Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Anleihen

Der große Boom

In Europa und Asien werden so viele Bonds aufgelegt wie nie zuvor.

Zu den erstaunlichsten Konsequenzen der abebbenden Krise zählt eine Emissionswelle, die auf vielen nationalen Anleihemärkten derzeit zu beobachten ist. So werden den Emittenten an den europäischen Bonds-Märkten neue Emissionen förmlich aus den Händen gerissen. Im ersten Halbjahr wurden insgesamt etwa 450 Mrd. Euro (600 Mrd. USD) platziert, nahezu das Volumen des gesamten Jahres 2008. Damit ist Europa auf dem Weg, die amerikanischen Bonds-Emissionen erstmals zu übertreffen. In der ersten Jahreshälfte 2009 hatten die Amerikaner nur noch einen Vorsprung von rund 5 %.

Ein ähnliches Bild ergibt sich auf den asiatischen Märkten, auch dort werden so viele Bonds aufgelegt wie nie zuvor. Dabei fällt vor allem die Flut der national offerierten Bonds in der jeweiligen Landeswährung auf. Das Emissionsvolumen allein dieser nationalen Bonds (also ohne Dollar- und Euroanleihen) beläuft sich im ersten Halbjahr auf umgerechnet 201,7 Mrd. USD, was weit vor den international vermarkteten Bonds im Gesamtvolumen von 65,9 Mrd. USD liegt.

Hinter diesem Boom stehen grundsätzlich zwei Aspekte der Finanzkrise: Zunächst gibt es für die meisten Unternehmen Schwierigkeiten, bei den Banken Buchkredite zu akzeptablen Konditionen zu erhalten. Hinzu kommt dabei noch, dass die Banken fast nie bereit sind, die Mittel langfristig bereitzustellen. Vielfach bleibt daher nur der Weg an die Anleihe-Märkte übrig.

Dort treffen sie auf Anleger, die bereit sind, wieder stärker in Risiko zu gehen. Das gilt sowohl für Investments innerhalb der Eurozone als auch global: Innerhalb der Eurozone haben sich die beiden wichtigsten Marktparameter weit in Richtung auf ihre normalen Werte bewegt (siehe Chart 1): Der Abstand der Geldmarktsätze zwischen den Banken (LIBOR) zu den mit gleich kurzer Laufzeit ausgestatteten Schatzwechseln des Bundes (BuBills) liegt wieder unter 50 Basispunkten, was zuletzt im Juni 2007 der Fall war. Fast ebenso deutlich hat sich der Renditeaufschlag der mit BBB/Baa eingestuften Anlagen gegenüber den Bundesanleihen reduziert: Im langfristigen Mittel liegt diese Prämie bei 75-100 Basispunkten (dreiviertel bis einen vollen Prozentpunkt). Die Krise brachte Spitzen von über 600 Basispunkten. Davon stehen jetzt immer noch rund 200 zu Buche. Ganz offensichtlich sind die verlangten Risikoprämien kräftig geschrumpft, wenn auch noch nicht auf Normalniveau.

Hinter dieser erstaunlich schnellen Normalisierung steht freilich alles andere als ein normaler Druck: Eine der, wenn nicht die wichtigste „Kunden-Gruppe“ der Finanzminister im Geschäft mit den staatlichen Schuldscheinen sind die Lebensversicherungen, die traditionell um 60 % ihres Aktivportfolios in Staatsanleihen halten. Wenn die Bundesanleihen (10 Jahre Laufzeit) nur 3-3,5 % Rendite bringen, dann wird es eng für die Versicherer: Es laufen noch ältere Verträge, bei denen der Garantiezins schon in dieser Größenordnung liegt – und zuweilen sogar darüber. Wer durch festverzinsliche Anlagen Planungssicherheit schaffen muss und trotzdem wenigstens eine 4 vor dem Komma sehen will, muss also zwangsläufig in die schwächeren Bonitätsklassen ausweichen, in denen mittlere Industrieunternehmen und Staaten der Dritten Welt als Emittenten auftreten.

Diese oder vergleichbare Formen von Anlagezwängen haben auch außerhalb Eurolands offenbar ihre Rolle gespielt, wie der zweite Chart zeigt: Die Risikoprämie des EMBI+ von JP Morgan, des wichtigsten Index für Anleihen der Emerging Markets, ist gegenüber den US-Staatsanleihen vergleichbar der Risikoprämie bei den Euro-Anleihen zurückgegangen. Da der EMBI+ auf Dollar basiert, bilden T-Bonds den Bezugspunkt der Aufschläge. Der starke Grundtrend der Anleihen macht sich über die Grenzen der Währungen und nationalen Märkte hinweg bemerkbar.

Speziell in Asien, aber auch in anderen Teilen der Welt (schwächer etwa in Osteuropa) kommt ein wichtiger Währungsaspekt hinzu: Ein großer Teil der neuerdings national aufgelegten Bonds dient zur Refinanzierung fällig werdender Verbindlichkeiten in fremder Währung, vor allem in Dollar oder Euro. Die Unternehmen schaffen mit der Umfinanzierung von Dollar oder Euro in nationale Währung die Währungsrisiken aus ihren Bilanzen heraus, die sich verschiedentlich schon als existenzbedrohend erwiesen haben, etwa in den baltischen Staaten.

Da die wenigsten Unternehmensanleihen auf liquiden Märkten gehandelt werden, ist die direkte Anlage für private Anleger nicht ganz einfach zu managen. Es bieten sich eher Investmentfonds an, die an dieser Stelle ihre Vorteile ausspielen können. Wer auf konventionelle Unternehmensanleihen setzt, darf bei dem aus Österreich kommenden Raiffeisen-Euro-Corporates (ISIN AT0000712518) auf vier Sterne von Morning Star vertrauen. Einen Stern weniger hat der UniEuroRenta Corporates (ISIN LU0045581039), der den gleichen Prinzipien folgt: Angelegt wird bei beiden Fonds in Unternehmensanleihen auf Eurobasis mit Investmentqualität, also mit Ratings nicht schwächer als BBB-/Baa3.

Stärker auf die internationalen Trends mit einem etwas höheren Risiko kann man mit dem KBC Bonds High Interest setzen, der bewusst in die lokalen Währungen wie Brasilianische Reals, Mexikanische Peso oder Polnische Zloty geht, dabei allerdings ein breites Portfolio über die Emittentengruppen (von Staatsanleihen bis zu Pfandbriefen) hält.

Speziell auf den Trend in Asien kann man mit dem MAT Asian Bonds (ISIN DE0008484429) setzen. Dieser Fonds legt auf Euro-Basis (und zum Euro währungsgesichert) schwerpunktmäßig in asiatischen Unternehmensanleihen in lokaler Währung an. Eine vergleichbare Mischung für Osteuropa bietet wieder KBC mit dem KBC Bonds Central Europe (ISIN LU0145228085), der freilich auch unter den hier vorgestellten Fonds das höchste Risiko mit sich bringt, weil hier auch bewusst auf die Währungen (Zloty, türkische Lira und tschechische Kronen sind die drei wichtigsten) spekuliert wird – was die zugehörigen höheren Chancen ergibt. Die sehr ordentliche Qualität zeigen die vier Sterne von Morning Star.

(Martin Klingsporn)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: