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Neuer Schwung durch Binnenkonjunktur

Die Schwellenländer sind weiter attraktiv

Die Statistik des Branchenverbandes BVI zur Wertentwicklung der erfassten Fonds zeigt einmal mehr die Attraktivität von Schwellenländern als Ziel von Investments. Die entsprechenden Aktienfonds bieten wiederum eine im Vergleich zu den anderen Kategorien gute Performance.

Ein Investment in Osteuropa, Asien oder Lateinamerika war in der Regel zumindest nicht schlechter als die Anlage hierzulande. Der im Februar aus China kommende Schock ist sehr schnell überwunden worden, die Kurse erholten sich im März bereits wieder um 15 %, was etwa die DeutscheBank-Tochter DWS in ihrer Analyse hervorhebt. Und so setzen viele professionelle Anleger auf gute Chancen jenseits der etablierten Börsen Eurolands und Nordamerikas. So sehen etwa die Volkswirte von BlackRock (das neue Label der bisher unter dem bekannteren Namen Merrill Lynch geführten Fonds) Chancen vor allem in Osteuropa. In Russland wie auch weiteren GUS-Staaten sind die für Rohstoffe im Allgemeinen und speziell Energieträger wie Gas und Öl guten Preise eine wirksame Stütze des positiven Trends, hält die DWS fest. Hinzu kommt nach Auffassung von BlackRock wie auch Fidelity ein zusätzlicher Effekt: Die Exportabhängigkeit nimmt ab, weil dank zulegender Binnennachfrage aus dem exportgestützten ein selbsttragender Aufschwung wird. Ein vergleichbarer binnenwirtschaftlicher Antrieb wird auch in einigen Staaten Lateinamerikas mittlerweile sichtbar: Hier tragen die politischen Reformen und die damit einhergehende verstärkte Orientierung der Wirtschaftspolitik an Stabilitätszielen Früchte. Diese auf marktwirtschaftlichen Prinzipien aufbauende Politik wurde mit einer innenpolitischen Befriedung flankiert, mit der die starken sozialen und politischen Spannungen aufgefangen und mit weniger Gewalt verarbeitet werden. Die Zeit der Militärdiktaturen und ihrer Gegner in starken terroristischen Bewegungen scheint zu Ende zu sein. Diese Normalisierung begünstigte die Entwicklung einer Art von Mittelstand, der sich nicht nur unternehmerisch, sondern zunehmend auch durch seine Konsumnachfrage bemerkbar macht. Solche Vorgänge waren namentlich in Chile, Mexiko und Brasilien zu beobachten und bestätigten die Ansicht, dass eine erfolgreiche Anlagestrategie in den Emerging Markets
auch immer auf einer zutreffenden Einschätzung der politischen Entwicklungen beruht.

Nicht zuletzt der Fall Türkei unterstreicht dies: Die Auseinandersetzungen um die Wahl des neuen Präsidenten und die im Hintergrund stehende Frage der EU-Mitgliedschaft schlagen derzeit heftig auf die türkischen Finanzmärkte durch. Gewinne und Verluste von 30 oder 40 % für den marktführenden Index Istanbul ISE 100 innerhalb weniger Wochen sind die Folge und strapazieren das Nervenkostüm der Anleger. Tatsächlich sind sich die Fondsmanager aber einig, dass der fundamentale Trend der Türkei positiv bleiben wird: Wachstumsraten zwischen 6 und 9 % sprechen für sich, auch wenn die Inflation mit Größen um 10 % und ein Leitzins um 17 % für westeuropäische Betrachter ein wenig exotisch wirken. Letztere werden wohl ebenso auf das in Westeuropa gewohnte Niveau zurückgeführt werden, wie es auch zunächst in Süd- und später in Osteuropa im Zuge der Annäherung beobachtet werden konnte.

Unterm Strich bleiben breit gestreute Emerging Market Fonds interessant. Die wohl chancenreichsten regionalen Schwerpunkte ergeben sich rund ums Euroland, weil die Integration in den Euroraum verhältnismäßig schnelle und nachhaltige Erfolge bringt. Das Beispiel Irlands etwa, das innerhalb von knapp 20 Jahren vom Auswandererland zum Magneten für Köpfe und Kapital wurde, sagt mehr als jede Statistik.

Daneben präsentieren sich auch Lateinamerika und Südostasien mit guten Chancen. Insbesondere auf dem chinesischen Festland geht der Boom zunächst offenbar weiter. Allein der abgelaufene April brachte deutliche Kurssteigerungen, die den Index (Shanghai & Shenzen 300) um fast 30 % nach oben hievten. Die Researchfirma Lipper tritt in ihrem aktuellen Report denn auch auf die Euphorie-Bremse und sieht das Risiko, dass der positive Trend sich zumindest verlangsamen, wenn nicht sogar pausieren könnte. Allerdings scheint aus derzeitiger Sicht kein Auslöser für einen nachhaltigen Wechsel der Richtung in Sicht. Zudem hat die Region neben der Volksrepublik China mit Taiwan, Malaysia oder Korea weitere interessante Investment-Ziele zu bieten.

Insofern wäre eine kleine Ruhepause in der Hausse mit kurzzeitig nachgebenden Kursen geradezu wünschenswert aus Anlegersicht, weil sich dann daraus neue Chancen zum Einstieg ergeben würden. Russland und die zentralasiatischen Überbleibseln der UdSSR sollten dagegen auf Grund der politischen Risiken etwas distanzierter betrachtet werden. Nicht nur für Putins Russland gilt, dass hinter einer Fassade von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit eine Restauration
hin zu Verhältnissen wie in der UdSSR stattfindet, bei der wirtschaftliche Belange den Machtinteressen des Kreml untergeordnet werden. Diese Politik ist kontraproduktiv, eine nachhaltige Entwicklung setzt immer auch stabile politische Verhältnisse voraus, die ihrerseits nur dann entstehen, wenn Konflikte durch Ausgleich gelöst werden. Die immer deutlicher zu erkennende Strategie Putins mit einer Mischung aus Desinformation und Gewalttätigkeit schafft bestenfalls einen Anschein von Stabilität und ist letztlich doch nur ein Zeichen von Schwäche. Solange die Eigentumsrechte ausländischer Investoren wie der russischen Bürger nicht ausreichend geschützt werden, wird Russland kaum über die Rolle eines Rohstoff- Lieferanten hinauskommen. Vergleichbares gilt auch für die zentralasiatischen Republiken der Ex-Sowjetunion wie Kasachstan oder Usbekistan.

(MARTIN KLINGSPORN)


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