Anlegerkapital flüchtet ins Ausland
Die Entwicklung der steuerlichen Rahmenbdingungen führt zunehmend zur Investitionsflucht ins Ausland
Die Finanzverwaltung lässt mittels immer neuer Vorschriften und Stellungnahmen nichts unversucht, Anlaufverluste bei geschlossenen Fonds soweit wie möglich zu minimieren. Der kurz vor der Verabschiedung stehende fünfte Bauherrenerlass bzw. seine „Vorboten” sollen den endgültigen Sieg der Finanzverwaltung über die sogenannte Steuersparbranche zementieren. Hierdurch können sich anfängliche negative steuerliche Ergebnisse schnell um 15 bis 20 % vermindern. Eine weitere bewusst geschaffene Verunsicherung ist die Abschreibung nach dem sogenannten Betriebskonzept. So soll es für Fondsgesellschaften künftig keine verbindlichen Abschreibungsdauern für die Wirtschaftsgüter mehr geben, diese sollen künftig individuell nach dem jeweiligen Betriebskonzept gestaltet werden. Auch diese Regelung trifft nur Publikumsfonds und führt im Ergebnis zur Ungleichbehandlung gegenüber anderen Investoren.
Wie werden sich die geplanten steuerlichen Änderungen auf den Schifffahrtsstandort Deutschland auswirken? Immerhin ist es in den letzten 25 Jahren gelungen eine Containerschiffsflotte aufzubauen, die weltweit die Nr.1 ist. Durch die überwiegende Finanzierung von Schiffsneubauten konnten die deutschen Reeder eine junge und moderne Handelsflotte aufbauen, die den neuesten technischen Standards genügt und damit auch die Sicherheit für Mensch und Umwelt erheblich verbessert hat. Durch den Wegfall bestimmter steuerlicher Regelungen, die den branchenfremden Investoren einen Risikoausgleich boten, würde ein Fortschreiten dieser Flottenerneuerung erheblich erschwert. Künftig werden wahrscheinlich nur die sehr großen Reedereien in der Lage sein, entsprechende Investitionen auch in die erforderlichen Sicherheitsstandards, wie z.B. ISM (International Safety Management) darzustellen.Für mittelständische Reedereien mit kleinen Flotten von unter 30 Schiffen stehen diese Kosten in keinem gesunden Verhältnis mehr zur erzielbaren Rendite. Vergessen wird offenbar auch, dass in den Reedereien und im maritimen Umfeld innerhalb Deutschlands, eine Vielzahl von Arbeitsplätzen geschaffen wurde, die dann zur Disposition stehen dürften. Zur Förderung, insbesondere der Reedereibetriebe, wurde schließlich vor nicht langer Zeit durch den Gesetzgeber die sogenannte „Tonnagesteuer“ beschlossen. Dieses Besteuerungssystem, dass von der Europäischen Union empfohlen wurde, sollte die deutschen Reeder fit für den internationalen maritimen Wettbewerb machen. Die Kombination aus der Geltendmachung steuerlicher Anlaufverluste, gekoppelt mit der Tonnagesteuer stellt einen optimalen Chancen- /Risiko-Mix, auch für branchenfremde Investoren, dar. Fällt die Abzugsmöglichkeit der Anlaufverluste weg, bleibt nur die Alternative, in besonders renditestarke Bereiche zu investieren. Die Anzahl solcher Investments ist jedoch begrenzt.
Die Möglichkeit, Investitionsobjekte zu finden, die noch unter die Übergangsregelung fallen, bietet sich voraussichtlich nur noch bis zum Jahresende. Derzeit ist im Schifffahrtsbereich insbesondere ein Investment in Nischenbereiche zu empfehlen. Die Containerschifffahrt hat die Talsohle zwar offensichtlich durchschritten, die Charterraten befinden sich aktuell jedoch noch auf niedrigem Niveau. Das Umfeld für Investitionen im Bereich neuer Produkten/Chemikalientanker und in Mulitpurpose-Schiffe befindet sich in einer besseren Verfassung. Durch Überalterung der bestehenden Flotten in diesen Segmenten und die gestiegenen technischen Anforderungen besteht hier ein erheblicher Bedarf an neuen Schiffen. Die internationalen Sicherheitsstandards führen dazu, dass ein Großteil der bestehenden Produkte/ Chemikalientanker-Flotte in den nächsten Jahren außer Dienst gestellt werden muss, neue und sichere Schiffe mit den neuesten Sicherheitsstandards sind gefragt. Im Bereich der Multipurpose-Schiffe findet man einen Markt, der abgekoppelt von den Containerschiffsmärkten, insbesondere auf den Transport von Projektladungen und Industrieanlagen basiert. Durch die in diesem Segment ebenfalls vorherrschende Überalterung der bestehenden Flotte, ist auch hier mit einem künftig guten und stabilen Charterratenniveau zu rechnen.
(Tobias König)







