Legenden live – Dr. Dieter Quast
Der Analytiker
Dr. Dieter QuastDieter Quast, ein Mann der ersten Stunde der Branche geschlossener Fonds. Branchenführer über viele Jahre. Branchenverbandschef, Branchen-Chef-Publizist. Er war auch Branchengewissen und gab viele Impulse zur Verbesserung der Prospektinhalte zum Wohle der Anleger. finanzwelt hat ihn getroffen.
Das Taxi hält in der vornehmen Räderscheidstraße in Köln. Ich bin mit Dieter Quast verabredet. Quast ist in den siebziger Jahren für viele Jahrzehnte einer der Marktführer der Branche geschlossener Fonds gewesen. Der Himmel ist blau, ein grandioser, heißer Herbsttag. Der Villenstadtteil ist gewachsen. Baustile bunt gemischt mit einer Gemeinsamkeit: Luxus. Der kühle Grau-Beton-Bau der Familie Quast der 70er Jahre ist eingebettet in Pflanzen, fast überwuchert. Quast öffnet die Tür. Neben ihm seine Frau.
Die Begrüßung ist herzlich. Schon auf dem Weg zu einer einladend bequemen Sitzgruppe beginnt Quast sich an früher zu erinnern. „Sie wollen wissen, wie alles losging, oder? Bei weniger als null gings los. Da ging es mir wie vielen meiner Kollegen in unserer Branche, die später erfolgreich wurden. Wir haben die Geschäfte unserer Eltern abgewickelt, unser Studium selbst finanziert. Mein Vater hatte eine Schnapsbrennerei und Weingroßhandlung. Ein kleiner Laden. Da fuhr ich jedes Wochenende hin, um die Touren mit auszufahren. Das war so früher. Irgendwann merkte ich, dass mit Versicherungen Geld zu verdienen ist.“ Quast begann 1969 Versicherungen zu verkaufen, aber nicht lange. Er wurde Spezialist für steuerbegünstigte Investitionen. Quast ist der wissenschaftlich geprägteste Unternehmer der Branche und der qualifizierteste. Das belegt die Auflistung von Inhaltsangaben und Überschriften aus 12 Jahren Autorentätigkeit (1972 bis 1984; s. Kasten). Dieser Abriss Quast´scher Publikationsfreudigkeit zeigt seine enormen Kenntnisse und seine Themenvielfalt und ist ein kleiner Ausschnitt seines Wirkens für die Branche.
1984 blickt die Instag, das Unternehmen Quast, auf 15 Jahre Tätigkeit zurück. Sie ist mit 4 Milliarden Mark Umsatz zum Marktführer geworden. Quast nimmt sich Zeit, im Detail die Entwicklung des Steuersparmarktes zu schildern. Ganz bedeutsam ist wie dargestellt für ihn der richtige, geprüfte Prospekt. Die Leistungsbilanz geschlossener Fonds war ein Sujet, das er sich damals auf die Fahne schrieb, ebenso den Prüfkatalog für geschlossene Fondsprüfungen, die das Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW) mit dem damaligen Geschäftsführer Hammer zu verantworten hatte. Welche Parallelen zu den jetzigen Aktivitäten der Branchenverbände VGF und VOTUM!
Quast: „Wir bauten gerne auf den Erkenntnissen der ersten Fonds-Rating-Gesellschaft für geschlossene Fonds auf beziehungsweise bauten diese in unsere Vorgaben ein.“
Quast geht noch einmal gründlich auf seine Aufsätze ein. Er endet mit diesem Statement:
„Es hat mich immer gewundert, wie sich Geschichte wiederholt. Prospekte sind immer noch oft viel zu lang, der Leser wird mit Masse erschlagen. Im Ergebnis sind die Prospekte nichts mehr für Anleger. Wir müssen zurückkommen zu einfachen Darstellungen.“
Ich frage: „Gibt es Weisheiten aus dieser Zeit?“
Quast: „Weisheiten? Vielleicht drei:
- Einer alleine kann nie alles gut machen, man muss sich Partner suchen oder gute Kontrolleure. Das ist heute so richtig wie früher. Immer offen verhandeln mit denen, die später irgendwo Einfluss haben. Niemand sollte sagen, ich bin so gut, ich setze das mal alleine durch.
- Wer irgendwo Lehrgeld gezahlt hat, sollte dort weiter machen, denn dafür hat er Lehrgeld gezahlt.
- Die Branche ist nicht so schlecht wie ihr Ruf. Sie hat viel größere Vermögenswerte geschaffen, als manchmal gesehen wird.“
Was macht der quirlige Unternehmer Dieter Quast heute? Ruhestand? „Quatsch. Ich bin nach wie vor ziemlich aktiv. 1990 habe ich alle meine damaligen geschäftlichen Aktivitäten verkauft. Meine Idee für Künftiges war, dass ich das, was ich früher nebenbei gemacht habe, nämlich viel für Zeitungen schreiben, viel über Betreuung von Kapitalanlagen zu publizieren, intensivieren wollte. Sie wissen, ich habe an 10 bis 15 Büchern mitgeschrieben. Aber es kam anders. Ich lernte durch Zufall Leute kennen, die auf dem Krankenhaus- und Klinik-Sektor tätig sind. Bei denen habe ich mich engagiert und mit Freunden zusammen seitdem etwa alle zwei Jahre ein paar Kliniken gebaut und an große Betreiber vermietet. Nicht für den Markt oder Kapitalanleger, sondern für den Eigenbesitz. Ich bin viel auf Amrum. Dort steht die größte und schönste Klinik, die wir je errichtet haben. Wissen Sie, wenn Sie Hotels bauen, gibt es endlose Probleme mit Baugenehmigungen. Eine Klinik ist fast ein Selbstgänger. Moderne Kliniken erhalten stets die besten Grundstücke, und vor allem: Sie werden überall gebraucht.“
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Dr. Dieter Quast |
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• Geboren am 17. April 1940 in Kirchen a. d. Sieg |
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• Studium der Betriebswirtschaftslehre in Köln, Examen 1966 |
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• Selbständiger Unternehmens- und Vermögensberater |
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• 1969 Mitbegründer ifv – Institut für Vermögensplanung GmbH & Co. KG |
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• 1972 Promotion zum Dr. rer. pol. |
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• 1977 Gründung INSTAG – Institut für Vermögensanlagen |
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• 1990 Verkauf der INSTAG AG |
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• Ab 1991 Unternehmensberater |
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• Vermittlung von über 4 Mrd. DM Gesamtinvestitionen |
Kompendiumpublikationen Dr. Dieter Quast
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1972/73 |
„Steuerbegünstigte Anlagen im Ausland“ |
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1973/74 |
„Welteinkommen, hochgezüchtete Modelleund Explorationen in Öl“ |
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1974/75 |
„Steuersparende Anlagen“ |
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1976 |
„Wie das Geschäft mit den Steuern sinnvoll wird“ |
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1977 |
Recht bekommt der, der den Rechtsweg kennt: „Steuerhilfe“ |
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1978 |
Unberechtigter Kampf gegen das negative Kapitalkonto, weil die Abschreibungsbranche überschätzt wurde: „Der Fiskus auf dem Holzweg“ |
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1979 |
Das Gesetz ist auf der Seite der Anlagen, die Steuern sparen wollen: „Tips für den Grabenkrieg mit dem Finanzamt“ |
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1980 |
Durch Untätigkeit produziert der Fiskus viele überflüssige Kosten: „Anlegerschutz ist besser als Amtshaftung“ |
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1981 |
Wenn die Prospekte besser sind, können auch die Anlageobjekte besser sein: „Was alles in den Prospekt gehört“ |
In den Folgejahren vertieft er seine Kampagne für Anlage-Ehrlichkeit mit Artikeln zu diesen Themen:
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1983 |
Wie sich Anlagevermittler und Initiatoren vor dem Staatsanwalt schützen: „Drei Prospektprüfungskataloge“ |
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1984 |
Unbegründete Angriffe werden fehlgeschlagen: „Kampf gegen das Bauherren-Modell“ |
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1992 |
Prospektprüfung: „Wirtschaftsprüfer haften“ |
(Dieter E. Jansen)







