Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Legenden live – Dr. Helmut Röschinger

Der Grandseigneur der Immobilie

Dr. Helmut RöschingerDr. Helmut Röschinger

„Helmut Röschinger hat von Anfang an alles richtig gemacht. Dabei hat er gut verdient, wahrscheinlich mehr als alle anderen seiner Branche.“

Das sagt Herbert Ebertz, Köln, Gründer und jahrzehntelanger Chef von Ebertz & Partner, einem Marktführer auf dem Sektor steuerbegünstigte Immobilieninvestments, über seinen Unternehmerkollegen Helmut Röschinger.

Ein hochgewachsener schlanker Mann steigt 1989 aus seinem chauffeurgelenkten Mercedes. Er betritt ein Büropalais in der Nigerstraße in München, die „Villa Krantz". Es ist ein strahlender Sommertag. Im Garten feiern über 200 Gäste eine Party. Eingeladen hatte Dr. Helmut Röschinger, Chef und Inhaber der Unternehmensgruppe ARGENTA Internationale Anlagegesellschaft mbH. Der Gast, Top-Promi des Tages, ist Hilmar Kopper, der neue Vorstandschef der Deutschen Bank. „Es waren damals schöne, längst vergangene Zeiten", so erinnert sich Kopper 2009 in einem Brief an mich an diesen Tag. Die Deutsche Bank spielt bereits bei Röschingers Start in sein Berufsleben eine (allerdings ungute) Rolle. „Ich habe 1968 mein erstes ARGENTA-Konto bei der Deutschen Bank in München aufgemacht. Auf meinem Briefpapier stand: Bankverbindung Deutsche Bank. Das haben die Deutsch-Banker gesehen und verboten, die Bankverbindung auf unserem Briefpapier aufzuführen, weil wir mit dem Namen Deutsche Bank in unzulässiger Weise Werbung machen."

Helmut Röschinger beginnt mit diesen Worten das Gespräch mit Klaus Jung. Die Herren trafen sich anlässlich eines Buchprojektes über das Leben von Klaus Jung, an welchem ich arbeite. Das Buch beschreibt auch die Unternehmer der Kapitalanlageszene der Jahre 1970 bis heute. Waren die beiden Kollegen Freunde, Wettbewerber? Sind sie sich oft begegnet? - will ich wissen.

Röschinger: „Wir wollten mal zusammenarbeiten und trafen uns im Hotel Bayerischer Hof in München. Es wurde aber nichts. Jung war, als ich anfing, bereits das große Vertriebsvorbild der Branche."

Jung: „Das muss man sich mal vorstellen, heute ist die Deutsche Bank froh, dass sie den guten Kunden Röschinger hat, nicht?"

„Ja", sagt Röschinger. „Die sind sehr zufrieden."

Er setzt fort: „Ich war 25 Jahre alt, als ich mit zwei Partnern und fünf Privatbanken die ARGENTA gründete."

Im Jahr 2008 feierte Röschinger 40-jähriges Firmen- und Berufsjubiläum. Die Zeitungen, die dieses Ereignis würdigten, waren zahlreich. FAZ, Süddeutsche und viele andere. Neben Immobilienprojekten im Bauherren- und Erwerbermodell entwickelte Röschinger zur Zeit der Energiekrise Mitte der 70er Jahre auch Erdöl- und Erdgasexplorationsfonds. Bis 1982 platzierte er 12 Fonds mit einem Gesamtzeichnungskapital von rund 650 Mio. D-Mark, das bei etwa 1.400 Bohrungen in Kanada und in den USA eingesetzt wurde. Doch auch während des erfolglosen Öl- Abenteuers baute Röschinger in Deutschland weiter. Nach seinem Geschäftsmodell „Recycling innerstädtischer Industrieflächen, Rückgewinnung moderner urbaner Räume" wurden Wohn-, Geschäfts- und Bürohäuser in München und nach der Wende in Berlin, Dresden und Leipzig geplant, gebaut, vermietet und an Investoren verkauft. In München setzte die ARGENTA städtebauliche Akzente mit dem Asamhof in der Altstadt, dem Kurfürstenhof in Schwabing (der 1983 den europäischen Architekturpreis für Wohngebäude erhielt), dem Atrium an der Riesstraße und der O2-Unternehmenszentrale am Georg-Brauchle-Ring.

Ende der 70er Jahre gelang Röschinger ein besonderer Coup: Gegen die Konkurrenz seiner Bauträgerkollegen konnte er die von den Architekten Heilmann und Littmann geplante und im Krieg zerstörte „Villa Krantz" in Bogenhausen (sie gehörte dem Stifter des Prinzregentenbades) kaufen. Er ließ sie wieder aufbauen und durch einen modernen Verwaltungsbau ergänzen. Seither ist sie Sitz seiner Unternehmensgruppe und die Münchener Dependance einer internationalen Anwaltskanzlei.

Das Fazit von Röschingers bisher 40-jähriger Tätigkeit: Der „Grandseigneur" der Branche, wie er auch oft genannt wird, baute 110 Immobilienobjekte mit insgesamt 661.000 Quadratmetern (6.500 Wohneinheiten, 316.000 Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen) und investierte 1,65 Mrd. Euro. Was er nicht im Bestand halten wollte, verkaufte er, meist an institutionelle Anleger wie Banken, Fonds, Versicherungen und Pensions- und Versorgungskassen.

Die Parkstadt Schwabing ist sein bislang größtes und langwierigstes Projekt. 1989 erwarb er in dem Industriegebiet ein 85.000 Quadratmeter großes Areal, um es zusammen mit den Flächen anderer Eigentümer zu einem urbanen Stadtteil mit Wohnungen, Büros, Restaurants, Läden und Hotels zu entwickeln. In komplizierten, unendlich langen Verhandlungen ist es ihm schließlich gelungen, die Interessen der Stadt und der zwölf Eigentümer des insgesamt 400.000 Quadratmeter umfassenden Geländes unter einen Hut zu bringen. Wo bis vor wenigen Jahren Reifenlager, Mineralöldepots, ein Riesenflohmarkt, Betonfabriken und ein Rotlichthaus das Bild prägten, entstand mittlerweile ein moderner Stadtteil, der einen Investitionsschub von rund 1,2 Mrd. Euro ausgelöst hat, so Röschinger, der auch gegen viele Widerstände unermüdlich für den Anschluss des Viertels an das Straßenbahnnetz kämpfte.

Die Herren Jung und Röschinger nehmen sich einige Stunden Zeit, die Entwicklung noch einmal zu durchlaufen und zu kommentieren.

Jung: „Das war schon eine edle Marke, die Sie aufgezogen haben, das muss man schon sagen."

Röschinger: „Ja, wir waren die Größten. Es sollte nicht Masse, sondern Qualität sein. Bis auf den Ölbereich."

Jung: „Was hätten Sie sich schenken können?"

Röschinger: „Einiges, so zum Beispiel den Ausflug in den Osten. 1990 fiel die Mauer. Es eröffnete sich ein El Dorado. Wir dachten, Ostdeutschland ist jetzt der ideale Markt zum Bauen und das Paradies. Welcome to Paradise."

Jung: „Wenn Sie hier in Ihrem tollen Haus sitzen, im Paradies, und zurückblicken, könnten Sie irgendwie sagen, Sie seien unzufrieden?"

Röschinger: „Sie haben völlig Recht. Ich bin mehr als zufrieden."

Jung: „Erklären Sie uns mal, warum andere erfolgreiche Leute so oft größenwahnsinnig werden und der Gier verfallen."

Röschinger: „Wir nicht. Die Kölner Kollegen haben den Markt praktisch beherrscht. Ich habe mich als Nischenanbieter immer wohlgefühlt. Warum ich nicht größenwahnsinnig geworden bin? Wissen Sie, ich bin auf ein humanistisches Gymnasium gegangen. Uns wurde mit der Muttermilch sozusagen eingebläut, dass Hybris, also Hochmut, vor dem Fall kommt. Meine Einstellung ist: Schuster bleib bei deinen Leisten. Werde nie zu jemandem, der dauernd in der Zeitung stehen will. Wer anfängt, mit dem LearJet durch die Gegend zu fliegen, der hat schon verloren. Weil wir das vermieden haben, gibt es uns noch, und deswegen können wir unser Altersbrot in Ruhe genießen."

 

Helmut Röschinger

  • Geboren am 14. April 1943 in München
  • 1962 Abitur am humanistischen Maximilians-Gymnasium in München
  • 1962-1966 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in München und Genf
  • 1966 Erstes juristisches Staatsexamen
  • 1966-1969 Rechtsreferendar, wissenschaftlicher Assistent an der juristischen Fakultät, Promotion zum Dr. jur.
  • 1968 Gründungsmitglied der Unternehmensgruppe ARGENTA
  • 1969 Zweites juristisches Staatsexamen, Zulassung als Rechtsanwalt in München
  • Seit 1974 Alleingesellschafter des Unternehmens ARGENTA

(Dr. Dieter E. Jansen)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: