Ein oft unterschätztes Produkt
Dread Disease
Deutsche sorgen sich um ihre Gesundheit und ihren Arbeitsplatz: Laut einer repräsentativen Studie der DBV-Winterthur und dem Institut für Management und Wirtschaftsforschung (IMWF) steht die Angst vor schwerer Krankheit, Jobverlust und Altersarmut ganz oben auf der Sorgenskala der Deutschen. Dennoch wird das Thema „Schwere Krankheit“ ungern vom Vermittler angesprochen. Dabei gibt es mit den Dread Disease Policen (DDP) ein wirkungsvolles Produkt, um zumindest gegen die monetäre Sorge der Deutschen bei einer schweren Erkrankung entgegenzusteuern.
Definition Dread Disease Police. Dieser Name – auch unter den Begriffen „Schwere bzw. Gefürchtete Krankheiten Vorsorge“ oder auch Critical Illness Policen genannt – stammt, wie sollte es anders sein, aus den angelsächsischen Ländern und ist dort schon seit den 90er Jahren eine der wichtigsten Absicherungen. In Deutschland gab es bereits in den 90er Jahren Angebote für „schwere Erkrankungen“, jedoch eher im Light-Verschnitt und mit großen formellen Hindernissen. So wurde der Vertrieb nach relativ kurzer Zeit mangels Nachfrage wieder eingestellt. Die Notwendigkeit einer derartigen Absicherung erwies sich seinerzeit als zu schwer erklär- und vermittelbar.Die Zeit scheint jetzt reif. Der Markt dieser Policen ist laut der im Jahr 1855 in Stockholm gegründeten Skandia derzeit noch ein kleiner, aber stark wachsender Markt. Die Aufklärungsarbeit der letzten Jahre trägt Früchte und die Zahl der Anbieter dieser Versicherungen nimmt zu. Derzeit bekanntester Anbieter für Dread Disease Versicherungen ist die Canada Life, die in diesem Bereich die Vorreiterrolle übernommen hat und dadurch zum Marktführer in puncto Schwere Krankheiten herangewachsen ist. „Das gesteigerte Interesse spiegelt sich auch in unseren Ergebnissen wieder. In 2006 machte die Anzahl der Neuverträge der Schweren Krankheiten Vorsorge über 16 % unseres Neugeschäfts aus. Auch die bisher für 2007 vorliegenden Zahlen bestätigen diesen positiven Trend“, so Bernhard Rapp, Direktor Marketing und Produktmanagement Canada Life.
Beispiel Herzinfarkt. „Jährlich trifft 300.000 Menschen in Deutschland dieses Schicksal. Die Folgen sind mindestens vier Wochen Behandlung im Krankenhaus plus anschließende Rehabilitation und Genesungszeit. In Deutschland erkranken alleine 424.000 Menschen jedes Jahr neu an Krebs, es ereignen sich 200.000 Schlaganfälle“, erörtert Maike Maaßen, Leiterin Produktmanagement Gothaer Lebensversicherung AG. Die Risiken, an einer Krankheit wie Krebs oder Herzinfarkt zu erkranken, steigen demnach ebenso wie die Chancen, aufgrund des dauerhaften medizinischen Fortschritts diese schweren Krankheiten zu überleben. Hierbei ist mit einem enorm langen zeitlichen Genesungsprozess zu rechnen, der neben dem persönlichen Schicksal auch zumeist gravierende finanzielle Folgen hat. Und genau hier setzt die Versicherung an.
Vom Prinzip her funktioniert eine Dread Disease Police recht einfach: Der Versicherer zahlt eine im Versicherungsvertrag vereinbarte größere Summe aus, wenn der Versicherte an einer der im Vertrag aufgelisteten schweren Krankheiten (Herzinfarkte, HIV-Infektionen, Krebs, Multiple Sklerose, Nierenversagen oder auch Schlaganfall) erkrankt ist. Es wird unmittelbar nach Diagnose eine vorab vereinbarte Versicherungssumme als Einmalzahlung fällig, die den Betroffenen in die Lage versetzen soll, seinen gewohnten Lebensstandard zu halten, notwendige Zuzahlungen zu leisten und/oder andere wichtige finanzielle Entscheidungen treffen zu können. Das Konzept ist demnach eine Art vorgezogene Lebensversicherung gegen den Eintritt einer schweren Erkrankung.
