Eisenbahnfonds
Der Zug der Zeit rollt auf Schienen

Der nationale und internationale Güterverkehr trotzt der Krise.
Die Krise lässt keine Branche und keinen Sektor aus, aber einige leiden auf deutlich höherem Niveau als andere. Zu den eher glimpflich Davongekommenen gehört - bislang jedenfalls - der nationale wie internationale Güterverkehr. Die Ursachen hinter dieser relativ guten Position sind nachvollziehbar: Eine tragende Rolle im starken globalen Aufschwung der letzten Jahre spielte die rasante Integration vieler Emerging Markets, vor allem in Asien und Osteuropa, in die Weltwirtschaft. Auf der Produktionsseite brachte das erhebliche Vorteile bei der Effizienz durch eine immer tiefer gestaffelte internationale Arbeitsteilung. Vereinfacht und etwas plakativ gesagt: Es wurden viele zusätzliche Arbeit suchende Hände unter das Prinzip „jeder konzentriert sich auf das, was er am besten kann" gestellt mit dem Effekt, dass der Tendenz nach immer mehr unterschiedliche Beiträge in einem gegebenen Produkt zusammenkommen. Es gab und gibt einen immer intensiveren Wettbewerb um die Aufträge auf jeder einzelnen Produktionsstufe. Gegenstück dieser immer feineren Optimierung ist der steigende Transportaufwand, der hier als begrenzender Faktor wirkt: Der Effizienzgewinn etwa durch die Verlagerung einer Produktionsstufe nach Osteuropa muss größer sein als der zusätzliche Aufwand für den Transport und die Koordination zwischen den Standorten.
Von hierher betrachtet ist im allgemeinen Abschwung eine eher unterdurchschnittliche Abnahme des Transportbedarfs zu erwarten: Gerade in einer Krise liegt das Augenmerk beim Kostensparen. Jedes Management wird also versuchen, an den von der Kostenseite her gelungenen Schritten ins Ausland festzuhalten.
Zudem ist die Entkoppelung - nicht tot. Gemeint ist: Noch im letzten Jahr wurde vielfach die Hoffung gehegt, dass die Emerging Markets, namentlich die vier unter dem Kürzel BRIC zusammengefassten (Brasilien, Russland, Indien, China) so stark seien, dass sie die Probleme der USA so weit ausbügeln könnten, dass Euroland eine Rezession erspart bleibt. Diese Hoffnung ist gescheitert - und dennoch erweist sich die Grundidee als brauchbar, wenn die jüngsten Wachstumsschätzungen des IWF vom Jahreswechsel zugrunde gelegt werden:
Wachstumsschätzungen in %
Euroland
2008 1,0 / 2009 -2,0 / 2010 0,2
Japan
2008 -0,3 / 2009 -2,6 / 2010 0,6
USA
2008 1,1 / 2009 -1,6 / 2010 1,6
Osteuropa
2008 7,8 / 2009 -0,4 / 2010 2,2
Asien
2008 3,2 / 2009 5,5 / 2010 6,9
Emerging M.
2008 6,3 / 2009 3,3 / 2010 5,0
Quelle: IWF
Das in diesen Zahlen ausgedrückte Wachstumsgefälle spricht für sich: Sofern die IWF-Volkswirte sich nicht völlig verschätzt haben, werden die Emerging Markets eine beachtliche Dynamik aufrechterhalten, von der auch die westlichen Industrieländer profitieren. In erster Linie deuten diese Zahlen darauf hin, dass die Lieferbeziehungen nicht so stark ausgelichtet werden, wie es der Fall der Charter- Indizes zum Jahresende 2008 vorherzusagen schien. Zumindest die seit einigen Wochen überraschend fest tendierenden Rohstoffpreise bestätigen diesen Ausblick auf mehr Aktivität, als mit der hierzulande herrschenden depressiven Stimmung vereinbart.







