Schiffsfonds
Die Wogen glätten sich
Die Seeverkehrsmärkte haben offenbar das Schlimmste hinter sich. Noch beherrschen Blind Pools, die auf Niedrigpreise für Schiffe setzen oder Kapital für die Sanierung von Problemfonds, vor allem Containerschiffe, bereitstellen, die Szene. Aber es gibt auch wieder bei Tankern und vor allem Bulkern herkömmliche Schiffsfonds, die Kapital für bestellte und konkret benannte Schiffe einsammeln.
Conti platziert Bulker in nur 7 Tagen.“ Das ist eine Meldung, die es bei den Schiffsfonds seit Ausbruch der Weltfinanzkrise und dem darauf folgenden Einbruch der Frachtraten im Seeverkehr nicht mehr gegeben hat. „Und es ist eine der schnellsten Platzierungen in der 40-jährigen Firmengeschichte“, unterstreicht Conti-Geschäftsführer Josef Obermeier. Gewiss beträgt das eingesammelte Kommanditkapital nur 14 Mio. Euro, aber insgesamt wollten die Anleger 19 Mio. in das Schiff investieren. Der Fonds war um 40 % überzeichnet. Für ein Containerschiff der gleichen Größe (57.000 Tonnen) wäre ein weit höheres Eigenkapital erforderlich gewesen. Erst seit 2006 hat der Münchener Initiator seine Palette um Bulker erweitert. Nachgelegt hat Conti mit dem Schwesterschiff MS “Conti Alexandrit”, das weitgehend der im Rekordtempo platzierten Achat entspricht: Auch dieses hat eine 12-jährige Charter der südkoreanischen Großreederei STX Pan Ocean, die ein Dynamar Rating von 3 bis 4 hat. Die Skala reicht von der Bestnote 1 bis 10. „Während der 12-jährigen Erstbeschäftigung wird die Schiffshypothek komplett getilgt“, betont Michael Rathmann, Experte für Schiffsbeteiligungen und Inhaber von Mira-Anlagen.
Ebenfalls einen Supramax-Bulker (56.000 tdw) hat Nordcapital angekündigt. Es handelt sich um einen Neubau der koreanischen Werft Hyundai Mipo. „Das Schiff hat eine 5-jährige Festcharter und die Entschuldung ist innerhalb von 10 Jahren geplant“, meint Reiner Seelheim, geschäftsführender Gesellschafter der Nordcapital-Gruppe.
Kein Wunder, dass der herkömmliche Schiffsfonds derzeit ein Comeback mit Bulkern erlebt, denn der Markt für Stückgut hat bei weitem nicht so stark und nachhaltig unter der Wirtschafts- und Finanzkrise gelitten wie die Containerschifffahrt. „In der Bulkschifffahrt ist trotz enormer Ratenschwankungen von einer Krise nicht mehr die Rede“, meint Tobias König, Gründer und Chef des Emissionshauses König & Cie., das mit einem Capesize-Bulker (170.500 tdw) auf dem Markt ist, der immerhin ein Eigenkapitalvolumen von 34,4 Mio. Euro hat. Der Baltic Dry Index (BDI) hat in den letzten Wochen nach einer Erholung bis auf 4.300 Ende Mai wieder Terrain verloren.
Der Bulkermarkt profitierte in den letzten Monaten vom Konjunkturaufschwung in China, die Importe von Eisenerz und Kohle sind im ersten Vierteljahr 2010 kräftig gestiegen. Allerdings haben die Chinesen nun offenbar ihre Vorräte aufgefüllt. Außerdem ist nach der Aufwertung der chinesischen Währung eine Abkühlung des chinesischen Wachstums möglich, was zu einer schwächeren Rohstoffnachfrage führen könnte. Aber insgesamt haben sich die Rahmenbedingungen für Schiffsfonds gebessert, auch wenn die Situation weiter schwierig ist. Noch im Jahr 2009 revidierte der IWF fortlaufend die Wachstumsraten für das Bruttoinlandsprodukt und den Welthandel nach unten, so schnell, dass das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) mit seinen nach unten revidierten Prognosen für die Seeschifffahrt kaum folgen konnte. Aktuell ist der IWF dabei, seine Prognosen nach oben anzupassen. Jetzt geht der IWF von einem weltweiten realen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von rund 4,2 % im Jahr 2010 aus, gegenüber der letzten Prognose im Oktober 2009 bedeutet dies eine Anhebung um einen Prozentpunkt. Noch stärker wachsen der Welthandel und die Nachfrage nach Transportraum.