Unterschiede erkennen. „Zunächst muss man grundsätzlich unterscheiden: Handelt es sich bei dem Produkt um einen eigenständigen Tarif oder um einen Produktbestandteil, der nur in Kombination angeboten wird?“, so Rapp. Die Produkte unterscheiden sich in der Anzahl der versicherten Krankheiten und in ihren Leistungen wie Wartezeiten und Bedingungswerke. Darüber hinaus differenzieren sich die Angebote in ihrer grundlegenden Struktur. So gibt es risikogebundene oder auch investmentgebundene Produkte auf dem Markt. Hierbei ist der Beitrag für ein Investmentprodukt höher, da bei dieser Konstellation – unter der Voraussetzung eines positiven Verlaufs des Investments – eine Schlussauszahlung erwirtschaftet werden kann.
Darüber hinaus lohnt es sich, die angebotenen Zusatzoptionen zu vergleichen: „Einige Anbieter bieten als Bestandteil des Versicherungsvertrags z. B. eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung mit Einschluss der Pflegebedürftigkeit an. Auch die besondere Berufsunfähigkeitsversicherung für Rückenleiden und psychische Erkrankungen ist möglich“, erklärt Rapp weiter. Daneben kann bei vielen Anbietern eine ergänzende Todesfallabsicherung zur Hinterbliebenenvorsorge abgeschlossen werden. Unternehmen wie die Nürnberger Versicherung offerieren beispielsweise als Ergänzung zu ihrem Berufsunfähigkeits- Tarif den Baustein „SchnellHilfe". Dieser soll finanzielle Entlastung gewährleisten, auch wenn keine Berufsunfähigkeit eingetreten ist. Die SchnellHilfe deckt 5 Krankheitsbilder ab und leistet maximal eine Auszahlung von 30.000 Euro. Diese Dread Disease Zusatztarife bieten in der Regel in Kopplung mit einer BU zu geringe Höchstversicherungssummen an.
Ganz andere Baustelle. Es gibt nicht wenige Menschen, die behaupten, dass eine Berufsunfähigkeitspolice ein ausreichender Schutz sei und sie deshalb keine Police gegen schwere Erkrankungen bräuchten. Hierbei sollte jedoch beachtet werden, dass die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit (BU) und die Absicherung gegen schwere Erkrankungen ein Vergleich wie zwischen Äpfeln und Birnen ist. Zwei wesentliche Merkmale heben die Dread Disease Versicherung von der BU ab: „Ob ein Beruf weiter ausgeübt werden kann, spielt für die Leistungserbringung bei Vorliegen einer schweren Erkrankung keine Rolle. Die Leistung wird außerdem als Einmalleistung in fünf- bis sechsstelliger Höhe erbracht. Und nur so kann die nötige Freiheit ermöglicht werden, um die Berufspause finanziell zu überbrücken“, erläutert hier Bernhard Rapp.
Ob eine Absicherung gegen BU oder/ und schwere Erkrankungen notwendig ist, hängt wie meist stark von der individuellen Situation des Kunden ab. So gibt es gewisse Berufsgruppen – Buchhalter, Ärzte, Anwälte oder Architekten – , die mit einer Dread Disease Versicherung gut bedient sind. Beispiel Arzt: „Die BUAbsicherung gehört zur Mindestabsicherung, aber sehr viele Ärzte arbeiten z. B. nach einem Herzinfarkt weiter, so dass keine BU vorliegt. Der akute finanzielle Bedarf (zeitweise Vertretung, Tilgung Verbindlichkeiten, besondere Behandlungen, Umbauten) kann in kurzer Zeit viel Geld erfordern“, beschreibt Christoph Schmalz, DBV-Winterthur Produktmanagement Lebensversicherung.
Ausblick. Die EU-Vermittlerrichtlinie wird Dread Disease Lösungen bei Beratungsgesprächen weiter in den Fokus rücken. „Sobald ein Kunde einer Erwerbstätigkeit nachgeht, ist es zwingend erforderlich, ihn hinsichtlich der Absicherung der Arbeitskraft zu beraten. In diesem Fall sind neben der Absicherung im Rahmen der Berufsunfähigkeit auch andere Alternativen, zwingend also auch Dread Disease Lösungen, vorzustellen. Auch halten sich bisher Versicherer mit Ausschließlichkeitsorganisation in diesem Bereich immer noch zurück, was dem unabhängigen Vermittler auch weiterhin einen wesentlichen Beratungsvorsprung bietet“, heißt es aus dem Hause Skandia. Diese Absicherungen sind für den Vertrieb wichtig, weil es einen großen Bedarf für diese Art der Absicherung gibt. Gute Zeiten stehen demnach für Dread Disease Policen an!
(Marc Oehme)







