lebenszyklus-Modelle, bei denen mit fortschreitenden Lebensalter des Sparers von renditebringenden Aktien- in stabilere Rentenfonds umgeschichtet wird, Standard und keine Hexerei. Diese Punkte müssen dem Vorsorger, vor allem aber auch dem Vermittler deutlich gemacht werden".

> Zukunftsmarkt bAV

Für Bahr steht fest: „Die bAV gewinnt deutlich an Attraktivität.“ Auch andere Anbieter sehen es ähnlich. Wie Gleiche, wenn er versichert: „2004 war ein gutes Jahr für die betriebliche Altersvorsorge mit Clerical Medical. Die Belohnung mit dem bAV-Produkt-Award 2004 auf der DKM Dortmund ist uns eine Bestätigung und Verpflichtung, genau hier fortzufahren.“
Michael Ehlers, Vorstand HDI Pensionsmanagement: „Wichtig ist jedoch gerade für mittelständische Betriebe, dass sie verlässliche Partner auf Seiten der Versicherungen erhalten, die ihnen die gesamten bürokratischen Details abnehmen, die kompetente Spezialisten sind und die entscheidenden vertraulichen Gespräche mit den einzelnen Mitarbeitern führen. Bedeutungsvoll ist aber vor allem auch die ständige Betreuung, auf die Profis wie HDI Wert legen." So sieht es auch Condor-Fachmann Prost wenn er versichert: „Letztendlich entscheidend für Kunden und Berater werden die Leistungsfähigkeit der Produkte, aber auch der Service sein.“ Die bAV kann also als Vorsorgeform in diesem Jahr ein echter Gewinner werden.

(Marc Oehme)


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