Zahlreiche fundamentale Daten signalisieren eine Wende zum Besseren für die Containerschiffe. „Das Orderbuch für Containerschiffe erreicht mit 29,2 % (gemessen in TEU) den geringsten Stand seit Februar 2005", konstatiert Florian von Nolting, Leiter des Fondsmanagements Schifffahrt von Lloyd Fonds. Insgesamt lagen Ende Juni 2010 noch 192 Containerschiffe mit 350.000 TEU auf, das sind nur noch 2,8 % der Flotte von Containerschiffen – der geringste Wert seit Dezember 2008. Auf dem Höhepunkt der Krise im Dezember 2009 waren es 580.
Gleichwohl bleibt der Markt für Containerschiffe schwierig.
Derzeit decken die Charterraten gerade die Betriebskosten. „Und erst im Jahresverlauf 2011 werden die Charterraten die Zinsen wohl abdecken, und ab 2012 können auch wieder Tilgungen und teilweise Ausschüttungen verdient werden“, meint Sönke Fanslow, Vorstand der Hansa Treuhand. Containerschiffe, einst die Favoriten der Anleger und Vermittler, sind heute fast nur in den Fortführungs- und Schnäppchenfonds zu finden. Derzeit sind drei Fonds auf dem Markt, die Fortführungskonzepte finanzieren. Als erster erschien im Sommer letzten Jahres der Fonds Paribus Ship Portfolio, der sich inzwischen an vier Schiffen beteiligt hat, die aktuell Liquiditätsprobleme haben, aber langfristig erfolgreich betrieben werden können. „Wir haben keine eigenen Schiffsfonds auf dem Markt und investieren daher ausschließlich in Produkte anderer Initiatoren“, erläutert Thomas Böcher, Geschäftsführer von Paribus Capital.
Der Bridge Fonds von Gebab ist dagegen auch ein Instrument, Schiffsfonds aus dem eigenen Hause, die in eine finanzielle Schieflage geraten sind, mit frischem Kapital auszustatten, um den aktuellen Liquiditätsengpass zu überwinden, da die Banken keine Kredite mehr geben können und wollen. „Über 20 Betriebsfortsetzungskonzepte für Einzelfonds haben wir bereits durchgeführt, bevor wir den Bridge Fonds auf den Markt brachten, der in etwa 20 bis 25 Fonds aus dem eigenen Haus und von anderen Initiatoren investieren will“, erläutert Bernhard Saß, Vertriebschef bei Gebab.
„Sanierungsfonds werden nur eine Zeiterscheinung bleiben, bis sich der Markt wieder normalisiert hat“, meint Steffen Möller, Chefanalyst Scope Analysis. Dass dies innerhalb der nächsten zwei Jahre geschieht, darauf setzen die Emissionshäuser. Hansa Treuhand, die für den Spätsommer den Fortführungsfonds „HT Schiff Invest plus“ angekündigt hatte, verzichtet nun auf das Projekt, weil sich die Chartermärkte für Containerschiffe seit Anfang des Jahres so positiv entwickelt haben. Eine Zeiterscheinung werden auch die so genannten Schnäppchenjägerfonds bleiben. Nicht als eine Zeiterscheinung sieht Hans-Jürgen Kaiser-Blum, Geschäftsführer der OPS Ocean Partners Shipping, das Geschäftskonzept seines Unternehmens. „Wir investieren antizyklisch und glauben, dass sich langfristig immer wieder günstigere Kaufgelegenheiten bieten.“ Ein erstes Investment wurde für den OPS Invest 1 vorgenommen, mit einem Preisabschlag von 50 %, ein zweites steht vor dem Abschluss. Der OPS-Geschäftsführer schätzt auch nicht die Bezeichnung Schnäppchenfonds, mit der andere Anbieter kokettieren.
(Dr. Leo Fischer)







