Datum: 13.09.2011
Dauerhafte Frankenstärke passé?
Die starke Schweizer Währung führt laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zu mehr Skepsis in den Führungsetagen. Arbeitsplätze könnten ins Ausland verlagert werden. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat nun einen Mindestkurs von 1,20 zum Euro festgelegt. Darüber und weitere Hintergründe sprach finanzwelt mit Beat Siegenthaler, FX Strategist bei UBS.
finanzwelt: Die Schweizerische Nationalbank hat bekanntgegeben, dass sie den Franken mit allen Mitteln auf einem Mindestkurs von 1,20 zum Euro halten will. Hat die SNB mit dieser Aussage die richtige Waffe gegen die Frankenstärke gezückt?
Beat Siegenthaler: Die SNB stand vor einer schwierigen Entscheidung, weil jede Option ihre Risiken hat. Nichts zu tun und den Franken möglicherweise unter Parität zum Euro fallen zu lassen, hätte potenziell sehr hohe Kosten in Form einer permanenten Zerstörung weiter Teile der Exportwirtschaft mit Rezession und Deflation zur Folge haben können. Negative Zinsen zu generieren und damit das Investieren in Franken unattraktiv zu machen, wurde versucht, ist aber an Grenzen gestoßen, weil zur konsequenten Durchsetzung entweder Sparer bestraft und Kreditnehmer belohnt worden wären, oder Kapitalverkehrskontrollen hätten geschaffen werden müssen. Beides war offensichtlich nicht akzeptabel. Die Einführung einer Obergrenze für den Franken birgt nun anderseits aber natürlich auch große Risiken, insbesondere Inflation. Der temporäre Wechselkurseingriff ist jedoch von weiten Teilen der Politik und Experten begrüßt worden und hat deshalb einen hohen Rückhalt, was die Risiken schmälert.
finanzwelt: Ist die Formulierung „Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen“ und „unbeschränkt Devisen kaufen“ eine tragbare Strategie für die kommende Zeit oder dient sie eher der Beruhigung der Märkte?
Beat Siegenthaler: Es war klar, dass sobald die SNB die Strategie eines Wechselkursziels verfolgt, kompromisslos kommuniziert und agiert werden muss. Je höher die Glaubwürdigkeit der Maßnahme, desto weniger wird die SNB intervenieren müssen. Deshalb wird die SNB die 1.20-Untergrenze nur dann aufgeben, wenn sich die Umstände dramatisch ändern sollten, entweder in der Eurozone oder in der Schweiz.
finanzwelt: Das Wirtschaftswachstum der Alpenrepublik schwächelt. Welche Unternehmen/Branchen können am meisten von einem Mindestwechselkurs profitieren?
Beat Siegenthaler: Die Frankenstärke hat in erster Linie der Exportindustrie und dem Tourismus zu schaffen gemacht. Dies ist auch bei einem Kurs von 1.20 weiterhin der Fall, da ein solcher von praktisch allen Experten fundamental als immer noch als zu tief angesehen wird. Historisch hat die Schweizer Wirtschaft von der starken Währung längerfristig immer profitiert, da sie Produktivitätsgewinne forciert und Wettbewerb ankurbelt. Was jedoch schädlich ist, sind zu schnelle und zu extreme Bewegungen, was nun eben die SNB auf den Plan gerufen hat.
Das Interview führte Alexander Heftrich








