Fundus
Das Adlon in Gefahr
Die Kölner Initiatorin Fundus und ihr Chef Anno August Jagdfeld kommen immer stärker unter Druck. Das Vertrauen der Anleger schwindet zusehends. Unter dem Druck der wirtschaftlichen Probleme werden die Interessenkonflikte des Familienclans zum Stein des Anstoßes.
Ausgerechnet in Jagdfelds guter Stube, dem Berliner Hotel Adlon, ging es rund: Eine ganze Reihe der in der Gesellschafterversammlung anwesenden Anleger machte ihrem Unmut Luft. Hintergrund ist die wachsende Unzufriedenheit der Anleger mit dem Fonds: Die im Prospekt in Aussicht gestellten Ausschüttungen von 4 % sind in weite Ferne gerückt. Denn die Auslastung des Hotels ist trotz des guten Rufs und der großen Geschichte weiter schwach und ist Berichten Berliner Zeitungen zufolge im laufenden Jahr deutlich abgerutscht. Im Umfeld der Wirtschaftskrise laufen auch die Projekte anderer Initiatoren unter Plan, ohne dass dort die große Verärgerung aufkommt, die Jagdfeld immer deutlicher von seinen Anlegern zu spüren bekommt.
Ursache dieser Verärgerung ist nicht etwa Jagdfelds dürftige Bilanz als Initiator, der zwar für einige architektonisch und städtebaulich herausragende Objekte gesorgt hat wie die Pyramide und das Adlon in Berlin oder das Grand Hotel Heiligendamm, aber damit kaum wirtschaftliche Erfolge für seine Anleger erzielt: Wie beim Adlon liegt auch in Heiligendamm das Ergebnis aus Anlegersicht weit unter Plan, hinzu kommen spektakuläre Desaster wie die Pyramide oder die Leipziger Gutenberggalerie. Diese Fundus-Fonds sind definitiv gescheitert.
Wirklich ärgerlich ist für die Anleger, dass die Firmengruppe des Initiators Jagdfeld zumindest dem Anschein nach besser abschneidet. Gerade der Fall Adlon legt diesen Eindruck nahe, denn Initiator Jagdfeld ist dort nicht nur durch die von Fundus geführte Fondsgesellschaft präsent, sondern auch mit der Adlon Holding (AH), die ebenfalls der Familie Jagdfeld gehört. Die AH betreibt Restaurants und Wellness-Einrichtungen in dem Komplex, dessen Hotel von Kempinski in Pacht genommen hat. Die Adlon-Holding blieb 2008 und 2009 die an die Fondsgesellschaft (also an die Anleger) abzuführende Pacht in einer Größenordnung von über 3 Mio. Euro schuldig. Die Geschäftsführung des Fonds hat mittlerweile einen Pachtverzicht gewährt, den Berichten zufolge sind dem Fonds 3,6 Mio. Euro verlorengegangen.
Verhandelt wurde das innerhalb des Jagdfeld-Clans, der über die Fundus-Fondsverwaltungen die Geschäftsführung des Fonds in der Hand hat. Richtig interessant wird dies aber erst zusammen mit der Begründung für die Stundung: Schließlich sei das Geschäft der AH durch ungeplant langwierige Umbauarbeiten in Restaurants und im Wellnessbereich beeinträchtigt worden. Die sich hinziehende Belästigung durch Lärm und Dreck ergab sich zwar aus dem Tun der Baufirma Bredero, diese blieb aber bei der Regulierung außen vor. Auch diese Firma gehört zum Jagdfeld-Reich. Und damit ist die Liste nicht erschöpft – Jagdfeld- Gattin Anne Maria ist ebenfalls mit von der Partie, ihre AMJ Design GmbH kümmert sich um die Innenausstattung. Erst diese schon häufig thematisierten massiven Interessenverquickungen und -konflikte sowie die erkennbare ungleiche Verteilung der wirtschaftlichen Vorteile befeuern den Unmut. Die Anleger haben das Projekt weitgehend finanziert und tragen das Risiko. Eine Ausschüttung haben die Anleger schon seit längerem nicht mehr gesehen, während die Firmen des Jagdfeld-Clans immer neue Einnahmen aus dem Objekt ziehen. Kein Wunder also, dass dem Initiator mittlerweile ein gesundes Misstrauen entgegenschlägt, es finden sich offenbar kaum mehr Anleger, die dem schon mit einigen Projekten spektakulär gescheiterten Initiator Jagdfeld noch Geld anvertrauen mögen. Eine ganze Reihe Fonds hat auch nach langer Platzierungsdauer das ursprünglich vorgesehene Eigenkapital nicht erreicht, die Finanzierung musste durch zusätzliches Fremdkapital aufgefüllt werden, auch beim Adlon.
Ein Blick in die Marktstatistiken weist in die gleiche Richtung: Fundus meldet bisher für die Feri-Studie (Ex-Loipfinger-Studie) keine Platzierungszahlen und ist jeweils nur mit (marginalen) Schätzwerten vertreten. Die in den Fonds nicht erreichten Platzierungsziele und das schwache Bild in der Marktstatistik legen nahe, dass die Fundus-Gruppe im Emissionsgeschäft kaum mehr Umsatz macht. Die Firmengruppe wäre also auf andere Ertragsquellen angewiesen. Anhand des Falls Adlon lässt sich erkennen, was aus den bestehenden Fonds herauszuholen ist.
So ein Spiel ist natürlich nur solange möglich, wie die Anleger darauf verzichten, ihre Rechte als Gesellschafter geltend zu machen. Das Fondsmodell bei Fundus ist allerdings genau darauf angelegt: Anleger, die weder persönlich erscheinen noch Weisung geben, werden automatisch vom Treuhänder vertreten – die Jagdfeld & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbH. Angesichts der normalen Präsenz-Quote auf den Gesellschafterversammlungen hat Fundus damit praktisch freien Zugriff auf das Vermögen der Anleger, weil der Treuhänder im Normalfall mit dieser Regelung jedes Quorum für eine qualifizierte Mehrheit erfüllt.
Dagegen können sich Anleger nur dann effizient wehren, wenn sie sich zusammenschließen und Mehrheiten organisieren, was nur im Kontakt der Anleger untereinander möglich ist. Dieser Kontakt setzt die Kooperationsbereitschaft des Treuhänders voraus, der die Namen und Adressen der Anleger hat. Diese Kooperationsbereitschaft dürfte im Konflikt zwischen Initiator und Anlegern eher gering sein. Fundus hat sich bislang in aller Regel geweigert, Anlegern und vor allem auch deren gewählten Vertretern in den Beiräten die Adressen der anderen Anleger zur Verfügung zu stellen. Fundus verhindert so letztlich eine echte Kontrolle durch die Anleger. Lediglich bei dem Fonds Gutenberggalerie war es einer schlagkräftigen Anlegergruppe nach langem Kampf mit hohem persönlichen Einsatz gelungen, wirksam kontrollierende Mehrheiten unabhängig von Fundus zu organisieren. Allerdings war darüber so viel Zeit vergangen, dass sie nur noch den Untergang ihres Fonds begleiten konnte. Ähnliches droht beim Adlon, wenn die Anleger nicht schnell aktiv werden. Und da ist auch der Vertrieb gefordert, der Kundschaft auch jetzt noch vor Augen zu führen, dass Fondsbeteiligungen keine einfachen Finanzprodukte sind, sondern gerade in schwierigen Zeiten den Einsatz eines Gesellschafters verlangen, um die eigenen Interessen zu vertreten.
(Martin Klingsporn)







