Schiffsfonds
Der verborgene Charme des Blind Pool

Weil die Banken mit neuen Krediten knauserig sind, legen einige Schiffsfondsinitiatoren reine Eigenkapitalfonds auf. Diese sind Blind Pools und profitieren so von fallenden Assetpreisen.
Schlechte Nachrichten beherrschen derzeit die Szene. Die guten Nachrichten, die es durchaus gibt, werden ignoriert. Auf ihrer Internetseite musste Hansa Treuhand mitteilen, dass der Fonds MS Chopin aus dem Markt genommen wurde. Aber Nordcapital konnte zwei Offshore Fonds jeweils in nur vier Wochen platzieren und hat gerade den Offshore Fonds 4 aufgelegt.
Für großes Aufatmen hätte eine andere Meldung auf der Webseite von Hansa Treuhand sorgen müssen: Die deutschen Reeder haben seit Anfang 2009 wieder mehr als 500 Handelsschiffe unter deutscher Flagge im internationalen Seeverkehr im Einsatz. Dazu hatten sich die deutschen Reeder auf der Nationalen Maritimen Konferenz 2006 gegenüber der Bundesregierung verpflichtet, nachdem diese eine Garantie für die wesentlichen Rahmenbedingungen des deutschen Schifffahrtsstandorts ausgesprochen hatte. Zu diesen Rahmenbedingungen gehört auch die Tonnagesteuer, die von Kritikern - nicht nur in der Finanzverwaltung - immer wieder in Frage gestellt wird. Unter der Tonnage steuer sind lediglich 0,2 bis 0,3 % der Ausschüttungen steuerpflichtig.
Ansonsten war 2008 ein schlimmes Jahr für die Seeschifffahrt. „Die Charterraten für Containerschiffe sind in der zweiten Jahreshälfte 2008 in einem bisher nicht gekannten Maße zurückgegangen", lautet das Fazit des unabhängigen Schifffahrtsexperten- und -analysten Michael Niefünd in der vom Fondshaus Hamburg herausgegebenen Marktstudie. „Gewiss wächst der Containerverkehr nur noch mit an - ge zogener Handbremse", meint Marc Drießen, Vorstand der Hesse Newman Capital AG. „Aber: Er wächst!" Das sollte in der Tat nicht übersehen werden. Das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ermittelte für 2008 einen Anstieg des globalen Containerverkehrs um rund 7 % und prognostiziert für das laufende Jahr ein Plus von rund 4 %. „Die Containerschifffahrt bleibt auch zukünftig der am dynamischsten wachsende Hauptschifffahrtsmarkt", schreibt Professor Dr. Burkhard Lemper vom ISL in einer im Januar 2009 für DCM erstellten Studie. Zum Bulkermarkt 2008 meint Analyst Niefünd: „Dieser war geprägt von den krassesten Gegensätzen, die in diesem Segment je zu beobachten waren." Die Jahrescharterraten verloren nach einem nie vorher registrierten Rekordhoch im Juni rund 90 %. Der Grund lag aber nicht in fehlender Nachfrage nach Transportleistungen, sondern in der Weigerung der Banken, die Finanzierungen zur Verfügung zu stellen.







