Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Interview mit Prof. Didier Sornette

Börsencrashs mit Ansage

Prof. Didier SornetteProf. Didier Sornette

Die bekanntesten Börsencrashs datieren aus den Jahren 1929 und 1987. Eine Sache ist den rasanten Abflügen an den Kapitalmärkten dieser Welt gemein: Banker und Finanzjongleure wollten meist nichts von dem drohenden Unheil geahnt haben. Doch es regt sich Widerstand gegen diese Interpretation des Marktgeschehens. Die Analysen des Schweizer Professors Didier Sornette belegen: Börsencrashs kündigen sich vorher an. finanzwelt sprach mit dem Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich.

finanzwelt: Die Weltwirtschaft, zumindest Teile davon, befindet sich wiederum in einer Krise. War dieses Szenario, auch mit Hilfe der gängigen, traditionellen Erklärungsmuster, absehbar?

Prof. Sornette: Ja, diese Krise war absehbar. Eine Wirtschaft, die wenn überhaupt um wenige Prozentpunkte wächst, ist nicht mit einem jährlichen Gewinnwachstum von 15 % vereinbar. Diese Forderung und das Streben danach herrschen aber bei vielen Managern und Investoren vor, die der Illusion einer immerwährenden Geldmaschine erlegen sind.

finanzwelt: Ihr Ansatz ist es, dass die Ökonophysik versucht, die Finanzmärkte mit den Werkzeugen und Mitteln der statistischen Mechanik zu erklären. Wie funktioniert dies konkret?

Prof. Sornette: Im Zentrum unseres Forschungsansatzes steht das System der Individuen – wir nennen sie Agenten –, die fortwährend miteinander im Austausch stehen und letztlich ein „kollektives“ Verhalten verursachen. Wir gehen davon aus, dass durch die Wirkung von so genannten positiven Feedback-Effekten spontan (Finanz-)Blasen auftreten können. In diesem Zusammenhang sind die Imitation und das Herdenverhalten einschlägige Beispiele. Wir haben herausgefunden, dass Kursentwicklungen in Zeiten einer Finanzblase skaleninvariant sind; diese Systeme bezeichnen wir als fraktal. Unsere Auffassung ist, dass eine Blase schneller als exponentiell wächst. Letztlich liegt mein Ziel darin begründet, die vorherrschende Meinung zu ändern. Kommen Kursstürze aus heiterem Himmel? Nein, das tun sie eben nicht.

finanzwelt: In Ihrer Analyse fügen Sie mehrere Blasen an, die seit Mitte der Neunzigerjahre aufgetreten sind. Welche Regelungen sind notwendig, um die Möglichkeit solcher Erscheinungen künftig zu minimieren?

Prof. Sornette: Jüngste Kurseinbrüche bei bestimmten Finanzindizes und Rohstoffen wie Gold und Baumwolle haben wir bereits korrekt vorausgesagt. In erster Linie ist in diesem Zusammenhang die Politik gefordert. So ließe sich bspw. die Volatilität des Marktgeschehens durch die Einführung einer so genannten Tobin-Steuer eindeutig reduzieren. Die Einführung einer Besteuerung des internationalen Devisenhandels wäre ein notwendiger Schritt. Es ist doch so, dass die Bewegungen auf den Finanzmärkten mit den tatsächlich stattfindenden ökonomischen Vorgängen nicht mehr viel gemein haben. Die Überflutung der Märkte mit billigem Geld ist definitiv kontraproduktiv.

Ökonophysik:
Die Ökonophysik ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das sich mit der Anwendung von Methoden und Theorien, die ursprünglich der Physik entstammen, auf ökonomische Fragestellungen beschäftigt. In diesem Zusammenhang werden vor allem nicht-lineare Dynamiken sowie Werkzeuge aus der statistischen Mechanik verwendet. Forscher benutzen Modelle der Chaostheorie, um bspw. die Volatilität an Finanzmärkten vorherzusagen.

(Das Gespräch führte Alexander Heftrich)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: