FINANZWELT sprach mit Dr. Joachim Berlenbach über Edelmetalle
Der Golden Boy
Es gibt noch Golden Boys, sogar ausgezeichnete. Einer von ihnen, wenn nicht sogar der Golden Boy, ist Dr. Joachim Berlenbach. Grund: Der promovierte Wirtschafts- und Strukturgeologe ist Goldexperte und erhielt dafür schon mehrere Auszeichnungen. So wurde er sowohl im Jahr 2001 als auch im Jahr 2002 von Financial Mail als bester südafrikanischer Analyst in der Kategorie "Gold" preisgekrönt. Merrill Lynch verlieh ihm zudem 2002 den Titel "Bester globaler Goldanalyst." 2003 gründete Dr. Berlenbach mit seinem Partner Markus Bachmann Craton Capital mit Sitz in Johannesburg in Südafrika und am 14.11.2003 legten sie den Craton Capital Precious Metal Fund auf. Der Fonds investiert jedoch nicht nur in Goldwerte, sondern auch in Edelmetalle wie Silber, Platin, Palladium und Rhodium. Zudem darf der Fonds maximal ein Drittel in Fremdaktien wie Kohle- und Ölaktien investieren, oder, wenn es keine attraktiven Anlagen gibt, ein Drittel Cash halten. Obwohl der Fonds noch relativ jung ist, bekam er auch schon die erste Auszeichnung. So wurden die zwei Fondsmanager vom Dachfondsmanager Eckhard Sauren - “Wir investieren nicht in Fonds - wir investieren in Fondsmanager” - mit zwei Goldmedaillen ausgezeichnet. Aufgrund des Alters eben nur die zweitbeste Platzierung. FINANZWELT sprach mit Dr. Joachim Berlenbach über Edelmetalle und seine Anlagephilosophie.
FINANZWELT: Herr Dr. Berlenbach, können Sie mir Gründe nennen, warum ich jetzt in Gold investieren sollte?Dr. Berlenbach: Es gibt viele Gründe in Gold zu investieren, z. B. die andauernde Überbewertung des Dow Jones und anderer Aktienmärkte, Überkapazitäten, der hohe Ölpreis, Leistungsbilanzdefizite, Überschuldung, strukturelle Probleme oder die Furcht vor geopolitischen und wirtschaftlichen Instabilitäten. Das sind alles Faktoren, die eine Investition in traditionelle Anlageklassen fraglich erscheinen lassen, nicht jedoch in Gold. Hinzu kommt: Über die letzten Jahre wurde die US-Wirtschaft zu einem großen Teil durch Schuldbriefe finanziert, die vor allem von den asiatischen Banken aufgekauft wurden. Angesichts eines wankenden US-Dollars erscheint es nur eine Frage der Zeit, wann Chinas wachsender Hunger für US-Dollar nominierte Werte verebbt. Aber was dann? Ein Switch von US-Dollars in Euros wäre fatal für eine schon stark angeschlagene europäische Wirtschaft. Ähnliches gilt für einen Switch in Yen und in die japanische Wirtschaft. China hält momentan nur 1,9 % seiner Reserven in Gold (etwa 600 Tonnen) und könnte die wachsende Furcht vor fallenden US-Dollar-Reserven durch Goldkäufe teilweise absichern. Der positive Einfluss auf den Goldpreis würde den negativen Einfluss möglicher bevorstehender Verkäufe der Europäischen Zentralbanken (500 Tonnen pro Jahr über 5 Jahre) mehr als ausgleichen. Ein anderes Argument für eine Investition in Gold und andere Edelmetalle ist deren fehlende Korrelation zu den Aktienmärkten. In Zeiten hoher Volatilität will der vorsichtige Investor sein Risiko so gering wie möglich halten, und eine Investition von 5-10 % in Goldaktien erlaubt eine wirkungsvolle Diversifikation.
FINANZWELT: Zu Ihrem Fonds. Wie lautet Ihre Anlagephilosophie?
Dr. Berlenbach: Bei uns stehen die einzelnen Unternehmen im Vordergrund. Diese analysieren wir im Hinblick auf Explorations- und Produktionsparameter sowie auf das langfristige Ertragspotenzial des Unternehmens. Das bestimmt für uns den inneren Wert des Unternehmens. Deswegen bin ich am Anfang des Research-Prozesses auch einige Tage im Monat vor Ort und analysiere das Lagerstättenpotenzial, rede mit den Explorationsmanagern und bewerte die Explorationsergebnisse. Die aus den Bohrergebnissen und anderen Explorationsresultaten gewonnenen Informationen bilden dann die Basis für ein von uns entwickeltes Bewertungsmodell, in das verschiedene Faktoren einfließen wie die Qualität und der Umfang der Ressourcen des Unternehmens, Gesteinsgüteklassen und Produktions- und Kostenprofile. Aus diesen Angaben kann man dann z.B. die Marktkapitalisierung je Reserven- und Ressourcen-Unze ableiten. Zudem beinhaltet das Bewertungsmodell Informationen zu einschlägigen Ertrags- und Bilanzkennzahlen wie Verschuldungsgrad, Eigenkapitalrentabilität und Cash-Flow-Sensitivitätsanalysen. Diese Sensitivitätsanalysen, die wir mit unterschiedlichen Annahmen hinsichtlich der Parameter Rohstoffpreise oder Wechselkurs bzw. Diskontierungssätze berechnen, geben uns dann Auskunft darüber, wie sich die Ertragssituation und der innere Wert des jeweiligen Unternehmens in verschiedenen Szenarien entwickeln.
