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Alles Absolute oder Total oder was?

Die Fondsindustrie erarbeitet neue Konzepte

Mit neuen Fondskonzepten wie „Absolute Return“- oder „Total Return“-Fonds wurde den Anlegern der „absolute Ertrag“ versprochen. Doch das gelang den wenigsten.
Nach den Verlusten der vergangenen Jahre reichte es vielen Anlegern nicht mehr, wenn ihnen ihr Anlageberater erklärte, dass sich ihr Fonds zwar besser entwickelt hätte als dessen Benchmark, er aber dennoch mit 20 Prozent im Minus lag. Das erkannte auch die Fondsindustrie und erarbeitete rasch neue Konzepte, die Abhilfe schaffen sollten. Konzepte, die dem Anleger mehr versprechen mussten, als...

... nur besser zu sein als die Benchmark. Es sollte schon ein „absoluter Ertrag“ werden. Und dies sollten die Absolute- oder Total Return-Fonds schaffen. Fonds, die mit Slogans warben wie „Ausgewählte Ideen für maximale Ertragschancen“, „Dauerhaft gut aufgehoben“, „Sicherer Hafen in turbulenten Börsenzeiten“ oder „Absolut positive Erträge mit Sicherheitshedging“. Fonds, die in jeder Marktlage eine absolut positive Rendite erwirtschaften sollten, egal was passiert.
Inwieweit diese Fonds ihre hoch gesteckten Ziele erreicht haben, beantwortet die Studie „ifa Fondsanalyse 2004“, die im Folgenden in Teilen vorgestellt wird. Mit teilweise ernüchternden Ergebnissen, vor allem was den versprochenen „absoluten Ertrag“ angeht.

Zuallererst ist es gar nicht so einfach die verschiedenen Konzepte eindeutig zu definieren, denn die meisten Fondsgesellschaften verwenden beide Begriffe nahezu synonym. Andere sehen in „Absolute Return“ fast eine Steigerung von „Total Return“. So definiert eine große deutsche KAG auf ihrer Homepage, dass es im Gegensatz zu „Absolute Return“-Fonds „... bei einem Fonds, der nach dem Total-Return-Ansatz gemanagt wird, mitunter auch Jahre mit einer negativen Wertentwicklung geben kann.“ Eine andere Kapitalanlagegesellschaft verbindet mit „Absolute Return“ das Ziel „... eine negative Wertentwicklung auch in einem extrem ungünstigen Marktumfeld zu vermeiden.“ Generell kann man jedoch sagen, dass unter „Total Return“ und „Absolute Return“ ganz allgemein Investmentphilosophien verstanden werden, die sich nicht darauf beschränken, einen Vergleichsindex zu schlagen, sondern auch Gewinne anstreben oder zumindest Verluste minimieren, wenn die Märkte schlecht laufen. „Total Return“ und „Absolute Return“ bedeutet hiernach die Abkehr vor einem relativ orientierten Benchmark-Konzept und die primäre Ausrichtung auf Ertrag. Realisiert werden soll dies durch Kursgewinne von Wertpapieren als auch durch sichere Zinserträge, zum Beispiel aus festverzinslichen Anleihen. So kommuniziert der Dit als Anlageziel seines dit-Euro Total Return im Verkaufsprospekt das „Erzielen einer überdurchschnittlichen Rendite im Vergleich zu klassischen Rentenanlagen“. Bei der Deka heißt es beim Deka-Euro Renten AbsoluteReturn die „Vermeidung einer negativen Wertentwicklung auf Sicht eines Kalenderjahres“ und beim UniEuroRenta Selcted Ideas das „Nutzen sämtlicher Ertragsquellen wie Zinsen-, Kurs- und Währungsgewinne“. Versprochen wird dem Anleger dabei viel. So prognostiziert der dit-Absolute Return Allocation Plus eine Rendite von fünf Prozent über dem Geldmarktzins; der Absolute Return SA bei einer Volatilität von maximal fünf Prozent einen Wertzuwachs von acht bis zehn Prozent; und der Lupus alpha Structure Invest, bei einem maximalen Verlustrisiko von 2,5 Prozent pro Kalenderjahr, eine Rendite von acht bis zwölf Prozent.

Fasst man die Anlageziele der mittlerweile 114 in Deutschland angebotenen Produkte zusammen, lassen sich im Wesentlichen drei Konzepte (siehe Tabelle auf Seite 20) unterscheiden. Die erste Definition von „Total Return“ und „Absolute Return“ bezieht sich dabei auf das Management von Rentenfonds. Hier diente Bill Gross, der Fondsmanager des US-amerikanischen „PIMCO Total Return Fund“ als Vorbild, der für seinen Fonds den so genannten „Total Return“- Ansatz konzipierte. Dieser besagt, dass neben Zinserträgen auch Kursgewinne aus volatileren Märkten anzustreben sind. Das können beispielsweise Unternehmensanleihen aus Schwellenländern sein.

Andere Fondsgesellschaften verstehen unter „Total Return“ und „Absolute Return“ traditionelle Mischfondskonzepte mit einer variablen Asset-Allocation, das heißt unterschiedlich hohen Aktien-, Renten- und Geldmarktquoten. Dieses Konzept entspricht im Wesentlichen einer aktiven Vermögensverwaltung, die hier unter neuem Namen zu neuem Glanz kommen soll.

Es gibt zudem Anbieter, die verstehen unter „Total Return“- bzw. „Absolute Return“-Absicherungskonzepte, bei denen der Fondsmanager, wie etwa bei einem Garantiefonds, das Risiko kontinuierlich aus seinem Fonds herausnimmt,um eine konstante Performance zu erzielen. Und es gibt Dachfondskonzepte auf der Basis von „Total Return“ und „Absolute Return“. Diese orientieren sich entweder an einer variablen Asset Allocation oder der Fondsmanager kauft ausschließlich Einzelfonds, die nach dem „Total Return“ bzw. „Absolute Return“ System gemanagt werden. Summa summarum handelt es sich faktisch also um traditionelle, aktiv gemanagte Renten-, Aktien- Misch-, Garantie- und auch Dachfonds, bei denen dem Anleger eine garantierte Verlustfreiheit suggeriert wird, die allerdings in den seltensten Fällen tatsächlich garantiert wird. Und die Nomenklaturgebung geht derweil fleißig weiter. So gibt es mittlerweile sechs Fonds, die unter dem Etikett „Real Return“-Fonds in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Unbestätigten Gerüchten zufolge seien zudem „Super Return“ Fonds geplant. Ungeklärte Fragen wie: Wie definiert man „echten Ertrag“; gibt es auch „unechten Ertrag“; und was ist eigentlich ein „super Ertrag“, müssten dann sicherlich noch in weiteren Analysen geklärt werden.

Die spannendste Frage ist jedoch noch ungeklärt. Wieviel absoluten Ertrag haben die „Total Return“- und „Absolute Return“-Fonds denn nun vergangenes Jahr erwirtschaftet? Fonds, die im Mittel 4,2 Prozent (max. 6,25 Prozent) Ausgabeaufschlag und 1,34 Prozent (max. 2,65 Prozent) Managementgebühr verlangen. Man könnte meinen ziemlich viel, denn 43 Prozent der angebotenen Fonds verlangen eine Erfolgsgebühr. Das ist im Vergleich zu den neun Prozent des Gesamtmarktes ein beachtlich hoher Anteil. Aber nein. Die Ergebnisse waren ziemlich ernüchternd. So konnten lediglich die Rentenfonds- Konzepte (siehe Grafik) mit einem durchschnittlichen Wertzuwachs von 3,8 Prozent vergangenes Jahr einen Ertrag erwirtschaften. Misch-, Aktienund Dachfonds erlitten im Mittel dagegen einen Verlust.

Ziemlich ernüchternd waren die Verluste der schlechtesten Fonds in ihren Kategorien. Der schlechteste Mischfonds büßte vergangenes Jahr über 38,12 Prozent an Wert ein. Eigentlich eine Katastrophe für einen Mischfonds, der sich das Etikett „Total Return“ bzw. „Absolute Return“ auf die Fahnen schreibt. Nicht viel besser – mit einem Minus von knapp 20 Prozent – der schlechteste Aktienfonds. Bei diesen Fonds hätte man besser die Risikohinweise beachten sollen, die trotz suggerierter Verlustfreiheit offen kommuniziert werden. Risikohinweise wie „Kurseinbrüche am Aktien- und Rentenmarkt können sich auf die Fondsperformance negativ auswirken“ oder „Bei einem trendlosen Rentenmarkt mit hoher Volatilität besteht die Gefahr, auf Jahressicht keinen Wertzuwachs zu erreichen.“ Alles in allem lag die durchschnittlichen Wertentwicklung aller untersuchten Fonds mit 0,65 Prozent knapp im Plus. Und das ist leider, bei einer angenommenen Inflationsrate von einem Prozent, kein absoluter Ertrag, sondern ein absoluter Verlust.

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