Sprudelnde Quellen für Investoren
Die alternative Stromerzeugung über Geothermie kommt langsam in Fahrt
Wenn Fondsinitiatoren Bergrechte erwerben, suchen sie nicht nach teuren Edelsteinen. Vielmehr soll heißes Wasser der Quell der Rendite sein. Geothermie ist ein interessantes Geschäftsfeld. Seit nunmehr über zwanzig Jahren wird auch in Deutschland am Einsatz von Geothermie-Kraftwerken gearbeitet. Aber ist dies hier bei uns bloß technische Spielerei oder doch eine ernsthafte Alternative zu herkömmlichen Energieträgern?
Geothermie-Kraftwerke stellen eine sinnvolle und äußerst umweltverträgliche Ergänzung unserer heimischen Energieerzeugung dar und funktionieren an einigen Standorten in Deutschland bereits nachweisbar. Für ein sinnvolles Kapitalanlagemodell müssen allerdings noch einige Unwägbarkeiten gelöst werden, deren Antworten sich zwischenzeitlich abzeichnen.Funktionsweise. Bei Thermalwasservorräten werden in der Regel zwei Bohrungen in einem Abstand von ein bis zwei Kilometern vorgenommen. Das heiße Wasser wird über eine Förderbohrung an die Oberfläche gebracht. Dort gibt es den wesentlichen Teil seiner Wärme über einen Wärmetauscher an einen sekundären Kreislauf ab. Bei Temperaturen ab ca. 120 Grad Celcius ist eine Nutzung nicht nur für Fernwärme, sondern auch zur Stromerzeugung möglich. Neben der Wassertemperatur ist dabei die Menge des heißen Wassers entscheidend für die optimale Auswertung. Das Restwasser, das oftmals immer noch eine Temperatur von 60 Grad Celcius hat, wird wieder in den Untergrund verpresst. Auf diese Weise bleibt das hydraulische Gleichgewicht bestehen und das Reservoir wird nicht leergepumpt. Wichtig ist auch, dass genügend Kühlwasser zur Verfügung steht.
Wer suchet, der findet... Die größte Schwierigkeit besteht darin, geeignete Bohrfelder zu finden und zu erschließen. In Deutschland gibt es drei Heißwasser-Aquifere (wasserführende Gesteinsschichten mit einer Mindesttemperatur von 100°C und einer Mindestfließrate von 50m³/ha). Diese liegen im Norddeutschen Becken, im Oberrheingraben und im Süddeutschen Molassebecken. Förderbohrungen befinden sich hier bislang bei einer Tiefe von rund drei Kilometern, künftig könnten es bis zu fünf Kilometer sein. Das Molassebecken, das man sich wie einen riesigen Wasserschwamm in der Tiefe vorstellen kann, zeichnet sich dabei durch die geringsten Risiken in Deutschland aus. Zudem liegt zu diesem Gebiet bereits aufgrund von Erdölbohrungen umfangreiches Kartenmaterial vor. Die Risiken sind: Bei der Bohrung kann die thermale Quelle verfehlt werden, die Temperatur der Quelle kann geringer sein, als erwartet, oder die nutzbare Wärmemenge ist zu gering. Da zwischenzeitlich zu nahezu allen interessanten Regionen umfangreiche Untersuchungen vorgenommen wurden, gehen Fachleute jedoch von einschätzbaren Faktoren aus. Dies wird durch positive Erfahrungen untermauert. „Die Wahrscheinlichkeit, im bayerischen Molassebecken fündig zu werden, ist nach dem Erfolg in Unterhaching sehr groß. Dennoch werden wir ein Versicherungspaket abschließen, das auch dieses Risiko absichert", meint Yvo Junkers, Vorstandsmitglied der DCM AG, die einen Geothermiefonds in der Entwicklung hat.
Umsetzung. Sind die genannten Eckparameter gegeben, kann eine wirtschaftliche Nutzung in größerem Umfang erfolgen. Dabei sollte der Standort über Gutachten (zu Volumen und Temperatur) abgesichert sein. Ein vollständiges Paket mit Service-, Wartungs- und Instandhaltungsverträge sollte abgeschlossen sein. Auch sollte ein ausreichender Versicherungsschutz bestehen. Erst mit Vorliegen dieser Voraussetzungen kann ein seriöser Anbieter einen Publikumsfonds emittieren. Der wesentliche Vorteil ist dabei die Tatsache, dass das Erneuerbare Energien Gesetz eine Einspeisung zu festgelegten Preisen für 20 Jahre vorschreibt, der Investor also mit langjährig planbaren Einnahmen rechnen kann.
Bislang mageres Angebot. Doch das Thema „Geothermie“ findet derzeit im Kapitalanlagemarkt nicht wirklich statt. Vielleicht etwas voreilig kündigte beispielsweise der Münchner Fondsinitiator Equity Pictures einen Fonds dieser Art an. „Einen Geothermiefonds haben wir nicht im Angebot“, war die kurze Antwort, die FINANZWELT auf seine Anfrage zum Verbleib dieses Fonds erhielt. Derzeit beschäftigen sich die Emissionshäuser DCM und Sachsenfonds mit den Chancen der Energiegewinnung aus heißem Wasser, Sachsenfonds soll hierzu bereits Bergrechte erworben haben. Doch einen Fonds haben beide Häuser, die ansonsten sicher nicht an fehlender Kreativität für neue Produkte leiden, für dieses Jahr nicht mehr angekündigt. DCM will den ersten Geothermiefonds im ersten Halbjahr 2007 auf den Markt bringen.
Auch die „klassischen“ Anbieter von erneuerbare Energien Fonds teilten auf die Umfrage mit, einen Geothermiefonds habe man derzeit nicht in der Planung. Der Trend geht zu Biogas, Biodiesel und Biomasse. „Wir stehen bis heute auf dem Standpunkt, dass eine Finanzierung einer Geothermiebohrung trotz aller seismologischen Bewertungen noch sehr viele technische Unwägbarkeiten aufweist und dadurch eine Finanzierung über einen Fonds – mit der Ausnahme von Venture Capital – heute noch nicht angeraten ist. Sollten wir zu anderen Erkenntnissen kommen, werden wir sie umgehend informieren“, fasst dies Holger Gully, bei der Chorus zuständig für erneuerbare Energien zusammen und bringt damit einen wichtigen Punkt ins Gespräch. Fakt ist, bevor die ersten Fonds angeboten werden können, gibt es noch einige Herausforderungen. Diese lassen sich jedoch lösen. So will sich auch DCM-Vorstand Yvo Junkers verstanden wissen, dem das Thema erkennbar am Herzen liegt: „Geothermie bietet sich als hochattraktive Energiealternative für Deutschland an. Die Fündigkeitsrisiken lassen sich abfedern und die Rückflüsse aus dieser umweltverträglichen Energie sind aufgrund des EEG auf 20 Jahre fest kalkulierbar.“
(Michael Oehme)







