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Berufsunfähigkeit

Burnout – ausgebrannt und leer!

„Stromberg“© Foto: Brainpool / Willi Weber
„Stromberg“

„Burnout, der Becker. Ausgebrannt! Natürlich Kokolores, denn um ausgebrannt zu sein, muss man erst mal brennen – und der Becker hat nicht mal geglimmt!“ Was das TV-Ekel Stromberg alias Christoph Maria Herbst in der Comedy-Serie „Stromberg“ auf „ProSieben“ so provokant veralbert, ist im Berufsalltag ein brandaktuelles und wichtiges Thema. Denn die Zeit scheint schneller zu laufen, gerade im Job. Man muss viel mehr Aufgaben in kürzerer Zeit bewältigen, das kostet natürlich Kraft. Eine mögliche Folge könnte der Zusammenbruch, das Burnout sein.

Bisher ist Burnout – eine verstärkte Form von totaler körperlicher Erschöpfung – eine Krankheit, die immer noch um ihre Akzeptanz ringen muss. Erst nachdem sich einige Prominente zu diesem Zustand bekannt haben, nimmt die Öffentlichkeit dieses Thema mehr wahr. Der jüngste Fall ist Ralf Rangnick, Ex-Trainer von Schalke 04. Der 53-Jährige reichte im September dieses Jahres wegen eines Erschöpfungssyndroms seinen Rücktritt beim Bundesligisten ein.

Viele Studien zeigen, dass jeden ein Burnout treffen kann. Während man in der Vergangenheit vor allem die Pflege- und Heilberufe als besonders gefährdete Gruppe angesehen hat, rückt man mittlerweile von dieser Sichtweise ab. „Weil niemand den Verlauf vorhersagen kann, sollte jeder verantwortungsbewusste Erwachsene mögliche Risiken einplanen, um seine Existenz im Notfall abzusichern“, plädiert Thomas Bilitewski, Mitglied der Geschäftsführung AWD Deutschland, für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Doch wie macht man dem Kunden den Zusammenhang zwischen einem Burnout und dem Abschluss einer BU plausibel? Das einfachste und fundierteste Argument liefern Zahlen. So sagt beispielsweise eine Prognose der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass im Jahr 2030 Depressionen, eine Weiterentwicklung des Burnouts, in den Industrienationen die häufigste Krankheit sein wird. Psychische Belastungen, Burnout oder Depressionen werden damit zu einem Kostenfaktor, der nicht mehr einfach ignoriert werden kann. „Nach unserer Beobachtung sind Frauen stärker als Männer gefährdet, aufgrund einer psychischen Erkrankung berufsunfähig zu werden. Dies liegt an den Doppelbelastungen, die sich aufgrund von Haushalt, Kindererziehung, Berufstätigkeit und dem ‚Kümmern um die Partnerschaft‘ ergeben. Wir gehen deshalb davon aus, dass Frauen auch bei den Burnout-Erkrankungen, die zur (zeitweisen) Berufsunfähigkeit führen, vorne liegen“, erklärt Udo Rössler, Unternehmenskommunikation Vorsorge Allianz Deutschland AG.

Der Abschluss einer BU könnte also auch als Prophylaxe gegen Burnout angesehen werden. Tritt mal der Ernstfall ein, kann sich der Erkrankte ganz auf seine Genesung konzentrieren, da er sich über seine finanzielle Situation keine Gedanken machen muss – dank der Absicherung. Ebenso sollte man dem Kunden verdeutlichen, dass eine BU auch nur temporär genutzt werden kann, denn meist ist nach der Therapie eine Wiedereingliederung in den Job möglich. Im Rahmen der Continentale BU-Roadshow in diesem Jahr brachte es die Hauptreferentin Dr. Martina Leibovici auf die ganz einfache Formel: „BU-Vermittler sind keine Verkäufer, sie sind Vorsorgeberater. Sie alle sind Architekten eines Prophylaxekonzeptes und haben maßgeblichen Anteil an der Schaffung von sozialer Sicherheit.“ Deshalb sind der Erhalt der psychischen und körperlichen Gesundheit, auch im Hinblick auf die längere Lebensarbeitszeit, von größter Bedeutung. Und für den Fall, dass Berufsunfähigkeit eintritt, ist die finanzielle Absicherung durch eine Berufsunfähigkeitsvorsorge das A und O für eine gesicherte Zukunft.

Burnout ist bestimmt keine „Modekrankheit“. Wie die Prognosen zeigen, wird die Zahl der „Erkrankten“ in den kommenden Jahren noch ansteigen. Doch sollte man das Risiko einer Berufsunfähigkeit auf der Basis eines Burnouts nicht nur beim Kunden ins Gespräch bringen. Eigenreflektion ist hier das Stichwort. Ab und zu ist es gut, mal einen Gang herunter zu schalten – denn in der Ruhe liegt die Kraft.

Im Exklusivinterview steht Sanitätsrat Dr. Günter Gerhardt, ärztlicher Direktor der ASLAN-Klinik in Olsberg, finanzwelt Rede und Antwort zum Thema Burnout.

finanzwelt: Ist Burnout eine Krankheit der Neuzeit oder gab es das schon immer?

Dr. Gerhardt: 1974 wurde der Begriff zum ersten Mal von dem deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger benutzt. Er hat das Burnout-Syndrom folgendermaßen definiert: „Nachlassen bzw. Schwinden von Kräften oder Erschöpfung durch übermäßige Beanspruchung der eigenen Energien, Kräfte oder Ressourcen.“ finanzwelt: Was sind die typischen Symptome eines Burnouts? Dr. Gerhardt ? Betroffene fühlen sich von ihrer Arbeit ausgelaugt, durch ihre Arbeit ausgebrannt, niedergeschlagen und er schöpft. Die WHO beschreibt das Burnout-Syndrom als „Zustand der totalen Erschöpfung.“

finanzwelt: Wie sieht ein klassischer Krankheitsverlauf aus?

Dr. Gerhardt: Ausprägung und Verlauf sind individuell verschieden und hängen von der Persönlichkeit des Betroffenen und seinem Umfeld ab. Es gibt ganz verschiedene Phasen des Burnout-Syndroms:

  1. Der Drang sich zu beweisen
  2. Verstärkter Einsatz: Alles muss selbstständig erledigt werden, die Delegation wird als Bedrohung angesehen
  3. Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
  4. Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
  5. Umdeutung von Werten: emotionales Abstumpfen, soziale Kontakte werden als Belastung empfunden und früher wichtige Ziele werden umgewertet
  6. Verstärkte Verleugnung der auftretenden Probleme
  7. Rückzug aus der Umwelt
  8. Offensichtliche Verhaltensänderungen
  9. Depersonalisation – Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit: Die eigene Wertschätzung sowie auch die Wertschätzung Anderer sinken deutlich. Ein Privatleben existiert nicht mehr
  10. Innere Leere: Gefühl der Sinnlosigkeit. Trotz ausreichendem Schlaf wird man nicht mehr richtig wach
  11. Depression
  12. Völlige Burnout-Erschöpfung: Völlige psychische und körperliche Erschöpfung, nicht selten kommt es zu Selbstmordgedanken

finanzwelt: Welche Gegenmaßnahmen können schon im Vorfeld ergriffen werden?

Dr. Gerhardt: Es kommt grundsätzlich dann zu einem Burnout, wenn ein Mensch permanent seine Kraftreserven aufbraucht und seinem Körper keine Möglichkeit zur Erholung gibt. Diese Signale gilt es zu erkennen, entweder der Betroffene selbst oder auch das Umfeld des Patienten. Also, frühzeitig die Reißleine ziehen und Pausen einlegen mit spazieren gehen, Entspannungsverfahren erlernen wie z. B. autogenes Training oder Yoga und Freizeitaktivitäten mit Freunden planen.

(Claudia Krämer)

„Stromberg“: die fünfte Staffel (zehn neue Folgen) immer dienstags, um 22.15 Uhr auf ProSieben!


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