ZAHLEN, BITTE!
Bleibt die PKV im Alter bezahlbar? Gibt es einen Systemvergleich zwischen PKV und GKV?
Nichts ist für immer und nichts ist umsonst. Mit dem großen Zuwachs von Versicherten bleibt ein Wachstum von so genannten schlechten Risiken auch bei den Privaten Krankenkassen nicht aus. Und so kommt es, wie es kommen musste. Erhöhte der Marktführer Debeka die Beiträge bereits im Januar 2004 um etwa sieben Prozent, müssen nun viele Konkurrenten...
nachziehen.Kurz und knapp
Die private Krankenversicherung (PKV) basiert auf dem Prinzip der Kapitaldeckung, die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist umlagefinanziert. Laut DKV, Deutsche Krankenversicherung AG, ist das umlagefinanzierte System durch die demografische Entwicklung in Deutschland bedroht. Ein kapitalgedecktes System funktioniert unabhängig von der Demografie. Dazu Dr. Alexandra Nepit, DKV: „Sinkende Geburtenraten führen in der GKV zu Leistungseinschnitten oder zu nahezu unbezahlbaren Beitragssätzen.“ Derzeit jedoch erhöhen gerade viele PKV-Versicherer ihre Beiträge. „Steigen die Beiträge in der PKV oder müssen die Mitglieder für ihre Familienangehörigen extra zahlen, erhöht sich die finanzielle Belastung“ – so Frank Szadzik, Unternehmensleitungsmitglied der TAUNUS BKK.
Ergänzend dazu erläutert Michaela Gottfried, Pressesprecherin des VdAK/AEV: „Bei den Ersatzkassen richtet sich die Höhe der monatlichen Beiträge allein nach dem Einkommen des Versicherten. Hierdurch ist sichergestellt, dass auch in Zeiten geringerer Einkünfte die Krankenversicherungsbeiträge bezahlbar bleiben." So hängt eine Erhöhung der zig PKVTarifgruppen immer vom Verhältnis der Einnahmen und Ausgaben ab. Die Einnahmenseite wird bestimmt durch den Beitrag und teilweise durch die Anlagevarianten der Versicherer am Kapitalmarkt. Die Ausgabenseite wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. Die stetig steigende Lebenserwartung bewirkt ein Wachstum der Ausgaben. Es ist kein Geheimnis: Menschen werden immer älter und dies führt zu höheren Aufwendungen!
Kamen im Jahre 2003 noch 45 über 60-Jährige auf je 100 Erwerbstätige, so werden es im Jahre 2030 schon circa 71 sein (siehe Grafik unten). Klaus Detlef Dietz, Geschäftsführer des Verbandes der privaten Krankenversicherung e.V., beschreibt die Situation mit den Worten: „In einer Gesellschaft, in der sich der Anteil der über 65-Jährigen in den nächsten Jahrzehnten verdoppelt, ist die langfristige Finanzierbarkeit einer angemessenen, medizinischen Versorgung somit eine der größten Herausforderungen.“
Eng mit dem Älterwerden verbunden sind neue und bessere technische Geräte und Behandlungsmethoden. Diese Kosten werden von der PKV getragen und gerade bei Privatpatienten werden teilweise Anwendungen vorgenommen und abgerechnet, die manchmal gar nicht notwendig gewesen wären.
Bleibt die PKV im Alter bezahlbar?
Falsch ist, dass solche Kosten- und Beitragssteigerungen vor allem oder ausschließlich in der PKV stattgefunden haben. Vielmehr ist zutreffend, dass sowohl GKV als auch PKV ungefähr im gleichen Maße von Kostensteigerung im Gesundheitswesen betroffen sind. Bedenken die Leistungsempfänger nun, dass viele Leistungskürzungen und erhebliche Zuzahlungserhöhungen bzw. neue abenteuerliche Zuzahlungsvarianten (Praxisgebühr) nur in der GKV vorgenommen worden sind, kann man dies als großen Vorteil für die PKV werten. „Obwohl PKV-Versicherte einen besseren Schutz als gesetzlich Versicherte haben, müssen sie für ihren Versicherungsschutz oft weniger zahlen als in der GKV“ – so Frau Dr. Nepit. Jedoch bieten laut Szadzik „...gesetzliche Krankenkassen ihren Mitgliedern seit einiger Zeit immer mehr zusätzliche Services, die über den gesetzlich geregelten Rahmen hinausgehen.“
Altersrückstellungen bilden
Die Taunus BKK unterstützt z. B. ihre Versicherten mit einem hauseigenen Gesundheitsberatungszentrum wie bei der Einleitung notwendiger therapeutischer Maßnahmen und Kuren. „Beiträge zur privaten Krankenversicherung werden individuell nach Geschlecht, Beitrittsalter, Gesundheitszustand sowie nach Art und Höhe der Leistungen berechnet. Bei Familien mit Kindern und älteren Menschen – also Personen mit eher eingeschränktem finanziellen Spielraum – werden deren geringere finanzielle Mittel nicht berücksichtigt. Sie zahlen entsprechend höhere Prämien, da auch ihr individuelles Krankheitsrisiko größer ist“, erläutert Frau Gottfried das System der Privaten.
Wichtig ist es demnach bei der PKV in frühen Jahren Alterrückstellungen zu bilden, so dass der Tatbestand des Älterwerdens für sich alleine genommen nicht zu steigenden Beiträgen führt. Bei hinreichend langen Vorversicherungszeiten kann der Beitrag absolut konstant bleiben – also wird die PKV im Alter bezahlbar bleiben. Jedoch räumt Dietz ein: „Bei den heute schon älteren Versicherten können die Beiträge aufgrund von steigenden Gesundheitskosten allerdings noch steigen, weil diese zusätzliche Vorsorgemaßnahme in den Tarifen noch fehlt oder noch nicht lange genug zum Tragen kommt.“
Problematisch kann es auch werden, wenn der Versicherte in Zahlungsrückstand gerät. Dazu Szadzik: „Bei Zahlungsrückständen kann die PKV den Vertrag mit dem Versicherten einseitig kündigen. Das kann möglicherweise dazu führen, dass bis zum Eintritt in eine andere private Versicherungsgesellschaft kein Versicherungsschutz besteht.“ Hierzu erläutert noch Frau Gottfried: „Als gesetzlich Versicherter müssen Sie im Falle eines Krankenkassenwechsels nicht befürchten, auf Grund bestehender Erkrankungen oder wegen fortgeschrittenen Alters bei der neuen Krankenkasse Zuschläge zahlen zu müssen oder gar von dieser abgewiesen zu werden. Innerhalb der PKV ist für ältere Privatversicherte ein Wechsel nur mit hohen Aufschlägen möglich."
Darstellung der Beitragsanpassung Beim Vergleich von GKV und PKV wird gerne von den Explosionen beim Anstieg von PKV-Beiträgen geredet, zuweilen von zweistelligen Zuwachsraten. Richtig ist: Bei der GKV sind die Beiträge einkommensabhängig. Erhöht sich das Einkommen von Herrn X, steigt sein Beitrag – umgekehrt sinkt dieser bei fallenden Einkommen. Für die Frage nach der Höhe der tatsächlichen prozentualen Steigerung ist dies allerdings weniger von Bedeutung. Eine Beitragssatzerhöhung von dreizehn auf vierzehn Prozent klingt wie ein bescheidener Anstieg – ist jedoch nicht unerheblich.
Bei einem Einkommen von 2.500 Euro bedeutet dies eine Kostensteigerung von 7,7 Prozent! Dies verbunden mit einer dreiprozentigen Gehaltssteigerung führt im Ergebnis zu einer zweistelligen Erhöhung des Krankenkassenbeitrages. „Beide Versicherungsarten haben Vorund Nachteile. Der Wechsel aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die Private (PKV) ist ein Schritt, über den viele Mitglieder nachdenken, deren Einkommen die gesetzlich festgelegte Jahresarbeitsentgeltgrenze überschreitet. Ein Wechsel sollte jedoch wohl überlegt sein. Denn der Weg aus der PKV zurück in die GKV ist nicht ohne Weiteres möglich. Für Mitglieder, die sich einmal nach § 8 SGB V von der Versicherungspflicht haben befreien lassen oder das 55. Lebensjahr vollendet haben, ist ein Zurück völlig ausgeschlossen“, beschreibt Szadzik.
Bezüglich der Zukunft der PKV steht für Dietz fest: „Die PKV hat die zentralen Herausforderungen der zukünftigen Gesundheitsversorgung erkannt und darauf reagiert. Damit ist die PKV erheblich besser für die Zukunft gerüstet als die GKV.“
Fazit:
Sicherlich ist es ein falsch verbreitetes Gerücht, wonach die PKV im Alter nicht mehr bezahlbar sei. Vielmehr werden die Kosten im Gesundheitswesen im Gesamten wachsen, mit dem Ergebnis, dass eine „ordentliche“ Beratung bei der Auswahl der richtigen Versicherung immer wichtiger wird. Auf den Berater kommt hierdurch mehr Verantwortung zu. Eine Differenzierung bietet aber auch gleichzeitig ein höheres Potential.
Lesen Sie hierzu in der nächsten FINANZWELT einen Bericht über die Analyse der Meinungen und Einstellungen von Versicherten und Krankenkassen zur Wechselbereitschaft und Krankenkassenwahl. Im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Fachhochschule in Mainz und der Unterstützung der Strategie- und Managementberatung 2hm & Associates GmbH hat Marcus Driessler hierzu eine konkrete empirische Untersuchung und Bewertung veröffentlicht







