Kapitalanlagen
Die Zukunft des Private Equity Fonds
Seit mit einem Börsengang an den Neuen Markt nicht mehr am Fließband Millionäre produziert werden, ist auch die Begeisterung der Anleger für vorbörsliche Beteiligungen zurückgegangen. Der Blick in die aktuelle Loipfinger-Studie macht es offenbar: Um zwei Drittel ist der Publikumsmarkt für Investitionen in Private Equity und Venture Capital rückläufig gewesen. Nach dem Rekordjahr 2000 mit 664 Millionen Euro investierten Anleger im Jahre 2001 nur 233 Millionen Euro. Unabhängig davon besteht eine ungebremste qualitativ hochwertige Nachfrage nach Kapital gerade im deutschen Mittelstand. Und der Börsengang da sind sich die Fachleute einig, ist nur ein möglicher Exitweg für den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen. Im Zuge der aktuellen Marktkonsolidierung bei den Private Equity Publikumsfonds scheinen sich zwei mögliche Anlagestrategien zu etablieren. Auf der einen Seite die hochspezialisierten Anbieter von Direktbeteiligungsfonds, die lediglich in 10 bis 15 Beteiligungen eines Marktsegments investieren und entsprechendes Know How bezüglich der Bewertung der Zielunternehmen vorhalten müssen. Auf der anderen Seite die sogenannten Dachfondskonzepte, die nach vorgegebenen Allokationsrichtlinien in unterschiedlich spezialisierte Zielfonds auswählen und Know How im Fondsscreening und bei der Auswahl geeigneter Managementteams besitzen. Hauptunterschied beider Konzepte ist der Grad an Streuung und damit die Chance-Risiko Relation für den Anleger. Im letzten Jahr konnten sich vor allem sicherheitsorientierte Dachfondskonzepte ihre Umsatzerfolge behaupten oder wie die Münchener RWB AG teilweise sogar gegen den Markttrend wachsen. Doch auch stärker fokussierten Direktbeteiligungskonzepten sagen die Experten große Wachstumschancen voraus. FINANZWELT stellte daher Horst Güdel, Vorstand der RWB AG als Vertreter der reinen Dachfonds und Dr. Axel Bauer, Vorstand der Midas Venture Management AG als Vertreter eines Dachfonds mit starker zusätzlicher Gewichtung von Direktbeteiligungen, Fragen zur Zukunft des Private Equity in Deutschland.
FINANZWELT: Was sind die Gründe für die Platzierungsrückgänge bei Private Equity Publikumsfonds zum Vorjahr?Güdel: Private Equity wird allgemein noch immer mit der Finanzierung von Unternehmensgründungen bis zum Börsengang gleichgesetzt. Ist die Börseneuphorie verraucht, sinkt das breite Anlegerinteresse. Gründungsfinanzierungen sind jedoch nur ein kleiner, besonders zyklischer Teil des Private Equity Geschäfts. Wachstumsfinanzierungen für den Mittelstand, Konsolidierungsstrategien oder klassische Buyout Finanzierungen sind vom Finanzierungsumfang weit bedeutender und weisen stabile Renditen über 20% aus. Dr. Bauer: Ich kann mich der Meinung von Herrn Güdel anschließen.
FINANZWELT: Wieso konnten Ihre beiden Unternehmen ihre Marktposition ausbauen?
Güdel: Die RWB als Dachfondsinvestor ist ausschließlich auf Private Equity spezialisiert. Wir setzen auf eine langfristig ausgerichtete, antizyklische Investitionsstrategie. Die Allokationsrichtlinien der Private Capital Fonds sehen daher den Aufbau eines ausgewogenes Portfolio über alle Finanzierungsphasen und anlässe des Private Equity vor. Im Mittelpunkt stand also niemals die dreistellige Maximalrendite „durch eine schnelle Mark beim Börsengang“. Dr. Bauer: MIDAS ist in den Markt gestartet mit dem Hintergrund eines Expertenteams, das bereits seit Jahren erfolgreich unternehmerische Beteiligungen tätigt und begleitet. Wir konzentrieren uns als Mittelstandsfonds auf die Wachstumsfinanzierung von deutschen mittelständischen Unternehmen und verfügen über ein hervorragendes Netzwerk, das uns in allen Phasen des Prozesses mit ergänzendem Expertenwissen zur Seite steht. Dies ist insbesondere in der Betreuungsphase von Investitionen wichtig, da hier laut Studien von McKinsey mehr als 70 % der Wertschöpfung einer VC-Investition entsteht. Darüber hinaus ist das Produkt Mittelstandsfonds das richtige Produkt zur richtigen Zeit: Der anstehende Generationenwechsel im Mittelstand sowie die gestiegenen Eigenkapitalanforderungen durch Basel II schaffen ein enormes Investmentpotential, das es auszuschöpfen gilt.
FINANZWELT: Frühphasenfinanzierung über Venture Capital scheint nach dem Salami Crash am Neuen Markt eher „out“ zu sein, wie sehen Sie die aktuelle Situation des VC Sektors?
Dr. Bauer: Es sind zwei Aspekte der Frage zu beachten: In der Tat werden Frühphasenfinanziers nicht mehr so stark in Form von Publikumsfonds vertrieben – dies lässt sich nach dem Crash leicht nachvollziehen. Der zweite Aspekt hingegen betrifft die Frage: wie werden die frühen Phasen eines Unternehmens in Zukunft finanziert? Die Antwort lautet: Natürlich weiterhin über Venture Capital und auch weiterhin über VC-Fonds. Diese allerdings werden wohl eher von institutionellen Anlegern und Dachfonds gespeist. Grundsätzlich ist aber die Frühphasen-Unternehmensfinanzierung durch VC-Fonds auch in Zukunft sinnvoll und lukrativ.
