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Alles wird gut- wenn nur die Politik nicht wäre

Das bringt 2007

Der Blick in die Prognosen für das neue Jahr liefert positive Eindrücke. Selbst das notorisch zurückhaltende Institut für Weltwirtschaft in Kiel setzte seine anfängliche Wachstumsprognose von 1,0 % für 2007 vom Sommer mit dem Gemeinschaftsgutachten im Oktober auf 1,4 % hoch, um dann zum Jahreswechsel schließlich bei 2,1 % zu landen – unter dem Titel „Gute Chancen auf einen lang anhaltenden Aufschwung“.

Die Beschäftigung folgt einem positiven Trend, was neben mehr nachfragewirksamen Einkommen auch durch abklingendes Angstsparen zusätzlichen Schub bei der Nachfrage bringt und in der Folge auch Investitionen der Unternehmen angeregt hat. Dieser Trend scheint nicht einmal mehr durch die Anhebung der Mehrwertsteuer gebremst zu werden, so dass die mit dem Aufschwung sprudelnden Steuern die staatliche Neuverschuldung auf Maastricht- gerechte Größen begrenzen.

Diese positiven Aussichten in Deutschland stehen im Umkreis einer guten Entwicklung sowohl in der Eurozone wie auch in der Weltwirtschaft insgesamt. Durch die fast grenzenlos erscheinende Expansion in China und die ebenso unbegrenzt erscheinende Bereitschaft der USA zur Finanzierung der Expansion durch immer neue Schulden wächst die Weltwirtschaft derzeit mit rund 4 % real so stark wie noch nie, seit darüber Buch geführt wird. Japan lässt seine lange Krise hinter sich und das Wachstum der USA bleibt trotz aller Probleme wohl robust.
Da neben der Erholung in Deutschland mit Frankreich und Italien zwei weitere Euroland-Schwergewichte ähnliche Trends aufweisen, ist ein reales Wachstum um 2,5 % zu erwarten, wie sich aus einer Schätzung einer Arbeitsgemeinschaft des Münchner Ifo-Instituts mit dem französischen Institut INSEE und dem italienischen Partner ISAE ergibt.

Dieses Panorama deutet auch auf ein positives Umfeld für die Anleger hin, die mit überwiegend positiven Überraschungen rechnen können, weil die Unternehmensgewinne durch die erkennbaren Trends gestützt werden. Allerdings ist als Folge des starken Wachstumstrends mit leicht steigenden Zinsen in allen drei großen Währungsräumen zu rechnen. Daher sind Renten derzeit kaum attraktiv, steigende Zinsen führen zu Kursverlusten bei Anleihen. Aktien und andere Eigenkapitaltitel dürften dagegen attraktiv bleiben.
Die zum Jahreswechsel fällige Befragung der Fund-Manager im Auftrag der US-Investmentbank Merrill Lynch ergab jedenfalls stark positive Erwartungen der professionellen Anleger, die in ihren Portfolios praktisch durchgängig Aktien über alle Branchen und Regionen hinweg übergewichten. Das Research der US-Investmentbank Goldman-Sachs stellte seine Überlegungen zum Jahreswechsel jedenfalls unter den Titel „Don´t worry so much“. Tatsächlich scheinen Risiken nur von der Politik her zu drohen – nach Ansicht der Goldman-Sachs Analysten droht vor allem Protektionismus.

So sind aus den USA immer schärfere Töne gegenüber China zu hören, verlangt wird eine Aufwertung des Yuan, mit der das riesige US-Handelsdefizit begrenzt werden soll. Seine spezielle Dramatik bezieht dieser Konflikt durch den politischen Hintergrund: Anders als die frühere UdSSR sammelt China die US-Defizite in Form von chuldscheinen der US-Regierung ein. Damit ist Washington bereits jetzt in die Lage geraten, dass der einzig ernst zu nehmende Macht-Konkurrent gleichzeitig der weitaus größte Gläubiger ist.

Zudem sind die USA zu Nettozahlern geworden: Die Einkommensbilanz (Erträge des Auslandsvermögens der US-Bürger minus Erträge des US- ermögens der Ausländer) ist seit dem IV. Quartal 2005 negativ, wie die offiziellen Zahlen des BEA zeigen. Die USA müssen jetzt erstmals für ihre Schulden effektiv zahlen, obwohl sie von einer Art Leverage- Effekt profitieren: Ein Großteil der USAuslandsschulden wird in niedrig verzinsten US- Staatspapieren als Währungsreserve gehalten. Ein weiterer Teil der US-Auslandsschulden wird zinslos in Form der großen Dollarbestände gehalten, die von Banken und Unternehmen in aller Welt als internationale Liquidität gebraucht wird. Das US-Vermögen im Ausland besteht dagegen hauptsächlich aus Unternehmensanteilen von Direktinvestitionen und ähnlichen höher rentierlichen Anlagen. Unterm Strich ergibt dies eine beachtliche Rendite-Differenz zugunsten der USA.
Die Notenbank Bank of China (BoC) hält allein rund 700 Milliarden US-Dollar direkt in US- Regierungspapieren. Der Halbsatz „… wird die Bank of China die Zusammensetzung ihrer Währungsreserven überdenken ...“ dürfte bereits reichen, um den Kurs des Dollars innerhalb von ein paar Stunden abstürzen zu lassen. Der wirtschaftliche Druck auf die USA aufgrund dieser Defizite ist groß und erhöht die Versuchung, durch Abwehr-Zölle oder Import-Kontigentierungen Handelskriege zu provozieren. Die Anlässe für Konflikte reichen vom Öl am persischen Golf (auf das beide angewiesen sind) bis nach Lateinamerika, wo die Chinesen nicht nur Öl, Erze und Soja einkaufen, sondern offen Verbündete suchen. So etwas hat die UdSSR seit der Kuba- Krise nicht mehr gewagt.

Hier liegt eindeutig ein Potenzial für unruhige Zeiten, die vor allem den Dollarkurs und die Zinsmärkte durcheinander wirbeln könnten. Da der Dollar im Vergleich zum Euro und Yen ohnehin fundamental schwach bleibt, sollte bei Anlagen auf dem US- Markt bzw. mit starker Dollar- Abhängigkeit kritisch geprüft werden, wie schnell die Währungsseite die Anlageerträge schluckt. Denn dieses Risiko ist derzeit sehr groß.

Politische Probleme stehen aber auch innerhalb Euroland ins Haus, denn der eingangs genannte wirtschaftliche Erfolg beruht hier letzten Endes darauf, durch reale Lohnsenkungen an Wettbewerbsfähigkeit und durch starken Export Beschäftigung zu gewinnen. Wir importieren damit Arbeitsplätze aus unseren europäischen Nachbarländern wie Italien, Belgien oder Frankreich und geben im Tausch dafür durch die gesunkenen realen Einkommen Wohlstand her. So entsteht bei unseren Nachbarn der Eindruck, Deutschland saniere sich auf Kosten anderer.
Bevor allerdings die skizzierten politischen Risiken das fundamental gute Bild der Wirtschaft üben, sei an das Motto von Goldman-Sachs erinnert: „Don´t worry so much“. Tatsächlich sind die Aussichten so freundlich wie schon lange nicht mehr. Ob Aktien, Anleihen oder Immobilien und Rohstoffe: Es gibt offenbar keinen unattraktiven Markt: Bei Fidelity etwa sieht man neben den Immobilienaktien vor allem Standard-Aktien aus Euroland vorn, weil hier die Bewertungen gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis günstig seien. Bei Allianz Global Investors (früher DIT) erhofft man sich dagegen mehr von der Erholung in Japan. Die DWS setzt wiederum eher auf die Schwellenländer und hat ansonsten ressourcenschonende Technologie im Blick.

(Martin Klingsporn)


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