„Was bollert denn da?“
Die leicht pointierte Beschäftigung mit dem lautesten Medienfondsinitiator Deutschlands
Wer seine Brötchen mit dem Produzieren von Horror-Filmen verdient, scheint zunächst wenig geeignet, den Moralapostel der deutschen Medienfonds spielen zu können. Weit gefehlt, denn Dr. Uwe Boll schaffte es in den letzten zwei Jahren immer wieder, sich als einziger deutscher Filmproduzent darstellen zu dürfen und ließ (nahezu) kein Argument ungenutzt, die Mitbewerber schlecht zu machen. Dabei spielt er geschickt die Karte des enfant terrible der Branche aus (Original-Zitat aus Welt am Sonntag: „Die hassen mich, das törnt mich an“). Grund genug, sich mit dem bisherigen Wirken von Dr. Uwe Boll zu beschäftigen.
“Boll macht es anders als andere Fonds” ...
... nicht alles an diesem Zitat aus einem Boll-Werbeschreiben trifft genau zu, wie man es als Anleger gerne hätte. Denn schon aus der Analyse von Prospekten, Verlautbarungen und in öffentlich zugänglichen Informationen zeichnet sich ein durchaus gemischtes Bild des lautesten (umgangssprachlich heißt es ja auch „bollernden“) Fondsinitiators ab. Aber was macht Boll anders als andere Initiatoren und sitzt er nicht ggf. im sprichwörtlichen Glashaus, aus dem man keine Steine werfen sollte?
Klarstellung
Betreffend unseres Zitates „denn bei seinen ersten Projekten konnte Boll seine Zulieferer schlicht und ergreifend nicht bezahlen.“ stellen wir klar, dass wir dieses Zitat Rechtsanwalt Kämpf in den Mund gelegt haben, obwohl diese Aussage nicht von ihm getätigt wurde. Dies bedauern wir.
Michael Oehme
Chefredakteur
„Garantien sind nutzlos“
In der Öffentlichkeit und in allen Rundschreiben wetterte Dr. Uwe Boll gerne gegen Garantien an, die seiner Meinung nach nutzlos sind, da sie ja im Ernstfalle nie gezahlt werden würden oder sogar (siehe letzten Beitrag aus EURO) Steuerprobleme nach sich ziehen könnten. Doch auch Boll wirbt in seinen Prospekten mit Garantien (siehe Abbildungen), so weisen die 3. und 4. Boll KG in ihren Prospekten auf Garantien in genau spezifizierter Höhe hin, die 5. Boll KG unterlässt allerdings die Nennung von Höhe und Zeitpunkt der Fälligkeit. Boll nutzt also ebenfalls Garantien im Vertrieb, warum feindet er sie dann bei Anderen an? Nach genauer Prüfung drängt sich der Eindruck auf, dass dies damit zusammenhängen könnte, dass die Vertriebsgarantien ggf. nicht werthaltig sind. So im Beispiel der Garantiegeber bei der 3. Boll KG – es versammeln sich dort u.a. kleine und kleinste Produzenten wie Shavick Entertainment in Kanada und Silverline Pictures. „Diese Firmen können aus ihrer eigenen Bonität heraus nie und nimmer für eine Garantie von 55 oder gar 65 % der Produktionskosten gut sein“, so ein Insider aus dem amerikanischen Filmgeschäft. Das mag auch erklären, warum diese Garantien bis heute nicht gezogen wurden, obwohl es eigentlich nötig gewesen wäre - so beispielsweise beim ersten Boll-Fonds, bei dem bis heute (hauseigene Vertriebspräsentation) bislang nur 24 Prozent ausgeschüttet wurden – hiervon 8 Prozent „steuerfrei“ (siehe unter „Lieferantenkredite“).
Ein Fonds finanziert den nächsten ...
Doch springen wir zu den aktuellen Fonds, die Dr. Uwe Boll den großen Umsatzsprung bescherten: Auch wenn im Nachhinein anders dargestellt, so war es beim Fonds 3 nie vorgesehen, eine Kinoherausbringung in den USA selbst vorzunehmen bzw. vom Folgefonds (Boll 4) finanzieren zu lassen. Eine Vorgehensweise, die in der Strategie mündete, künftig sogenannte P&A-Fonds (Boll 6) aufzulegen. Letzterer tut sich im Vertrieb jedoch schwer, seitdem der Fonds Mediastream IV aufgrund der Aberkennung der Steuervorteile „im Feuer“ steht. Denn auch wenn Boll durch seine Gespräche mit dem Betriebsstätten-Finanzamt Köln etwas anderes vermittelt und das Ergebnis einer Vorprüfung im Internet veröffentlicht, wollen die Vertreter der Länder einheitlich die Aktivierung der Vermarktungskosten über die Laufzeit des Films (oder des Fonds). Bayerische Willenserklärungen konnte Fondsinitiator Ideenkapital bei seinem Fonds Mediastream IV nämlich auch vorhalten, was ihm nicht viel nutzte. Unter dem Strich bleibt in Anlehnung an das Sprichwort festzuhalten: „Wer schreit, dem glaubt man nicht“. Das gilt auch fürs Bollern.
(Wolfgang Dreier und Michael Oehme)