Güdel: Auch wir sind aktuell für den VC-Sektor wieder optimistisch. Die geplanten 30% Portfolioanteil haben wir beginnend im Jahr 2001 voll investiert. Jedoch hat die RWB durch Investments i.H.v. ca. 4 Mio USD bei iGlobe und dem israelischen Veritas Fonds eine klare Übergewichtung der USA vorgenommen. Die USA haben ganz klar die größte Erfahrung in diesem Sektor. Mit 2 Mio Euro haben wir ca. 1/3 unserer Frühphasen-Investments in den Fonds VI der Alta-Berkeley Gruppe investiert, die sich ihre Portfoliounternehmen ausschließlich in den westeuropäischen Clustern Cambridge, Sophia Antipolis (Frankreich) und Helsinki sucht. Mit iGlobe, die neben den USA ihr Hauptstandbein in Singapore besitzen und die ca. 1/3 des Portfolios in Südostasien investieren, haben wir auch den hierzulande schwer einzuschätzenden asiatischen VC-Markt mit erfahrenen Experten vor Ort abgedeckt.
FINANZWELT: Wie sehen Sie die langfristige Zukunft von Private Equity in Deutschland?
Güdel: Wir stehen am Beginn zweier Megatrends. Die Finanzierung des Mittelstands durch Inhaber und Bankenkapital wird mehr und mehr durch Private Equity ersetzt. Basel II beschleunigt diesen Prozess. Hinzu kommt der Trend zum privaten Vorsorgesparen. Der massive Aufbau privaten Alterssicherungskapitals führt zu hohen Liquiditätsbereitstellungen, die die öffentlichen Kapitalmärkte allein nicht aufnehmen können. Diese Liquidität wird Private Equity Fonds zufließen.
Dr. Bauer: Es gibt nach unserer Überzeugung keine bessere und keine lukrativere Beteiligungsform als unternehmerische Beteiligungen. Sie bieten sachwertgesicherte Anlagemöglichkeiten, bei denen der Investor – nämlich das Fondsmanagement aufgrund durchgeführter Due Diligence – zum Zeitpunkt der Anlageentscheidung über „Insider“-Wissen verfügt. Außerdem kann der Investmentmanager während der Beteiligung auf das Wohl und Wehe seiner Anlage viel direkter Einfluss nehmen als dies beispielsweise ein Fondsmanager bei Aktienfonds kann. Der Unterschied ist jener zwischen agieren und reagieren.
FINANZWELT: Welche rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in letzter Zeit für Private Equity Fonds bereits geändert?
Güdel: Die 2. Stufe der Unternehmenssteuerreform beginnt zu greifen. Konzerne, Banken und Versicherungen können sich steuerfrei von ihren Beteiligungen trennen. Ab 1.1.02 gilt das neue Übernahmegesetz. All das belebt den Markt und eröffnet neue Möglichkeiten. Schon in naher Zukunft werden wir erleben, das Private Equity Investoren im Rahmen eines Going Private im DAX oder MDAX notierte Unternehmen von der Börse herunterkaufen.
Dr. Bauer: Wir sehen neben dem Genannten vor allen Dingen geänderte Nachfragebedingungen. Unser Klientel, der Mittelstand, löst sich von der traditionellen Umklammerung der Hausbank, steht dabei aber vor zwei sich verschärfenden Herausforderungen: Dem Problem des Generationenwechsels und dem Problem Basel II. Hier stößt Private Equity in seiner volkswirtschaftlichen Funktion auf fruchtbaren Boden, der gegenüber den USA bestehende Rückstand wird sich zunehmend verringern.
FINANZWELT: Haben die geänderten Rahmenbedingungen bei den Private Equity Publikumsfonds bereits neue Konzepte hervorgerufen?
Dr. Bauer: MIDAS wird sich auch in Zukunft auf den deutschen Mittel stand konzentrieren. Gegebenenfalls werden wir neben den „Growth“-Fonds auch „Value“Fonds anbieten, die sich noch fokussierter auf Unternehmen mit Eigenkapitalschwäche (Basel II-Problemen) bei gleichzeitig hoher Ertragskraft konzentrieren. Dass wir steuerorientierte Unternehmensbeteiligungskonzepte anbieten werden, bezweifle ich. Güdel: Auch wir glauben, dass der Trend ähnlich wie bei den Aktienfonds des Public Equity hin zu branchen oder auch themenorientierten Private Equity Fonds gehen wird. Die Zielfonds zeichnen sich durch hochgradige Spezialisierung aus und investieren z.B. nur in Buyouts eines bestimmten Marktsegments. Der Trend zum Vorsorgesparen wird auch große, breit diversifizierte Publikumsfonds unterstützen, die durch hohe Risikostreuung die höchstmögliche Ausfallsicherheit garantieren können.
FINANZWELT: Planen Sie für die Zukunft, sich weiteren Anlagesparten zuzuwenden?
Güdel: Die Initiatoren der RWB beschäftigen sich seit Ende der 80iger Jahre ausschließlich mit Private Equity. Das wird auch so bleiben.
Dr. Bauer: MIDAS wird eine Marke ausschließlich für unternehmerische Beteiligungen bleiben. Allerdings wird sich unser Haus auch dem Private Label Geschäft zuwenden, also maßgeschneidertes Private Equity Fonds für einzelne Vertriebsgruppen anbieten, die dann „powered by MIDAS“ sind. Darüber hinaus werden wir Fonds anbieten, die ausschließlich institutionellen Investoren und Dachfonds offen stehen.







