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Waterlow & Sons Ltd.

Echte Blüten für Angola

© Foto: Dr. Eckhardt Wanner

Was haben die wunderschöne Aktie der „Barcelona Traction, Light and Power“ und die Anleihe der „Brazil Railway“ gemeinsam? Sie wurden beide von der Wertpapierdruckerei Waterlow & Sons Ltd. in London gedruckt.

Waterlow & Sons war und ist keine x-beliebige Wertpapierdruckerei, sondern eine britische Institution, die in der Vergangenheit neben Aktien und Anleihen auch Briefmarken und Geldscheine für fast das gesamte Empire druckte. Daneben ließen viele Staaten dort ihre Banknoten herstellen, weil die Papiere von Waterlow & Sons als nahezu fälschungssicher galten. Sir William Waterlow, Inhaber von Waterlow & Sons, war zu seiner Zeit einer der angesehensten Bürger Londons und bekleidete von 1925 bis 1929 das Amt des Lord Mayor (Oberbürgermeister) von London.

Am 4. Dezember 1924 ließ sich ein Herr Karel Marang bei Sir William melden. In seiner Begleitung befand sich José Bandeira, ein Beamter des portugiesischen diplomatischen Dienstes. Waterlow kannte Marang als Inhaber einer niederländischen Wertpapierdruckerei. Dieser wies sich – wie sich später herausstellen sollte – durch gefälschte Dokumente als Beauftragter der portugiesischen Regierung aus. Er sei, so Marang, der Leiter eines Syndikates, das von der portugiesischen Regierung Konzessionen erhalten würde, um die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie Angola voranzutreiben. Auch diesen – ebenfalls gefälschten – Vertrag wies Marang vor. Für diese Entwicklung, so Marang, benötige die Regierung Geld, das sie nicht habe. Aus diesem Grund sollten neue 500-Escudo-Scheine gedruckt werden. Zwei Jahre zuvor, 1922, hatte Waterlow & Sons bereits 500-Escudo-Noten mit einer Abbildung von Vasco da Gama für Portugal gedruckt. Die Herren kamen überein, diese Druckplatten einschließlich der Nummerierung zu verwenden.

In Portugal sollten die Noten dann einen Aufdruck „Angola“ erhalten, so dass eine säuberliche Trennung der neuen und alten Geldscheine möglich wäre.  Sir William wandte sich direkt an den Gouverneur der portugiesischen Staatsbank, Camacho Rodrigues, und bat um Bestätigung der Abmachungen und schriftliche Erteilung des Druckauftrags. Bereits am 6. Januar 1925 bekam er Antwort, geschrieben auf Papier mit dem Staatswappen und dem Aufdruck „Banco de Portugal, Cabinete do Guvernator Particular“, in der die Abmachungen mit Marang bestätigt und der Druckauftrag erteilt wurde. Sir William ließ Papier, Wappen und Unterschrift prüfen. Sie wurden als echt befunden, waren aber ebenfalls gefälscht. Er sah nun keinen Grund mehr, den Auftrag über 200.000 Noten zu je 500 Escudos nicht anzunehmen. Im Februar 1925 wurden Marang die ersten beiden Koffer mit Banknoten ausgehändigt. Als Konsul von Liberia in Den Haag genoss er diplomatische Immunität und brachte ohne Probleme die Geldscheine durch alle Kontrollen nach Porto. Von einem Aufdruck „Angola“ war nicht mehr die Rede.

Marang und Bandeira drehten dieses Rad nicht allein.  Der Haupträdelsführer war ein Alves dos Reis, der bereits mit 28 Jahren in der Kolonialverwaltung Angolas hohe Positionen bekleidet hatte. Diesen schnellen Aufstieg verdankte er einem Diplom der nicht existierenden „Polytechnic School of Engineering“ in Oxford. Er wurde wegen Betrugs angeklagt, kam in Untersuchungshaft, wurde aber freigesprochen. Während dieser Zeit studierte Reis die Arbeitsweise der portugiesischen Notenbank, der Banco de Portugal. Dabei stellte er fest, dass diese keine ausreichenden Kontrollmechanismen über den Bargeldumlauf besaß. Auf dieser Tatsache baute Reis seinen Plan auf, Geld von den echten Druckplatten heimlich nachdrucken zu lassen und in Umlauf zu bringen.

Nach seiner Entlassung fädelte Alves dos Reis über Marang den Druck der Noten ein.  Gleichzeitig bemühte er sich um die Konzession zur Gründung einer Bank. Als Kompagnon trat ein Mann in Erscheinung, der sich als Rechtsanwalt auswies und Papiere auf den Namen eines deutschen Staatsbürgers Adolf Hennies besaß. Zweck der Gründung, so gaben beide an, sei die Beschaffung und Bereitstellung von Geldern für die wirtschaftliche Entwicklung Angolas. Diese Initiative kam der portugiesischen Regierung sehr gelegen. Die Konzession wurde schnell erteilt und im Juli 1925 öffnete die „Banco Angola et Metropola“ in Porto ihre Pforten. Sie machte alsbald von sich reden, weil sie ohne große Einlagen umfangreiche Kredite zu günstigen Konditionen auslegte. Reis und Hennies wussten, dass über kurz oder lang die Notenbank Verdacht schöpfen musste. Deshalb begannen sie, an der Börse Aktien der Banco de Portugal aufzukaufen. Das Ziel war klar: Sollten sie die Mehrheit erwerben können, konnten sie sich zu Vorständen oder Mitgliedern des Aufsichtsrates ernennen lassen und so mögliche Nachforschungen der Bank unterbinden.

Mit dem steigenden Kreditvolumen stieg aber auch der Umlauf der 500-Escudo-Noten an.  Die portugiesische Presse witterte geheime Machenschaften der deutschen Spionage, um die Finanzen Portugals zu ruinieren. Gleichzeitig beunruhigten Gouverneur Rodrigues die massiven Käufe von Aktien der Staatsbank. Alle Nachforschungen endeten bei der Banco Metropola et Angola. Das steigende Volumen an 500-Escudo-Scheinen konnte nur auf Fälschungen beruhen. Rodrigues ließ die Geldscheine durch seine Spezialisten untersuchen. Sie konnten keine Fälschungsmerkmale entdecken. Daraufhin ließ er bei der Filiale der Staatsbank in Porto die Noten nach ihren Nummern sortieren. Am 5. Dezember 1925 wurden die ersten beiden Scheine mit den gleichen Nummern entdeckt. Die Suche wurde auf alle Filialen ausgedehnt und in kurzer Zeit wurden vier weitere Paare mit gleichen Nummern gefunden. Sir William Waterlow fiel aus allen Wolken, als er mit den Sachverhalten konfrontiert wurde. Anhand seiner Unterlagen ließen sich die Vorgänge rekonstruieren. Alves dos Reis wurde verhaftet; sein Vermögen beschlagnahmt. Hennies gelang es, unterzutauchen. Bandeira wurde verhaftet. Die Spur Marangs verlor sich im Hafen Hoek van Holland, wo einige Zeit später in einer Gepäckaufbewahrung zwei Koffer gefüllt mit 500-Escudo-Noten gefunden wurden.

Fünf Jahre später, 1930, wurde Reis in einem Prozess, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, zu 8 Jahren Haft und 12 Jahre Verbannung oder ersatzweise 25 Jahre Verbannung verurteilt und 1945 entlassen.  Er starb – völlig verarmt – 1955. Warum der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, wurde erst viele Jahre später publik. Der angeblich deutsche Staatsbürger Adolf Hennies, den die portugiesische Presse als deutschen Geheimagenten bezeichnet hatte, soll in Wirklichkeit Francesco da Costa gewesen sein, der von 1920 bis 1922 portugiesischer Finanzminister war. Er war in eine Korruptionsaffäre verwickelt und in Angola untergetaucht. Aus dieser Zeit dürfte die Freundschaft zwischen Reis und da Costa stammen. Dort soll er sein Äußeres so verändert haben, dass selbst gute Freunde ihn kaum erkannt haben sollen. Damit wird auch die „Aufgabenverteilung“ dieses dreisten Betrugs deutlich. Reis war der Initiator und Fälscher; Marang der Transporteur, und Hennies besaß das Insiderwissen über die Staatsbank. Bandeira war nur eine Randfigur.

Den Schaden hatte in diesem Falle ein Unschuldiger zu tragen.  Die Banco de Portugal strengte gegen Sir William Waterlow einen Schadensersatzprozess an, der durch alle Instanzen ging. Er wurde von dem höchsten britischen Gericht, dem House of Lords, zu fast einer Million £ Schadensersatz verurteilt. Sein gesamtes Vermögen, einschließlich der Firma, musste er dazu verwenden, diese Schulden abzutragen. Er starb völlig verarmt am 27. Dezember 1958 und wurde am 31. Dezember 1958 auf dem Armenfriedhof von Whitechapel in London beigesetzt.

(Dr. