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Datum: 29.09.2011

Compliance – und Risikomanagement für FDL

Werner MaislingerWerner MaislingerAnsicht vergrößern

Wolters Kluwer Financial Services ist ein weltweit führender Anbieter von Lösungen auf dem Gebiet des Compliance- und Risikomanagements für die Finanzdienstleistungsbranche. Gemeinsam mit FRSGlobal bietet Wolters Kluwer zusätzlich integrierte globale Lösungen im regulatorischen Meldewesen an. finanzwelt sprach hierzu mit Werner Maislinger, Regional Director von Wolters Kluwer Deutschland.

finanzwelt: Skizzieren Sie bitte die Kernkompetenzen Ihres Unternehmens

Werner Maislinger: Unsere Kernkompetenzen liegen in den Bereichen Compliance und integrierten Softwarelösungen für Finanzdienstleister. So bieten wir für die Bereiche Risikomanagement und aufsichtsrechtliches Meldewesen für Finanzdienstleister eine integrierte Lösungsplattform an. Wolters Kluwer ist global tätig und inzwischen in mehr als 40 Ländern dieser Welt auf dem Markt. So sind wir stets auf dem neuesten Stand zu aktuellen Themen der internationalen Aufsichtsbehörden – wie beispielsweise der Financial Services Authority (FSA) in Großbritannien als eine der Vorreiterbehörden für Europa – und erhalten Einblicke in verschiedene Rechtsordnungen aus erster Hand.

 

finanzwelt: Wo liegt der Mehrwert Ihrer Produktlösung RiskPro für die Finanzinstitute? 

Werner Maislinger: RiskPro ist die einzige Lösung am Markt, die alle finanziellen Analysen und Simulationen mit Daten bis auf Einzelgeschäftsebene liefert. Sie bietet u.a. eine detaillierte und einheitliche Sicht der aktuellen Liquiditätslage. Dies führt letztlich zu besser fundierten Managemententscheidungen, die sich auf die Prognosen von RiskPro über die zukünftige Liquiditätssituation unter unterschiedlichen Marktverhältnissen stützen können.

Auf Basis dieser Lösungsplattform wird auch das aufsichtsrechtliche Meldewesen durchgeführt. RiskPro unterstützt also Finanzinstitute dabei, ihre vielfältigen Meldepflichten einzuhalten und Risiken frühzeitig zu erkennen und bewältigen. Die Lösung ermöglicht außerdem flexible Aufbereitungs- und Präsentationsmöglichkeiten der Ergebnisse für das interne Reporting.

 

finanzwelt: Welche zentralen (regulatorischen) Herausforderungen müssen Finanzdienstleiter kurz- bis mittelfristig bewältigen und wie sind die Institute bis dato auf die neuen Hürden vorbereitet?

Werner Maislinger: Zunächst einmal gibt es mehr zentrale Aufsichtsbehörden, wie etwa die European Banking Authority (EBA), die Europäische Börsenaufsicht (ESMA), die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) und der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB). Diese werden zudem mit immer mehr „Zähnen“ versehen, sprich mit Möglichkeiten zur eigenständigen Vorgabe von Regularien und Sanktionen. Auch auf der nationalen Ebene lässt sich eine Verschärfung der Sanktionierung feststellen. Ein Indikator dafür sind beispielsweise die Strafen, die von der FSA im historischen Verlauf verhängt wurden: Die höchsten Strafen wurden in den Jahren 2009 bis 2011 ausgesprochen. Dies verdeutlicht, wie stark die Sanktionierung im Laufe der Zeit angestiegen ist – eine Herausforderung auf die sich Finanzdienstleister einstellen müssen.

Beispielsweise müssen Unternehmen eine regelmäßige Überprüfung der Umsetzung von Compliance- und Riskomanagement-Vorgaben sicherstellen und – ganz wichtig – die Wirksamkeit der eingesetzten Systeme regelmäßig überprüfen. Nur so können Prozesse in großen internationalen Finanzinstituten effektiv bleiben. Zudem müssen international tätige Unternehmen stets einen Überblick über die Anforderungen in den verschiedenen Rechtsordnungen, in denen sie Geschäftstätigkeiten haben, bewahren. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, werden zusehends zentrale Compliancestellen eingerichtet, die internationale Regularien und Entwicklungen beobachten und entsprechende Umsetzungsvorschläge erarbeiten. Auch sollten bislang getrennte Abteilungen (Risikomanagement, Compliance und Meldewesen) wesentlich stärker zusammenarbeiten. Dies ermöglicht eine bessere Datenintegration sowie -qualität und hilft dabei, Produktivitätslücken zu schließen. Spätestens seit den neuen Mindestanforderungen an Risikomanagement (MaRisk) und Compliance (MaComp) der Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin), ist Compliance und Risikomanagement für Finanzinstitute zum Vorstandsthema geworden. Auch die Stellung des Compliancebeauftragten im Unternehmen hat sich von Grund auf gewandelt, hin zu einer unabhängigen Stelle, die direkt an den Vorstand berichtet. Eine weitere Herausforderung, der sich Unternehmen hierbei stellen müssen sind die knappen Budgets für diese Abteilungen, die sich trotz immer höherer Anforderungen bislang kaum verändert haben.

 

finanzwelt: Vor kurzem wurde ein renommiertes Schweizer Institut von einem Skandal heimgesucht. Der Bankchef musste seinen Hut nehmen, Anleger und Außenstehende bleiben verdutzt zurück. Gibt es nach wie vor gravierende Lücken in den Systemen?

Werner Maislinger: In diesem Fall haben ganz klar interne Überwachungssysteme versagt. Um zu versuchen, solchen Vorfällen vorzubeugen, bedarf es eines weitaus besseren Zusammenspiels der verschiedenen Einheiten, sprich des Vorgesetzten, der Buchhaltung und des Risikomanagements, um mehr Transparenz zu gewährleisten. Zudem sind einige Parallelen zu dem Fall von Jérôme Kerviel zu erkennen, wie etwa der Tatsache, dass hier wieder der Handel mit Delta-One-Derivaten betroffen war. Man kann wohl davon ausgehen, dass auch im aktuellen Fall Kenntnisse von Back-Office- und Controlling-Systemen vorhanden waren. Dies zeigt definitiv Lücken in den Systemen auf und beweist, dass das Risikomanagement der Banken trotz verschärfter Überwachungen noch verbesserungsbefürftig ist.

 

finanzwelt: Seit 2010 sind Sie für die Etablierung von Wolters Kluwer Financial Services auf dem deutschen Markt zuständig – welche Meilensteine wollen Sie in nächsten 2-3 Jahren erreichen?

Werner Maislinger: Gemessen am Marktanteil möchten wir eine führende Position in unseren drei Kompetenzbereichen Risikomanagement, regulatorisches Meldewesen sowie Compliance für Finanzdienstleister erreichen. Unser Ziel ist es, Wolters Kluwer als Meinungs- und Technologieführer in den Bereichen Risikomanagement und aufsichtsrechtliches Meldewesen für Finanzinstitute zu etablieren. Außerdem streben wir an, unsere Länderorganisation personell auszubauen, um so unsere wachsende Kundenbasis fachlich und technisch zu jedem Zeitpunkt voll unterstützen zu können.

 

Das Interview führte Alexander Heftrich


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