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Nur eine Kaffeesatzleserei?

Die EDV-gestützte Portfoliooptimierung

Ist die Bemühung um eine Antizipation zukünftiger Entwicklungen von Varianzen, Korrelationen und Renditen sinnvoll oder können die entsprechenden Bestrebungen einiger Softwareentwickler schlicht als Kaffeesatzleserei abgetan werden?

Bereits seit langem kommen bei der EDV-gestützten Portfoliooptimierung Softwarelösungen zum Einsatz, die i.d.R. exakte Berechnungen auf der Basis von Vergangenheitsdaten ermöglichen. Vorbehaltlich einer Zugriffsmöglichkeit auf einen umfänglichen und fehlerfreien Datenbestand, liefern diese Berechnungen exakte Empfehlungen, wie die Risiko-Rendite-Struktur bestehender Fondsdepots zu optimieren ist. In Anlehnung an die Portfolio-Selection-Theorie nach Prof. Markowitz soll nach einer etwaigen Umstrukturierung der bestehenden Werte im Ergebnis ein effizientes Portfolio entstehen. Dabei ist zu erwähnen, dass sich viele der in der Anwendung befindlichen Berechnungsmethoden dabei einzig auf eine ex post Betrachtung stützen. Kritiker bezweifeln, dass hieraus tatsächlich Erwartungswerte abzuleiten und in Folge dessen Empfehlungen auf die Zukunft auszusprechen sind.

> Prognosen sind schon eine schwierige Sache

Dem gegenüber stehen jene softwaregestützten Optimierungsempfehlungen, die sich nicht nur mit einer Rückspiegelbetrachtung zufrieden geben möchten. Nun wäre es ein einfaches, solche Bestrebungen als Kaffeesatzleserei abzutun. So könnte in diesem Fall doch schnell das Argument bemüht werden, dass zufallsbedingte Entwicklungen am realen Kapitalmarkt eben nicht vorhersehbar sind. Oder sagen wir es mit den Worten des verstorbenen Schauspielers Sir Peter Ustinov: “Prognosen sind schon eine schwierige Sache. Besonders dann, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.“
Natürlich ist es legitim und im hohen Maße verantwortungsbewusst, sich als kompetenter Investmentberater kritisch mit jenen Softwareangeboten auseinander zu setzen, welche sich zwangsläufig auch mit stochastischen finanzmathematischen Problemen befassen. Doch kritische Auseinandersetzung bedeutet nicht, die ernsthaften Versuche bei der Portfoliooptimierung zu nachhaltigeren Ergebnissen zu gelangen, als Kaffeesatzleserei oder gar als Hokuspokus abzutun.

Zum einen gelten Varianzen und Korrelationen als relativ zeitstabil und mithin als gut aus der Vergangenheit in die Zukunft prognostizierbar, zum anderen finden sich bspw. auch im Bereich der Ingenieurwissenschaften eine Vielzahl von Anwendungsbeispielen für den Umgang mit stochastischen mathematischen Problemen. So stellt sich bspw. beim Bau einer Brücke die Frage, wie sich ein unvorhersehbares Zusammenspiel bestimmter Umwelteinflüsse auf die zu errichtende Konstruktion auswirken kann. Und auch hier handelt es sich letztlich nicht um eine rein deterministische Problemstellung, die bei exakter Berechnung ein eindeutiges Ergebnis mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 100 % liefern kann. Vielmehr wird es auch hier ein Restrisiko geben, das z.B. durch Schätz- und/oder Simulationsverfahren auf ein Minimum reduziert werden soll.

> Schätzung und Simulation

Die im Markt derzeit wohl am häufigsten vorzufindenden Softwarelösungen versuchen sich der Problematik von nicht vorhersehbaren Entwicklungen ebenfalls mit unterschiedlichen mathematischen Ansätzen zu nähern. Gleichen sie sich noch in der Form, dass sie grundsätzlich auf die Erkenntnisse der modernen Portfoliotheorie aufsetzen, liegt der deutlichste Unterschied wohl darin, dass die zukünftige Entwicklung des Gesamtportfolios im Hinblick auf Varianz, Korrelation und Rendite in einem Fall durch Schätzung und im anderen Fall durch Simulation antizipiert werden soll.
An dieser Stelle soll nicht das Für und Wider dieser unterschiedlichen Ansätze thematisiert werden. Denn unabhängig von der individuell bevorzugten Lösung vertreten wir in unserer Beratungspraxis den Standpunkt, dass die weitergehenden Softwarelösungen zur Portfoliooptimierung für den qualifizierten Investmentberater in jedem Fall eine wichtige Ergänzung im Entscheidungsprozess zur bedarfsgerechten Allokation bestehender und zukünftiger Investment-Portfolios darstellen. Hingegen bieten sich bei inkompetenter Umsetzung der EDV-gestützten Empfehlungen für den Anleger und unter Berücksichtigung der Beraterhaftung gleichermaßen auch für den Berater große Gefahren.
Da sich aus der fehlerhaften Interpretation der Analyseergebnisse völlig falsche Prämissen für die Portfoliostrukturierung ergeben könnten, wäre es bspw. möglich, dass trotz einer vermeintlich durchgeführten Depotoptimierung unerwünscht hohe Verlustrisiken innerhalb des Portfolios verbleiben oder diese Risiken gar noch maximiert werden. Nach einer EDV-gestützten Portfoliooptimierung werden Depots oft um Wertpapiere reduziert, die wegen ihrer historischen Risiko-/Renditekennzahlen keinen Beitrag zur Renditeerhöhung bzw. Risikominimierung beigetragen haben. Dies führt nicht selten dazu, dass Depots bei Verkauf dieser Papiere zu sehr von wenigen Titeln dominiert werden, was wiederum häufig gegen eine sinnvolle Diversifikation spricht. Des Weiteren geht die Theorie der Portfoliooptimierung i.d.R. von rationalen Märkten aus, in denen die Kurse von Wertpapieren als fair bewertet werden. Gerade in der jüngeren Vergangenheit wurden die Kursentwicklungen aber auch durch massive Übertreibungen in die eine wie in die andere Richtung geprägt.

Fazit

Oft werden Angebote zur Depotoptimierung nur als reines Marketinginstrument eingesetzt. Ohne im intensiven, bestenfalls persönlichen Dialog mit dem Anleger zu stehen, werden Fragebögen und Empfehlungen auf dem Postweg hin und her geschickt, ohne dass der gesamte Vorgang von Beginn an fachlich kompetent begleitet wird. Um hingegen konkrete und korrekte Rückschlüsse auf das Anlegerverhalten und die Anlageziele des Depotinhabers ziehen zu können, ist eine intensive Vorarbeit und eine exakte Depotanalyse zwingend notwendig. Das Ausfüllen eines Fragebogens, welcher sehr wohl den Anforderungen des WpHG standhalten kann, reicht da bei Weitem nicht aus und dient allenfalls der rechtlichen Absicherung des „Beraters“. Einen mandantenorientierten und fachlich versierten Einsatz der verschiedenen Angebote voraussetzend, bietet eine EDV-gestützte Portfoliooptimierung eine sehr gute Hilfestellung in der Risiko- und Renditesteuerung der geplanten bzw. in der Neuordnung einer bereits getätigten Investition. Die EDV ist dabei aber eben nur ein Hilfs- und niemals das Allheilmittel.

(Thomas Kux)


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