Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Fondsmanager

Bosse oder Crash Test Dummies?

Die wichtigste Person in der Wirtschaft neben dem Unternehmer ist diejenige, die einer der Gründer der Deutschen Bank, Ludwig Bamberger, vor weit über hundert Jahren folgendermaßen skizzierte: Ein guter Vorstand braucht keinen Aufsichtsrat, bei einem schlechten ist er hilflos.

Wie wichtig gute Vorstände oder das Management eines Fonds sein müssten, zeigt sich in diesen Tagen. Der weltweite Einbruch der Märkte verlangt schnelle zieladäquate Entscheidungen, dazu sind Know-how und Vollmachten, vor allem aber Profil und Ahnung notwendig. Die Krise hat dazu geführt, dass Analytiker, Journalisten oder Ratinganalysten, anders als in den Jahrzehnten der Wachstumsnachrichten, dem Faktor Management geschlossener Fonds heute besondere Bedeutung schenken (sollten). Die Emissionshäuser, die Fonds konzipieren, tun dies allerdings nicht ausreichend. Hinweise auf die Qualifikation des Managements in Prospekten sind meist Fehlanzeige. Lebensläufe, Schilderung der Berufswege finden nicht statt. Höchstens in einem Halbsatz steht etwas von „langjähriger Berufserfahrung".

Der Kapitän auf der Brücke eines Fonds ist ein meist unbekanntes Wesen, das sich auch dadurch auszeichnet, ein paar Monate nach Auflage des Prospektes bereits ersetzt zu werden. Dutzende von Nachträgen von Fonds belegen dieses aktuell. „In der Tat kommt das Thema Management in den Emissionsprospekten oftmals zu kurz", bestätigt Karsten Ewert von der Hamburger Rating-Agentur Invest-Report. „In der Praxis sind uns die handelnden Personen zahlreicher Emissionshäuser und ihr Erfahrungshintergrund aus langjähriger Analysetätigkeit bekannt. Sofern nicht plausibel gemacht werden kann, dass das Management den projektspezifischen Anforderungen gewachsen ist, ist auch keine positive Bewertung möglich", so Ewert.

„Ein qualifiziertes Fondsmanagement sollte sich als solches ausweisen können", findet auch der Analyst Philip Nerb von Werteanalysen aus Mauern. Nerb: „Weniger die theoretische Qualifikation des Managements ist wichtig, sondern die im täglichen Leben erlernte Arbeitsqualität. Diese muss dem außen stehenden Leser nachvollziehbar dargestellt werden. Ein quantitativer Kriterienkatalog ist sinnlos. Nach dem Muster: mindestens Hochschulstudium mit Prädikat, anschließend 10 Jahre Praxiserfahrung beim Marktführer für geschlossene Fonds."

Die meisten Emissionshäuser meinen, die Voraussetzungen einer ausführlichen Darstellung des Fondsmanagements zu erfüllen. Allerdings findet sich diese Ansicht nicht unbedingt in den Prospekten wieder. So stellt die Dortmunder Dr. Peters GmbH & Co. KG fest: „Unser Haus stellt die Verantwortlichkeiten und beruflichen Werdegänge der handelnden bzw. verantwortlichen Führungskräfte sowohl in der Leistungsbilanz als auch auf der Website zur Verfügung." Bis auf weiteres sei keine zusätzliche Darstellung in den jeweiligen Verkaufsprospekten geplant.

Die Hamburger HANSA TREUHAND stellt das Fondsmanagement nach eigenen Angaben „ausführlich" in der jährlichen Leistungsbilanz dar. „Das ist unserer Ansicht nach der geeignete Ort. Der Anleger kann sich nicht nur über die Performance aller Fondsangebote sowie die Historie des Hauses informieren, er findet zudem ein Organigramm sowie die Viten der Geschäftsführer." Zur Beurteilung der Qualität des Anbieters werde zudem eine Zusammenfassung der Ergebnisse, ein Kurzportrait sowie ein Verweis auf die Leistungsbilanz in jedem Fondsprospekt abgedruckt.

Auch der Verband Geschlossene Fonds (VGF), Berlin, sieht eine Darstellung in den Leistungsbilanzen als ausreichend an. „Entsprechend sind in den VGF-Leitlinien zur Erstellung von Leistungsbilanzen auch umfangreiche Informationen zum Anbieter vorgesehen. Anlegern ist daher immer zu raten, vor der Entscheidung für einen geschlossenen Fonds nicht nur das Prospekt ausführlich zu studieren, sondern auch die Leistungsbilanz des Initiators einer entsprechenden Prüfung bisheriger Ergebnisse zu unterziehen", so VGF-Chef Eric Romba.

Der Verweis auf die Leistungsbilanzen genügt den meisten Analysten aber nicht. „In Zeiten, in denen die Fluktuation der Führungskräfte bei Emissionshäusern geschlossener Fonds die der Bundesligatrainer übertrifft, reicht es nicht, nur die Leistungsbilanz, die die historischen Erfolge eines etwaig in der Zwischenzeit schon mehrfach ausgewechselten Managements widerspiegelt, isoliert zu betrachten", so Karsten Ewert. Ähnlich äußert sich die Berliner Rating-Agentur Scope: „In den vergangenen Jahren haben sich die Grenzen zwischen den Segmenten, d. h. typischen Schiffshäusern, Immobilieninitiatoren etc., immer mehr aufgelöst. Immer mehr Emissionshäuser orientieren sich gezwungenermaßen an der Marktentwicklung bzw. an den Bedürfnissen der Anleger und Vertriebe. Sie konzipieren Fonds in einem Segment, das für sie bisher Neuland war, oder eröffnen ganze Fondssparten neu." In diesem Fall sei die Leistungsbilanz als Prüfstein für Managementqualitäten des Initiators nicht mehr aussagefähig genug, da aus ihr nur die Qualität des Initiators in seinem bisher angestammten Betätigungsfeld hervorgehe, so Scope.

Weiterlesen auf Seite:

Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: