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Diskussion Rating

Der Vertrieb will Ratings haben – egal, welche!“
Roundtable-Diskussion mit Prof. Dr. Thomas Zacher, Rechtsanwalt und Experte für Beraterhaftung, Köln; Martin Klein, Rechtsanwalt, Geschäftsführer des VOTUM-Verbandes; Jürgen Braatz, Ratingwissen, Hamburg; Christian Kohrs, Rechtsanwalt, Mitglied des Rechtsforums Finanzdienstleistung e. V.
finanzwelt: Welche Bedeutung haben Rating-Agenturen für den Vertrieb von geschlossenen Fonds?
Braatz: Der Vertrieb will Ratings haben. Welche, ist ihm eigentlich egal. Er benötigt überzeugende Verkaufsargumente. Die Rating-Berichte sollen gut aussehen und gut geschrieben sein.
Klein: Für uns Anwälte, die in Beratungsprozessen Vermittler vertreten, ist es hilfreich, positive Ratings zu besitzen, um zu zeigen, dass objektive Grundlagen existieren, die den Vermittler in die Lage versetzen, herauszustellen, dass ein als gut bewertetes Produkt vorliegt. Richter schauen sich Ratings durchaus an und berücksichtigen sie. Ein Rating ist aber kein alleiniger Enthaftungsgrund, sondern einer von mehreren Bausteinen, um zu zeigen, dass der Vermittler seiner Aufgabe, die Plausibilität der Offerte zu prüfen, nachgekommen ist.
Zacher: Ich beobachte in der Branche eine ambivalente Haltung gegenüber Ratings. Wenn sie positiv ausfallen, werden sie gerne genutzt. Dagegen wird behauptet, dass Ratings grundsätzlich äußerst fragwürdig seien. Das ist eine nicht ganz klare Position. Oftmals scheinen Ratings nur dann akzeptiert zu werden, wenn sie vertriebsunterstützend sind.
Braatz: Ich vermeide gerne das Wort Rating-Agentur und spreche von Analysehäusern. Von einem tatsächlichen Rating ist die Herangehensweise der Analysten an die Prüfung nämlich meist relativ weit entfernt. Auch die überwiegende Anzahl der Analysten betont ihren journalistischen Status, weil er sie rechtlich schützt. Als journalistische Meinungsäußerung sind die Ratings vom Medienrecht vor möglichen Schadenersatzklagen geschützt.
finanzwelt: Wie intensiv nutzen die Vertriebe und Emissionshäuser die Ergebnisse?
Klein: Das hängt von den Größenverhältnissen ab. Bei den großen Vertrieben steht das Rating nicht besonders im Vordergrund. Dort finden ein intensiver Austausch mit den Emissionshäusern und eine eigene Produktprüfung statt. Der Vermittler, der nicht auf ein eigenes Research zurückgreifen kann, fragt dagegen sehr intensiv nach Ratings.
Zacher: Mir fällt auf, dass gar nicht über die Nachfrage beim Anleger gesprochen wird. Interessanterweise spielt der Anleger als Primärnachfrager keine große Rolle. Es ist bedauerlich, dass aus Anlegersicht offenbar kein Bedarf besteht bzw. die Bereitschaft fehlt, Ratings zu bezahlen.
Klein: Einen Markt, auf dem die Anleger die Ratings abrufen und vergüten, beobachte ich grundsätzlich nicht. Das kann den Anlegern aber nicht vorgeworfen werden. Der Endverbraucher bekommt das Rating letztlich von seinem Berater geliefert.
finanzwelt: Welche Transparenzkriterien müssen von den Rating-Agenturen erfüllt werden?
Klein: Es muss klar sein, wer das Rating durchgeführt hat, um die Qualifikation der Mitarbeiter einschätzen zu können. Auch die Bewertungsmethoden müssen in ihren groben Zügen nachvollziehbar und transparent sein.
Braatz: Der Forderung, die Methoden offenzulegen, kann ich zustimmen. Hinsichtlich der Qualifikation der Mitarbeiter bin ich aber sehr skeptisch. Es ist nicht zwingend eine hohe Qualifikation zum Beispiel in der Ausbildung erforderlich, um ein guter Analyst zu sein. Ein Mitarbeiter kann sich auch über den Vertrieb in ein Emissionshaus hochgearbeitet haben und jetzt in einem bestimmten Marktsegment hervorragende Fachkenntnisse besitzen. Die formelle Qualifikation der Mitarbeiter ist nicht zwingend aussagekräftig.







