Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

DBVI-Pleite

Bis die letzte Kerze brennt

Die Insolvenz der Deutsche Beamten Vorsorge Immobilienholding AG (DBVI) ist für die Sparer, die ihr Geld in den Aktiensparplan der DBVI AG gesteckt haben, ein Desaster.

Ihr Geld dürfte weitestgehend verloren sein. Eine Garantie der SECI (vormals als C&H Vermögensplan zum Thannhuber-Reich gehörig) dürfte kaum besonders viel bringen. Durch die Garantie der SECI sollte sichergestellt werden, dass jeder Anleger am Ende der Laufzeit des Sparvertrages mindestens den Einstandskurs erhielte.

Da für die Aktiensparer bereits der schlimmste Fall eingetreten und nur noch wenig zu hoffen ist, sind jetzt eher die Konsequenzen für die ehemaligen DBVI-Töchter Deutschlandfonds 1. und 2. KG sowie den DBVI Leasingfonds von Interesse. Diese Fonds wurden schon vor einiger Zeit aus dem DBVI-Reich des Gründers und Vorstands Klaus Thannhuber herausgelöst und zunächst von der DFO geführt und sind mittlerweile unter dem Dach der German City Real Estate GmbH (GCRE) gelandet, die die DFO gemeinsam mit ihrem englischen Partner aus der Comer Homes Group betreibt.

Die Trennung der DBVI AG von ihren Anteilen an den Fonds könnte sich noch als problematisch erweisen, waren diese doch die wichtigsten Aktiva der Holding und damit der Aktiensparer: Die DBVI AG kündigte im Rahmen des Gesellschaftsvertrags ihre Anteile an den geschlossenen Fonds wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Hintergrund war offenbar die seit längerem drohende Insolvenz der AG. Die anschließende Auseinandersetzung ergab, dass sie „netto Null“, also ohne echtes Abfindungsguthaben aus den Fonds ausschied. Die Fonds übernahmen lediglich Darlehensverpflichtungen von der DBVI. Hintergrund: Die DBVI AG hatte ihre Fondsanteile weitgehend durch Bankkredite finanziert, wobei die Objekte der Fonds als Sicherheit dienten.

Um die Bewertungen der Anteile droht Streit: Der Insolvenzverwalter hat das Recht, auch länger zurückliegende Verträge und Vereinbarungen anzufechten, wenn damit der Insolvenzmasse Vermögen entzogen wurde. Dass diese Regelung mehr als blanke Theorie ist, bekommen derzeit Anleger der Göttinger Gruppe (GG) zu spüren: Viele stiegen per Vergleich aus den Sparplänen („Securente“) der GG-Kerngesellschaft Securenta aus und sicherten sich wenigstens einen Teil ihrer Einzahlungen – schien es. Inzwischen müssen sich die Anleger zunehmend mit den Rückforderungen der Insolvenzverwalter herum schlagen.

Ganz offen sind die Probleme beim Leasingfonds der DBVI aufgebrochen, wo sich stärker als bei den anderen Produkten der DBVI AG eine Vermischung privater Interessen des früheren Chefs Klaus Thannhuber mit den Anlagen der DBVI ergeben hat. Thannhuber war größter Einzelanleger des Fonds und hatte seine Beteiligung per Darlehen finanziert, die wiederum durch Grundschulden auf die beiden Objekte (Opelhauptverwaltung in Rüsselsheim und WDR-Arkaden in Köln) besichert waren.

Gemäß einem Schreiben des Treuhänders Dieter Pape an die Anleger wird diese Verquickung zum Problem, weil Thannhuber seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. So sei per März 2007 ein Darlehen über rund 26 Mio. Schweizer Franken fällig geworden, das Thannhuber bis heute nicht beglichen habe. Das Darlehen ist mit erstrangiger Hypothek auf die WDR-Arkaden besichert, die Bank hätte also schon die Möglichkeit gehabt, zuzugreifen, habe sich allerdings zu einer Stundung bewegen lassen. Alexander Grau sprach in diesem Zusammenhang von Schwierigkeiten, bestehende Forderungen gegen Thannhuber durchzusetzen, ohne auf Details einzugehen. In informierten Kreisen war jedoch von „Schwierigkeiten bei der Zustellung“ die Rede. Die Anleger haben mittlerweile beschlossen, die WDR-Arkaden zu verkaufen, um ein Darlehen zur Finanzierung des Objektes in Rüsselsheim abzulösen. Dieses Darlehen hatte die inzwischen selbst in die Insolvenz geratene US-Investmentbank Lehman Brothers zusammen mit persönlichen Verbindlichkeiten Thannhubers aufgekauft. Nun versucht der europäische Lehman-Abwickler PricewaterhouseCoopers (PwC-London) auch diese Positionen zu Geld zu machen, um die Lehman-Gläubiger zu befriedigen.

Die neueste und für sie selbst höchst blamable Wendung im Ränkespiel lieferte die Münchner Initiatorin Hannover Leasing (HL), die für die Opel-Hauptverwaltung eine besondere Rolle spielt: Sie hat das Objekt nicht nur konzipiert, sondern ist bis heute für die Geschäftsführung der Objektgesellschaft Selene KG verantwortlich. Nach Informationen von Fondsgeschäftsführer Alexander Grau und -treuhänder Dieter Pape hatte die Selene KG dem Leasingfonds mitgeteilt, er sei aus der Gesellschaft ausgeschieden aus einem wichtigen Grund, womit vermutlich die Insolvenz der früheren Muttergesellschaft DBVI AG gemeint war.

Unsere Bitte um eine Stellungnahme der HL brachte keine Aufklärung, aber abenteuerliche Aussagen zutage. Keine unserer Fragen wurde konkret beantwortet und stattdessen auf Verhandlungen mit Opel verwiesen, deren Vertraulichkeit keinerlei Aussage gestatten würde. Fakt ist: Die Leasingraten wurden kürzlich neu festgesetzt und alle anderen Parameter sind ohnehin festgeschrieben. Worüber verhandelt wird, sagt die HL nicht. Unklar bleibt auch, was die Gesellschafterstellung des Leasing-Fonds in der Selene KG damit zu tun hat. Ein seriöser Partner verhält sich anders.

Die Aktionsgemeinschaft Fonds-Geschädigte übte mittlerweile scharfe Kritik am Vorgehen der Geschäftsführung und vor allem an der Information durch den Treuhänder. So sei den Anlegern das konkrete Angebot des WDR nicht vollständig vorgelegt worden und die vorgelegte Kalkulation in sich unklar. Ebenso unklar sei für die Anleger geblieben, woher der Sanierungsbedarf bei Objekt Rüsselsheim stamme. Aufklärung verlangen sie zudem über die Finanzbeziehungen zwischen den Fonds und der fallierten Reithinger Bank, die als erste Säule des Thannhuber-Reichs zusammenbrach und dabei die Fonds um einen Teil ihres in Reithinger-Schuldverschreibungen angelegten Vermögens brachte.

(Martin Klingsporn)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: