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Roundtable New Energy

Der Vertrieb ist skeptischer als die Kundschaft

Die Anbieter von New Energy Beteiligungen sind in einer paradoxen Lage. Dr. Martin Klingsporn sprach darüber mit Tjark Goldenstein, Vorstand der ÖKORENTA AG; Erik Tröster, Geschäftsführer der PT Erneuerbare Energien GmbH; Thomas Hartauer, Vorstand der Lacuna AG; Jörn Klepper, Geschäftsführer MPC Capital Investments GmbH, und Markus Voigt, Geschäftsführer Voigt & Collegen GmbH.

Die Erneuerbaren Energien (EE) erfahren eine unverändert starke politische Unterstützung, während vor allem die konkurrierende Atomenergie einen Skandal nach dem anderen liefert und ihr Image ruiniert. Diese positive Ausgangslage setzt sich aber nicht in Erfolge bei der Platzierung um: Das von den Initiatoren bewegte Investitionsvolumen geht seit 2005 zurück. Aufklärung soll ein Roundtable der finanzwelt-Redaktion mit verschiedenen Anbietern bringen.

Die aktuellen Nachrichten lassen kaum Zweifel zu: Die Erneuerbaren Energien haben Hochkonjunktur. Der erste Offshore-Windpark begann kürzlich mit der Einspeisung ins Netz, immer neue, immer größere Solarprojekte werden angeschoben. In den USA gelang es, allein im August trotz der Krise durch Aktienemissionen in wenigen Tagen rund 300 Mio. Dollar für zwei Geothermie-Unternehmen zu mobilisieren. In den aufstrebenden Emerging Markets ist der Energiehunger enorm groß: Mit China ist der weltweit größte Produzent von Steinkohle kürzlich zum Netto- Importeur des schwarzen Goldes geworden, die heimische Förderung reicht eben nicht. Bei solchen Knappheiten sind auch die eher kleinteiligen, lokal einsetzbaren Formen der EE so stark gefragt, dass die europäischen Anlagenanbieter teilweise schon zu Übernahmekandidaten geworden sind: Die Dritte Welt will nicht mehr die Maschinen, sondern die Technologie kaufen.

Positiv schlägt für die „grünen“ Energien zu Buche, dass die Konkurrenz der konventionellen Technologien einen schwierigen Stand hat. Vor allem die immer wieder als „umweltfreundlich“ oder „klimafreundlich“ etikettierte Nuklearenergie leidet derzeit unter einer Kette von spektakulären Fehlleistungen und Skandalen, angefangen von den Pannen in einzelnen Reaktoren über die Probleme der Endlager bis hin zu den in der letzten Zeit aufgedeckten Unregelmäßigkeiten in den Genehmigungsverfahren. Die Zustimmung und die politische Unterstützung geht da zugunsten der EE verloren.

Kein Zweifel, der Markt für Erneuerbare Energien ist nicht nur heiß, er scheint sogar schon fast zu brennen. Umso verwunderlicher das Ergebnis der im EE-Feld aktiven deutschen Emissionshäuser und Initiatoren: Das realisierte Investitionsvolumen geht seit dem Spitzenjahr 2005 zurück, von 1,55 Mrd. auf 620 Mio. Euro in 2008. Das ist ein Rückgang um 60 %! Beim platzierten Eigenkapital (EK) sieht es wegen der generell in den Fonds steigenden EK-Quoten etwas besser aus: von 500 auf knapp 300 Mio. Euro im gleichen Zeitraum, was einen Rückgang um gut 40 % ergibt.

Auf der Anbieterebene sieht es ebenfalls schwach aus: Das Bad Homburger Analysehaus Feri listet in der Marktstudie 2008 insgesamt 130 Anbieter aus dem Bereich New Energy auf, die in den fünf erfassten Jahren 2004 bis 2008 mindestens einen Fonds platziert haben. Von diesen 130 waren 73 und damit über die Hälfte per Ende 2008 schon wieder ausgeschieden. 29 Anbieter sind nicht über den ersten Fonds hinausgekommen. Hohe Fluktuation und geringe „Halbwertzeit“ der Initiatoren bestätigen den Eindruck, dass der allgemeine Boom der EE im Beteiligungsmarkt bislang nicht ankommen ist.