FINANZWELT: Welche Unternehmen kommen dann für Sie in Frage?
Dr. Berlenbach: Prinzipiell steht uns ein Anlageuniversum von 800 bis 1000 Unternehmen zur Verfügung. Doch nicht jedes Unternehmen ist für uns interessant. Interessant sind für uns kleine und mittlere Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung bis zu 400 Millionen US-Dollar, die günstig bewertet sind, ein hohes Wachstumspotenzial und/oder viel versprechende Explorationsprojekte vorweisen können. Jedoch sollten die Explorationen nicht zu weit weg von der Produktion sein. Wenn Sie davon ausgehen, dass es drei bis fünf Jahre vom Finden einer Lagerstätte bis zur Produktion dauert, dann sollte das Unternehmen nicht mehr als 1,5 Jahre von der Produktion entfernt sein.
FINANZWELT: Wie viel Werte halten Sie in Ihrem Portfolio?
Dr. Berlenbach: Die Zahl schwankt zwischen 30 und höchstens 40 Werten. Zurzeit halten wir Aktien von 32 Unternehmen. Grundsätzlich sind alle Werte, die wir für unser Portfolio kaufen, von uns gründlich analysiert.
Finanzwelt: Wie sehen Sie die Zukunft bei Gold?
Dr. Berlenbach: Wir gehen davon aus, dass der Goldpreis weiter steigen wird, da unserer Meinung nach Gold am Markt fehlt. Und das aus mehreren Gründen. So wird es immer schwieriger neue Goldvorkommen zu finden und zu erschließen. Mit der Konsequenz, dass die Explorations- und Kapitalkosten weiter steigen werden und immer mehr große Goldproduzenten bei einem derzeitigen Goldpreis von rund 415 US-Dollar pro Unze nicht mehr profitabel arbeiten können, und das vor allem weil die Gesamtkosten der Produktion, also die Cash-, Explorations-, Overhead- und Kapitalkosten, in den vergangenen zwei Jahren um 70 Prozent von 246 US-Dollar auf 419 US-Dollar je Unze gestiegen sind. Dabei erodieren vor allem die gestiegenen Kapitalkosten von durchschnittlich 48 US-Dollar auf 126 US-Dollar je Unze die Gewinne. Das bedeutet, dass bei vielen Produzenten beim momentanen Goldpreis der Cash-Flow negativ ist, mit der Konsequenz, dass in den nächsten Jahren die Goldproduktion weiter zurückgehen wird und somit auch das Angebot an Gold. Wenn man diese Fakten berücksichtigt, ergibt sich ein wirtschaftlich sinnvoller Goldpreis von 550 US-Dollar pro Unze, da der Break-even beim Goldpreis derzeit bei 545 US-Dollar liegt und sich zusammensetzt aus aktuellem Goldpreis und minimaler Rendite bei durchschnittlichen Kapitalkosten (USD 419/oz + USD 126/oz = USD 545/oz). Für einen Preisanstieg spricht zudem eine zunehmende Nachfrage, unterstützt vom steigenden Schmuckbedarf in Asien und fallenden Verkäufen der Zentralbanken.
FINANZWELT: Wie schätzen Sie die Situation bei Diamanten, Platin, Palladium und Silber ein?
Dr. Berlenbach: Bei Diamanten sind die Lagerbestände des weltweit größten Diamantenproduzenten De Beers in den vergangenen fünf Jahren um 80 Prozent gefallen. Auch das Verhältnis zwischen Lagerbeständen und Verkäufen ist von 80 auf etwa 10 Prozent zurückgegangen. Da die Nachfrage nach Diamanten jedoch weiter steigt, können Sie davon ausgehen, dass auch hier die Preise weiter steigen werden. Die Platingruppenmetalle (PGM) werden neben Schmuck- und Investmentmetall vor allem in der Industrie, allen voran in Katalysatoren und mit wachsendem Bedarf auch in Brennstoffzellen (Platin) gebraucht. Da ich auch weiter mit einem steigenden Bedarf allein bei Industrieanwendungen rechne, dürften auch hier die Preise weiter anziehen. Bei Silber gibt es keine verlässlichen Bestands- und Produktionszahlen. In einigen Bereichen, wie zum Beispiel bei der Photographie, könnte Silber an Bedeutung verlieren.







