Anleihen Emerging Markets
Der Yuan Markt
© Foto: BlueOrange Studio - Fotolia.comIn der aktuell recht unübersichtlichen Lage ein vernünftiges Anlageziel auszumachen, ist gar nicht so einfach, denn wenn Inflation und Rezession gleichermaßen einkalkuliert werden müssen, fallen die einfachen Rezepte weg: Immobilien und Unternehmensbeteiligungen, ob nun als KG-Anteil oder Aktie, gehören zu den Opfern von Rezessionen, während sich die ansonsten sichereren Rentenpapiere bei Inflation gar nicht mehr gut machen. Die Lösung liegt natürlich jenseits der Heimatmärkte. Wer derzeit halbwegs auskömmliche Renditen bei überschaubarem Risiko sucht, sollte sich mit den Anleihen der Emerging Markets befassen.
Ein Blick über die Aussichten für das kommende Jahr zeigt, dass der Schwerpunkt des globalen Wachstums in Asien und Lateinamerika liegen wird, dazu kommen – mit kleineren Abstrichen – noch die Länder Osteuropas. Für die westlichen Industriestaaten beiderseits des Atlantiks sieht es dagegen sehr viel weniger gut aus, hier überschneiden sich Inflationsfurcht und Rezessionsangst. Inflation und Rezession sollten sich der reinen Lehre nach eigentlich gegenseitig ausschließen, aber die Stimmung ist so schlecht, dass gewissermaßen Überschwemmung und Dürre gleichzeitig als konkretes Risiko einkalkuliert werden. Die Folge sind nachgebende Aktienmärkte und „sichere Häfen“ des Geldes bei den Staatsanleihen – zu Renditen, die auch die eigentlich bislang noch bescheidenen Inflationsraten nicht mehr ausgleichen: Die Inflation knabbert schon in aller Stille an den Vermögen, bevor sie ins Laufen kommt.
Da kommen die Alternativen jenseits der etablierten Märkte gerade recht, wie etwa die australisch-britische Gruppe State Street anmerkt: „Jetzt ist die richtige Zeit, in Anleihen der Emerging Markets zu investieren“ – womit der Start eines neuen Fonds mit einschlägigem Investmentschwerpunkt (First State Emerging Markets Bond Fund) angekündigt wird. Und damit dürften die Assetmanager zumindest unter Vertriebsgesichtspunkten auch Recht haben, denn zumindest die Anleger in Euroland ziehen sich aus ihrem Heimatmarkt zurück und meiden Euro-basierte Anlagen, wie die Analysefirma Morningstar herausstellt: „Die Risikoscheu erstreckt sich allerdings nicht mehr nur auf Aktienfonds, sondern erfasst nunmehr offenbar alle Anlagevehikel, die auf Euro lauten“, notiert Morningstar-Analyst Ali Marsarwah in einem aktuell veröffentlichten Papier. Die Kombination aus Minirenditen und hohen Risiken treibt die Anleger vor allem aus den Geldmarkt- und Kurzläuferfonds, die der Absatzstatistik zufolge allein im Oktober zusammengenommen rund 11 Mrd. Euro an Abflüssen verzeichneten. Die Emerging Market (EM) Rentenfonds verloren zwar auch an Mitteln, aber eben nur den vergleichsweise bescheidenen Betrag von 380 Mio. Euro (die Emerging Markets Aktienfonds 400 Mio. Euro), obwohl gerade die EM-Fonds in Zeiten hochnervöser Märkte eigentlich ganz oben auf der Verkaufsliste der Anleger stehen.
Die beiden wichtigsten Gründe für die gestiegene Neigung zu den exotischeren Anleihen sind: zum einen die deutlich höheren nominalen Renditen, die etwa Anleihen aus China, Malaysia oder Brasilien bieten, und zum anderen die eher günstige Währungssituation: Die meisten dieser Exoten wurden im Zuge der steigenden Risikoaversion teilweise sogar deutlich abgewertet und haben jetzt eher Potenzial nach oben. So zumindest sehen es die Manager bei First State, die damit allerdings nicht allein stehen: Philip Poole, Chefstratege der an ihrem Ausgangspunkt Hongkong zurückgekehrten vormalig britischen Großbank HSBC, sieht vor allem bei den „Dim Sum“-Anleihen des gerade erst entstehenden Yuan-Marktes große Chancen: Die Volksrepublik China hat erst im letzten Jahr damit begonnen, ihre Währung ausländischen Marktteilnehmern zugänglich zu machen. Mittlerweile wird aber erkennbar, dass Peking die eigene Währung als feste Größe an den internationalen Märkten etablieren will – nicht zuletzt um der bestehenden Anhängigkeit vom US-Dollar zu entkommen und den Einfluss der USA zumindest in Asien einzudämmen. Erfreulicher Effekt für die Anleger: Die Anleihen interessanter und schnell wachsender chinesischer Unternehmen kommen mit ordentlichen Verzinsungen in einer Währung auf dem Markt, die etwa bei den US-Behörden als so stark unterbewertet gilt, dass sie Peking mit Vergeltung im Handelskrieg drohen, sollten die Chinesen ihr Aufwertungstempo nicht beschleunigen. Aus Anlegersicht ist so eine erzwungene Aufwertung eine durchaus interessante Perspektive.
Auch beim britischen Assetmanager Schroders konzentriert man sich auf die asiatischen Märkte: Neben den genannten Vorteilen nennt Rajeev de Melo, Leiter des asiatischen Rentengeschäfts, noch ein weiteres Argument: Die asiatischen Staaten zeichnen sich zumindest zum Teil durch deutlich niedrigere Verschuldungsquoten im Vergleich zu den westlichen Industriestaaten. Besser noch: „Gleichzeitig halten Länder der Region Asien (ohne Japan) Devisenreserven in Höhe von rund 5 Billionen US-Dollar, was ausländischen Investoren ein beachtliches Polster verschafft.“
(Martin Klingsporn)
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