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Branchentreff Tafelrunde

Chancen für kreative Anbieter

Es hat sich viel getan innerhalb eines Jahres. Zeit, die wichtigen Themen des Marktes im Rahmen der „Tafelrunde" zu erörtern.

Dieser Branchentreff, der im nächsten Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feiert, wurde von Dorothee Schöneich als Herausgeberin der finanzwelt, Dr. jur. Klaus-R. Wagner als Rechtsanwalt, Notar und Fachanwalt für Steuerrecht sowie dem Universitäts-Professor Dr. Karl-Georg Loritz, die u. a. infolge ihrer zahlreichen erstrittenen Urteile und Veröffentlichungen die Branche maßgeblich beeinflussen, und dem Unternehmensberater Michael Oehme gegründet und bis heute geführt.

Die nicht kommerzielle Veranstaltung hat die Intention, wichtige Themen der Branche zu erkennen und Lösungsvorschläge für die Zukunft zu diskutieren. Hierzu werden ausgewählte Initiatoren, Bankvertreter, Vertriebsführungskräfte sowie Berater und Journalisten geladen. Die Veranstaltung findet traditionell in den Räumlichkeiten des Schlosshotels Kronberg statt.

Die Finanzkrise prangt derzeit über allem. Viele Anbieter und Vertriebe von geschlossenen Fonds beklagen Umsatzrückgänge. Andere haben sich mit der Krise arrangiert und finden neue Wege. Die Strategien und möglichen Umsetzungen zu hinterfragen, rät Alfred J. Kremer als geschäftsführender Gesellschafter der Multiconsult GmbH. Er brachte viele Beispiele für Unternehmen, die in Krisensituationen die gesamte Vorgehensweise verändert und damit neue Märkte erschlossen haben. Warum ohne Haftungsdach & Co. nichts mehr geht, erläuterte im Anschluss Roland Rausch als Geschäftsführer der Exclusive Private Finance GmbH. Er zeigte auf, dass die vom europäischen Parlament geforderten Vorgaben an einer Professionalisierung der Finanzdienstleister nicht vorbeiführen werden, und welche Vorteile Berater haben, wenn sie auf Augenhöhe mit Bankberatern stehen.

Wie sich die Assetklassen Schiffe und Private Equity in einem schwierigen Marktumfeld heute noch behaupten können, zeigten im Anschluss Klaus Fickert, geschäftsführender Gesellschafter von König & Cie. GmbH & Co. KG, sowie Dr. Matthias Hallweger, Vorstand der HMW Emissionshaus AG, auf. Sie brachten sehr deutlich zum Ausdruck, dass man sich gerade jetzt als Spezialist im jeweiligen Geschäftsfeld behaupten muss und potenziellen Investoren vielleicht klarer denn je die Chancen, aber auch Risiken aufzeigen sollte. Sie machten sich aber auch überzeugend für die Sinnhaftigkeit ihrer Assetklassen stark. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass der Vertrieb von geschlossenen Fonds mehr Unterstützung bedarf als noch vor ein paar Jahren, und die enge Bindung zu potenziellen Anlegern sowie eine verständliche und glaubhafte Verkaufs-Story immer wichtiger werden.

Deutlich wurde auch, dass Anleger bislang nicht verstanden haben, dass Investitionen in unternehmerische Anlagen gerade das Gegenstück zu den Finanzkapriolen der Banken der letzten Monate sind und deshalb anders bewertet werden sollten. Hier gilt es noch, für ausgiebig Aufklärung Sorge zu tragen. Durch den Vortrag von Dr. Thorsten Voß von SCHULTE RIESENKAMPFF. wirtschaftsberatende Sozietät wurde klar, dass sich die Branche mit der Alternative Investment Fonds Richtlinie auf neues Ungemach einstellen muss. Diese Richtlinie, die ursprünglich entwickelt wurde, um die an der Finanzmarktkrise beteiligten Hedge Funds Manager stärker zu kontrollieren, soll nun auch auf die Anbieter von geschlossenen Fonds ausgeweitet werden. Wieder einmal zeigt sich, dass in Spannungssituationen seitens der Politik nicht differenziert wird, wenn es um Finanzmarktthemen geht.

Dass in jeder Reglementierung allerdings auch eine Chance steckt, zeigte Norbert Lamers als Geschäftsführer der Deutsche Makler Akademie (DMA) gemeinnützige GmbH auf, indem er darüber referierte, wie die seit dem Jahreswechsel 2007 auf 2008 durch die Versicherungsvermittler-Richtlinie stärker kontrollierten Versicherungsfachleute mit dem Thema Reglementierung umgehen. Er erklärte, dass durch eine professionelle Umsetzung derartiger, auf mehr Verbraucherschutz abzielenden Vorgaben das eigentliche Geschäft nicht benachteiligt sein muss - dies allerdings eine konsequente Strategie abverlangt.

Den krönenden Abschluss fand die Tafelrunde 2009 durch den Vortrag von Dr. jur. Klaus-R. Wagner. Er machte deutlich, dass die im Rahmen der 3. Tafelrunde im Jahr 2003 zum ersten Mal aufgebrachte Frage, inwiefern Kapitalanlagemodelle beim Scheitern stets ein juristisch angreifbarer kapitalanlagerechtlicher Haftungsfall sind dank der Vorgehensweise einer Vielzahl von so genannten Anlegerschutzanwälten und deren publizistischen Helfern und so inzwischen nicht längst „Standard" sind. Er zeigte Abwehrstrategien auf, die unter anderem auch darauf hinausliefen, ob Initiatoren nicht angehalten sein dürften, unabhängig von Fragen rechtlicher Notwendigkeit von vornherein das beabsichtigte Fondsinvestment durch neutrale Sachverständige begutachten zu lassen, um einerseits Risikominimierung für sich selbst und die Vertriebspartner zu betreiben und andererseits darauf dann Prospektaussage, Information und Beratung aufzubauen.

Alles in allem war die Tafelrunde des nunmehr 9. Jahrgangs damit eine interessante Informationsquelle für wichtige und oft auch zukunftsweisende Themen.


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