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Biomasse

Der Alleskönner unter den regenerativen Energien

© Foto: milosluz - Fotolia.com

Die Kraft-Wärme-Kopplung, also die Erzeugung von Strom unter gleichzeitiger Abgabe von Wärme, wird seit dem 1.1.2009 durch eine besondere Einspeisevergütung gefördert. Dieses Prinzip nutzt der erste Fonds eines neuen Initiators.

Die Initiatoren von New Energy Fonds setzen derzeit vor allem auf Photovoltaik, Biomasse fristet ein Schattendasein. Die Internetplattform Green Value listet derzeit 23 Solarfonds auf, denen gerade einmal vier Biomassefonds gegenüberstehen. Das hat sicherlich mit der sehr hohen Einspeisevergütung für Photovoltaik zu tun, die selbst von den Initiatoren, die davon profitieren, als Überförderung bezeichnet wird. Dabei hat Biomasse heute den größten prozentualen Anteil an Erneuerbaren Energien, und diese Position wird laut einer Prognose des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bis 2050 erhalten bleiben. „Und die Biomasse ist der Alleskönner unter den regenerativen Energien“, hieß es in einer Studie der Deutschen Bank im Jahr 2005, „weil sie zur Erzeugung von Elektrizität, Wärme und Kraftstoff einsetzbar ist.”

Biomasse ist biochemisch gespeicherte Sonnenenergie in Form von Energiepflanzen, Holz oder Reststoffen wie etwa Stroh, Biomüll, Klärgas oder Gülle. Energie kann zum einen durch Verbrennen von Biomasse erzeugt werden. „Aber Biomasse kann auch vergoren werden – es entsteht Biogas“, erläutert Daniel Kellermann, der die Internetplattform Green Value betreibt. „Der wesentliche Unterschied der Biomasse zu Wind und Sonne ist der, dass die Biomasse immer zur Verfügung steht“, erläutert Dr. Gert Schallenberg, Geschäftsführer der ConTrust Gesellschaft für Konzeption und Vertriebsmarketing mbH. Allerdings: Während Wind und Sonne kostenlos sind – nur die Nutzung verursacht Aufwendungen – muss der Rohstoff bei der Biomasse gekauft werden. Der Rohstoff muss also zu vernünftigen Preisen und in den benötigten Mengen jederzeit zur Verfügung stehen. Nur wenn dieser Nachweis geführt wird, gibt es Geld von der Bank.

Pflanzen oder Pflanzenreste nutzen der Contrust Energiefonds 2 (Miscanthus), der Fonds Deutsche Biomassekraftwerk (Raps) und der MPC-Fonds (Reishülsen). Mit Holz als Rohstoffbasis arbeitet dagegen der NMI-Fonds New Energy Holz. NMI steht für New Milestone Investment und ist die Tochter der Ownership Holding, zu der auch das Schiffsemissionshaus gleichen Namens gehört. Der New Energy Holz ist das erste Produkt des Initiators, der aber keine Platzierungsgarantie gibt. Der NMI-Fonds investiert in Kraftwerke (Blockheizkraftwerke), die Wärme und elektrische Energie nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung durch Verbrennen von Holz erzeugen. „Das ist eine sehr effiziente Energieerzeugung und -verwertung“, erläutert NMI-Geschäftsführer Andreas Brinke.

Für den erzeugten Strom gebe es nach der Novelle des Erneuerbare-Energien- Gesetzes zum 1. Januar 2009 eine höhere Einspeisevergütung. „Dazu ist es aber notwendig, dass die Heizwerke dezentral errichtet werden. Die Möglichkeit zur Wärmenutzung entscheidet über den Standort“, unterstreicht Brinke. Drei Standorte in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Mecklenburg- Vorpommern stehen in der engeren Wahl; an zwei hat Hochtief bereits Vorverträge mit Unternehmen geschlossen. Zur endgültigen vertraglichen Bindung und Umsetzung muss der Fonds das dafür notwendige Eigenkapital (15 Mio. Euro) einsammeln. „Insofern handelt es sich um einen Semi-Blind-Pool“, meint Brinke.