Die Finanzkrise und der allgemeine Einbruch des Beteiligungsmarktes nach der Lehman-Pleite haben ihre Rolle gespielt für dieses Ergebnis. Getroffen hat es vor allem den Vertrieb: „Viele Berater haben schlechte Erfahrungen gemacht und trauen sich kaum, neue Produkte anzubieten“, formuliert Jörn Klepper, Geschäftsführer MPC Capital Investments GmbH, die Lage für die Branche. Dabei dürfte neben den direkten Folgen der Krise auch die Regulierung durchgeschlagen haben: Der Vertrieb hat durch die Diskussionen um Haftungsdächer, Zulassungsvoraussetzungen und Haftungsprobleme viel Zeit auf sich selbst verwenden müssen, die dann fehlte, um sich mit neuen Produkten und den Bedürfnissen der Kundschaft zu befassen. Ergebnis: Der Vertrieb ist häufig pessimistischer als die Kundschaft selbst und verschenkt daher Umsatzchancen. Die Initiatoren erwarten, dass sich auch diese Schwäche mit dem Abebben der Krise löst.

In allen am Tisch der finanzwelt-Redaktion vertretenen Häusern herrscht Optimismus, dass das Jahr 2009 wieder deutlich bessere Platzierungszahlen bringen wird als das extrem schwache Jahr 2008: „Wir sind sehr zuversichtlich für 2009, was den Markt für die Erneuerbaren Energien angeht“, betont etwa Klepper, der bei der Hamburger MPC Capital den Vertrieb des aktuellen Bioenergiefonds mit einem Biomassekraftwerk in Brasilien verantwortet. Hinter dem allgemeinen Optimismus steht unter anderem die Erwartung, dass ein politisch erzeugtes Sonderproblem der Branche sich auflöst: Der Gesetzgeber hatte für die großen Energieversorger eine Reihe von Zwängen und Anreizen geschaffen, erhebliche Anteile an Erneuerbaren Energien in ihr jeweiliges Anlagenportfolio aufzunehmen. Zum einen mussten die großen Versorger gewisse Anteile an Erneuerbarer Energie an der gesamten Stromproduktion erreichen, um ansonsten drohende finanzielle Einbußen zu vermeiden. Und neben der Peitsche drohender Verluste hielt die Politik das Zuckerbrot zusätzlicher Erlöse bereit durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten. Daher sahen sich die etablierten Anbieter von EE-Projekten einer scharfen und vor allem kapitalkräftigen Konkurrenz um Windparks oder Solaranlagen ausgesetzt.

Preisanstieg. Wie immer bei sprunghaft steigender Nachfrage zogen auch im Markt der Projekte für Erneuerbare Energien die Preise steil an: „Die haben zeitweilig ohne mit der Wimper zu zucken jeden Preis gezahlt, der aufgerufen wurde“, beschreibt Windkraft-Experte Tjark Goldenstein, Vorstand der ÖKORENTA AG, die Ausgangslage und benennt auch die Konsequenz: „Wir haben die Projekte einfach nicht mehr zu Preisen bekommen können, die sich für die Anleger gerechnet hätten.“ Allerdings hat er in den immer wieder laufenden Verhandlungen mit den Projektentwicklern auch beobachtet, dass der hohe Nachfrageüberhang durch die großen Energieversorger weitgehend abgebaut ist und sich die Verhältnisse normalisieren. Damit rückt der Zeitpunkt heran, wieder mit eigenen Windkraft-Angeboten auf den Markt zu kommen. Zudem wächst mit dem so genannten Repowering ein neuer und interessanter Markt heran: „An den besten Standorten stehen derzeit die ältesten Anlagen“, nannte Goldenstein den Ansatzpunkt. Die ältesten Anlagen sind technisch längst überholt. Vor allem entlang den Küsten sind durch Aufrüstung der Parks mit moderneren, effizienteren Anlagen inzwischen große Potenziale ausbeutbar – mit der Folge, dass nach Goldensteins Kalkulation die Windkraft wirtschaftlich in Bereiche vorstößt, in denen sie sich auch ohne staatliche Stütze trägt und Erträge für die Investoren abwirft.

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