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Deutschland hat

das größte Potenzial

Bei Deutschlands Venture-Capital-Unternehmen keimt wieder Hoffnung. Obwohl Milliardenverluste an den Börsen die Anleger entmutigt und Startups sowie Risikokapitalgeber verschreckt haben, legte die Branche im zweiten Quartal zu. Die Frage ist jedoch: Wie zuversichtlich darf ein VC-Unternehmen heute sein?

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Jedes Land muss seine Zukunftsfähigkeit beweisen. Schweden investiert fast vier Prozent seines Bruttoinlandsproduktes in Forschung und Entwicklung. England macht sein Gründungs potenzial im europäischen Vergleich mit der größten Effizienz mobil. In Deutschland ist di ses Potenzial schlichtweg am größten, bleibt allerdings schlecht genutzt. Doch weil hier der Anteil der Unternehmen in den Zukunftsindustrien Telekommunikation, Internet, Multimedia, E-Commerce und Software (kurz: TIMES) mit 29% besonders hoch ist, gilt Deutschland für Risikokapitalgeber als einer der interessantesten europäischen Märkte. Schließlich zeigt sich, dass die Portfoliounternehmen der Venture-Capital-Gesellschaften eine hohe Beschäftigungswachstumsrate erzielen.

Folglich werten Analysten von PricewaterhouseCoopers Venture Capital nach wie vor als einen Wachstumsmarkt. In Deutschland hatten über Jahrzehnte Kreditsachbearbeiter über die Zukunft von Technologiefirmen entschieden. Seit gut fünf Jahren versuchen die deutschen Wagnisfinanzierer nun aber den Vorsprung von USA oder England aufzuholen. Dort ist Risikokapital längst die Alternative zur klassischen Bankfinanzierung. Zwar ist der erste Boom im deutschen Beteiligungsmarkt seit dem Frühjahr 2000 in eine Konsolidierung umgeschlagen. Seither sank die Summe der Erst- und Folgeinvestitionen der Venture-Capital-Gesellschaften von Quartal zu Quartal. Nun sei die Bodenbildung erreicht, sagte Uwe Fleischhauer, Partner bei Mackewicz &Partner,im Rahmen des Branchentreffs „Venturetalk “in München. Im 2.Quartal 2002 konnte erstmals wieder ein Investitionsanstieg um 12%festgestellt werden.

VCs investieren wieder

„Wir hatten im vergangenen Jahr bei neuen Investitionen gezögert, als die Preise fielen. Heute sind Unternehmen für weniger Geld zu haben“, erklärt Dr. Hans Dieter Koch den leisen Aufschwung. Er ist CEO der VC-Gesellschaft bbusiness partners in München, die im aktuellen VC-Panel mit Gesamtinvestitionen von 17 Mill. Euro im 2.Quartal an der Spitze liegt. Nur einen Bruchteil davon investierte bbusiness partners allerdings direkt in ein deutsches Unternehmen. Der Löwenanteil ging nach Frankreich und Irland. Tatsächlich sind Deutschlands Rahmenbedingungen für Unternehmertum stark verbesserungsfähig. Im „Entrepreneurial Framework Index 2002, einer Auswertung von 70 Landesindikatoren wie politische Effektivität, Unternehmenspolitik, Steuerpolitik, Finanzierungsmöglichkeiten, Arbeitsmarktgröße und -regulierung, Bürokratie und Infrastruktur, liegt die Bundesrepublik nur auf dem zehnten Platz. Die Liste wird angeführt von den Niederlanden – England und USA liegen auf den Plätzen drei und vier. Hier gilt es aufzuholen, denn wenn es gelingt, Deutschlands überlegenes Potenzial in den TIMES-Industrien in ein starkes unternehmerisches Umfeld einzubetten, können VC-Gesellschaften voller Zuversicht in die Zukunft blicken.

(Harald Lindlahr)


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