Rohstoffaktien
Die Angst auf dickem Eis
© Foto: outdoorsman - Fotolia.comDer Rohstoffmarkt hat sich kräftig weiterentwickelt, auch die von uns im Frühjahr vor diesem Hintergrund besprochenen Aktienfonds haben weiter zugelegt. Und dennoch scheint unter dem großen Optimismus des Rohstoffbooms eine leise Furcht zu stecken.
Ein Blick auf den Chart zeigt, die Rohstoffe haben insgesamt weiter zugelegt. Nicht nur, dass das Gold laufend neue Höchststände erreicht und auch das Öl sich von seinem Absturz unter 40 Dollar/barrel erholt hat und mittlerweile über 80 $/b notiert – der Markt insgesamt macht den Anlegern weiter Freude, auch wenn so langsam ein Plateau erreicht ist und die Steigerungen des Gesamtindex flacher werden. Immerhin ist gut erkennbar, dass auch Agrarrohstoffe und Lebensmittel mitgezogen haben, wenn auch nicht so stark wie etwa die Metalle. Unterm Strich sind daher die von uns im Mai/Juni besprochenen und herausgestellten Investmentfonds mit dem Schwerpunkt Lebensmittel und Konsum in den Emerging Markets ordentlich gelaufen, Sie haben seit Anfang Juni um 22 % bzw. 35 % zugelegt, was bei den hier engagierten Anlegern für Zufriedenheit sorgen sollte.
Die Entwicklung der Rohstoffpreise wurde von mehreren sich gegenseitig verstärkenden Faktoren getrieben: Zunächst war da die Nachfrage der Finanzinvestoren, die vor allem eine Absicherung gegen den schwachen Dollar suchten, was traditionell über Rohstoffinvestments geschieht. Hinzu kamen zwei Sonderfaktoren: Die chinesische Regierung begann eine strategische Rohstoffreserve anzulegen, eine Idee hinter der offenbar auch das Misstrauen gegenüber dem Dollar steht und zur Strategie „Sachwerte“ führt. In jedem Fall kam eine kräftige Nachfragewelle auf die Metallmärkte zu, die die Preise antrieb. Gleichzeitig begann die Spekulation auf eine Erholung der globalen Konjunktur, die natürlich auch zu steigender Nachfrage nach Inputs über das ganze Rohstoffspektrum führen müsste.
Soweit, so einfach. Allerdings zeigt die Spreizung zwischen Agrarprodukten und den stärker von den Finanzmarktinstrumenten erfassten Metallen, dass die Finanzinvestoren seit dem Sommer ein Eigenleben führen. Offenbar ziehen die Verhältnisse zwischen Produzenten und Verbrauchern der Rohstoffe in eine andere Richtung als die Liquiditätswelle aus den neu aufgelegten ETFs und Zertifikaten mit Rohstoffbasis. Noch deutlicher wird der teilweise schon paradoxe Einfluss der Finanzinvestoren beim Gold: Wenn die Grundidee „Investieren in Rohstoffe heißt: Investieren in den Aufschwung“ richtig ist, passt die Hausse des traditionell als Rückversicherung gegen Krisen fungierenden Metalls nicht mehr so richtig in die Landschaft. Und wer jetzt noch bei Preisen über 1.000 $/Unze kauft, kann eigentlich nicht an einen Aufschwung in den nächsten zwei bis drei Jahren glauben. Denn es wird damit eine sehr teure Versicherung ins Depot genommen. Hier scheint der Schock der Krise noch heftig nachzuwirken, die Furcht einzubrechen kann auch durch dickes Eis nicht genommen werden.
Ausgenommen aus diesem Bild bleiben lediglich die Notenbanken jener Emerging Markets, die ihre hohen Überschüsse aus der Leistungsbilanz in den Währungsreserven bunkern und dabei nicht mehr auf US-Dollar zurückgreifen wollen. Namentlich China, Russland und Indien haben in den letzten Monaten große Käufe (jeweils von 200 Tonnen aufwärts) entweder schon durchgezogen oder angekündigt. Diese Käufe haben den Markt mit einiger Sicherheit zwar auch beeinflusst, haben aber eher einen politischen Hintergrund.
Unterm Strich bleibt damit eine Konstellation, die etwa das Team bei Carmignac Gestion als durchaus positiv bewertet und eine offensive Positionierung rechtfertigt: Die Emerging Markets zeigen weiterhin ein robustes Wachstum, während Industrieländer noch stärker am Tropf der stützenden Politik hängen. Konsequenz: Die Ausrichtung auf die Themen „Verbesserung des Lebensstandards in den Schwellenländern und die damit einhergehende Knappheit der Rohstoffe“ ist bestätigt worden und bleibt auch weiterhin bestehen. Die konkrete Umsetzung läuft damit auf Werte hinaus, die dem Anlageschwerpunkt der bereits oben gezeigten Fonds entsprechen.
Grundsätzlich dürften Aktienfonds mit Anlageschwerpunkten bei den Produzenten der Rohstoffe in der Zukunft günstiger sein als die direkte Investition in physische Stoffe, da mittlerweile mehr für ein Verharren der Preise auf dem aktuell hohen Niveau als für weitere kräftige Steigerungen spricht. Hohe Preise ergeben hohe Margen und damit wohl auch wieder positive Überraschungen bei den Unternehmen, die im nächsten Jahr gute Aussichten haben, die wachsenden ordentlichen Erträge in kräftig anziehende Dividendenrenditen umzumünzen. Zumal im nächsten Jahr ein statistischer Basiseffekt für die Rohstofforientierung spricht: In den nächsten Quartalen fallen die Rekordpreise des letzten Herbstes als Bezugspunkt des Vorjahresvergleichs weg, stattdessen werden die deutlich niedrigeren Werte nach dem Einbruch als Basis dienen und damit Raum schaffen für optisch günstigere Zahlen. Auch das dürfte die Rohstoffaktien unterstützen.
Unterm Strich ergeben sich damit Vorteile für die oben bereits dargestellten Fonds, die weiterhin gute Zuwächse verzeichnen dürften. Ähnliches gilt für die Aktienfonds, die sich auf die klassischen Produzenten in den Bereichen Bergbau und Metall konzentrieren wie der BlackRock World Mining Fund (LU0326424115) oder in die Ölförderung und -verarbeitung investieren wie der BlackRock World Energy (LU0326422176). Bei diesen Fonds dürfte das Abwärtsrisiko etwas größer sein, weil sie das entscheidende Umsatzvolumen in den Industriestaaten erzielen, deren Konjunktur weniger stabil erscheint als in den Emerging Markets. Sie sollten aber auf jeden Fall klar von den großen Margen profitieren können, die sich aus den relativ starken Preisen ergeben.
(Martin Klingsporn)







