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Globale Finanzkrise trifft auch Deutschland

Deklarationen für 2008 fallen vorsichtig aus

VVG Reform und Weitsicht vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise mit Druck auf die derzeitigen Zinsen haben dafür gesorgt, dass die deutschen Lebensversicherer bei der Bekanntgabe der Gesamtverzinsung für ihre Kunden eher den Weg der kleinen Schritte gewählt haben.

Transparenz heißt das Zauberwort, was aktuell von den Versicherern durch Verbraucherschutz und Politik gefordert wird. So zielen die Kernpunkte der VVGReform darauf ab, die Transparenz für den Kunden im gesamten Entscheidungsprozess zu erhöhen und eine sorgfältige und bedarfsorientierte Beratung zu gewährleisten. Als sich vor 2 Jahren lediglich weniger als zehn ernstzunehmende Marktteilnehmer zierten, bei der Studie des map-reports zur Thematik „Lebensversicherung: Deklarationen 2006“ ihre Informationen preiszugeben, wurde dies im Hause von Manfred Poweleit, Gründer und Chefredakteur map-report, in der Finanzdienstleistungsbranche als äußerst positiv angesehen. Schließlich war es ein Schritt in Richtung der vermehrt geforderten „Transparenz“.

Befremdend daher die Mitarbeit der Versicherer beim neuen map-report 667-668 mit dem Titel „Deklarationen und Beispielrechnungen 2008: Profite für die Kunden“. „In den vergangenen Jahren war die Antwortbereitschaft eigentlich immer sehr hoch. Doch inzwischen macht sich vor allem bei leistungsschwachen Unternehmen die Unsitte breit, schwache Daten zu verschweigen. Allein aus unserer 10-jährigen Übersicht der Deklarationssätze mussten wir dieses Mal 9 Unternehmen herausnehmen, die fast ein Jahrzehnt geantwortet haben, dieses Jahr aber schweigen“, kritisiert Poweleit das Verhalten mancher Versicherer. So erhielt der Branchenanalyst dieses Jahr keine Antwort bspw. von einer ARAG, der Süddeutschen oder auch einer Itzehoer, die im Jahr 2007 noch eine marktüberdurchschnittlich laufende Guthabenverzinsung in der kapitalbildenden gemischten Lebensversicherung von 4,44 % (Marktdurchschnitt 2007: 4,26 %) hatte. 2008 ist nun der damalige Marktdurchschnitt um 0,13 % auf 4,39 % gestiegen. Für eine aufgeschobene Rente steigt die laufende Verzinsung von 4,25 % auf 4,35 %. Und für sofort beginnende Leibrenten gegen Einmalbeitrag ermittelte der map-report eine laufende Verzinsung von 4,38 % im laufenden Jahr – nach 4,20 % im Vorjahr.

Für viele Anleger ist dies sicherlich keine berauschende Steigerung, aber die Entscheidung der Assekuranz ist auch für Poweleit mehr als verständlich. „Die großen Zentralbanken der Welt versuchen seit über 10 Jahren, mit einer Niedrigzinspolitik die Weltwirtschaft zu befeuern. Erreicht haben sie nur eine völlige Überhitzung der Weltfinanzmärkte mit dem Crash von 2000 und der amerikanischen Hypothekenkrise seit 2007. Bis Mitte 2005 hatten die Zentralbanken den Zins, gemessen an den Umlaufrenditen festverzinslicher Wertpapiere, auf 2,9 % heruntergeprügelt. Seitdem erholen sich die Zinsen auf 4,7 % Mitte 2007. Doch dann pumpten die Zentralbanken wieder Hunderte Milliarden Euro in den Markt, um Banken vor den Folgen von Fehlspekulationen zu bewahren. In der Folge liegt die Umlaufrendite wieder unter 4 %.“

Fünf-Prozent-Hürde. Diesmal gab es nur drei Anbieter, die mindestens 5 % Gesamtverzinsung, also der garantierten Versicherungsleistung und einer Gewinnbeteiligung (Überschüssen), ihren Kunden anbieten. Die Top 3 mit der höchsten Deklaration für 2008 sind dabei die Europa (5,4 %), die Debeka (5,1 %) sowie der Volkswohl Bund (5 %). Hierbei haben besonders die Berlinische (um 0,67 % auf 4,25 %), die Concordia (um 0,5 % auf 4,60 %) sowie die LVM (um 0,5 % auf 4,75 %) stark erhöht. Reduzieren mussten ihre Gesamtverzinsung die CiV (um 0,2 % auf 4,8 %), die Provinzial Rheinland (um 0,02 % auf 4,65 %), die Neue BBV und die BHW Leben (beide um 0,25 % auf 4,5 %).

Bei der aufgeschobenen Rentenversicherung erhöhten eine Vielzahl von Anbietern ihre Deklaration. Laut Musterrechnung (43-jähriger Mann, Rentengarantie 10 Jahre, 20 Jahre Aufschubs - zeit, 1.200 Euro Jahresbeitrag) eine Steigerung der Monatsrente von 159 Euro auf 163 Euro. Klarer Spitzenreiter ist hier die Europa mit einem Deklarationssatz von 5,4 %, bei der man bei konstanter Deklaration eine Monatsrente im 1. Jahr von 248,44 Euro erwarten kann.

Natürlich wird sich der Deklarationssatz in den nächsten Jahren verändern, so dass diese Hitparade der aktuell „Besten“ nur eine kurzfristige Aussagekraft enthält. Aber dennoch bewirkt der mapreport, dass Finanzdienstleister ein Instrument erhalten, wonach sie die aktuelle Gewinnsituation aus Sicht des Kunden analysieren können. Zahlreiche Beispielsrechnungen (12, 20 und 30 Jahresvergleiche) bewirken, dass das Konstrukt Lebensversicherung somit transparenter wird – auch wenn sich einige Versicherer bei den Informationen verschließen.



(Marc Oehme)


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