Als Abnehmer der Wärme kommen vor allem energieintensive Unternehmen in Betracht. Über Projektgesellschaften sollen insgesamt bei Vollplatzierung des Kapitals drei Holzkraftwerke erworben werden, die am Ende schlüsselfertig von Hochtief Energy Management GmbH, die für Planung, Entwicklung und Betrieb zuständig ist, zu einem Festpreis geliefert werden. „Das zentrale Alleinstellungsmerkmal ist der Partner Hochtief, dessen Reputation und Professionalität über jeden Zweifel erhaben ist“, meint Peter Kastell, geschäftsführender Gesellschafter des Analysehauses FondsMedia. Hochtief garantiert auch die Rohstoffversorgung mit Frischholz wie Ast- und Strauchschnitt.

Der MPC Bioenergie Brasilien GmbH & Co. KG verbrennt Pflanzenabfall, nämlich Reishülsen, daher auch der Standort Brasilien. Das südamerikanische Land ist nach Asien der größte Reiserzeuger, Reis ist das Grundnahrungsmittel wie in Deutschland die Kartoffel und in Italien die Nudel. Der Fonds beteiligt sich an einer brasilianischen Projektgesellschaft, in deren Eigentum sich das noch im Bau befindliche Biomasse-Kraftwerk in Sao Borja, Brasilien, befindet, das 2010 fertiggestellt werden soll. „Rund um den Standort wird Reis angebaut“, erläutert Jörn Klepper, Geschäftsführer MPC Capital. In unmittelbarer Nähe des Kraftwerks befindet sich mit der Reismühle „Pirahy“ der Hauptrohstofflieferant, im Umkreis von 20 km gibt es weitere 14 Reismühlen. Für die pro Jahr benötigten rund 96.000 Tonnen an Reishülsen wurden entsprechende Lieferverträge für 12 Jahre mit Verlängerungsoption um drei Jahre abgeschlossen“, erklärt Klepper. Weil die Verbrennung der Reishülsen im Kraftwerk CO2-neutral ist und das bei der bislang üblichen Deponierung der Reishülsen entstehende und den Treibhauseffekt verstärkende Methangas („20 - 30 Mal so gefährlich wie CO2“, heißt es bei MPC Capital) vermeidet, erhält der Fonds CO2-Zertifikate. Diese werden für die Reduzierung von Kohlendioxyd in den Entwicklungs- und Schwellenländern gemäß dem Kyotoabkommen ausgegeben und können über die Börsen in Europa verkauft werden. „Unser Biostrom ist gegenüber konventionell erzeugtem Strom absolut konkurrenzfähig. Weil aber Strom in Brasilien knapp ist und die Regierung die umweltfreundliche Produktion von Elektrizität unterstützen will, wurden die Durchleitungsgebühren für Ökostrom um 50 % herabgesetzt“, meint Klepper. Eine Förderung des Ökostroms in Form einer Einspeisevergütung wie in Deutschland gibt es in Brasilien nicht.

Der Anleger erzielt mit dem MPC Bioenergie Brasilien Kapitaleinkünfte, die der Abgeltungssteuer unterliegen, eine Steuererklärung in Brasilien ist nicht notwendig.Der NMI-Fonds ist gewerblich. Auf Grund von anfänglichen Verlustverrechnungen sind die Auszahlungen bis zum 31.12.2022 steuerfrei. Allerdings: Der Veräußerungsgewinn am Ende der Laufzeit muss versteuert werden.

Aufatmen können die Anleger im Bioenergiefonds Penkum von Doric. Der Koalitionsvertrag sieht vor, die Reduzierung der Einspeisevergütung für modulare Anlagen, die vor dem 1.1.2009 in Betrieb gegangen waren, zurückzunehmen. „Damit wird das Vertrauen in die gesetzlichen Rahmenbedingungen für New Energy, das zeitweise gestört war, wiederhergestellt. Es ist eine gute Nachricht für alle geschlossenen Fonds, die in alternative Energien investieren“, meint Matthias Böhm, Geschäftsführer der Doric Asset Finance.

(Dr. Leo Fischer)


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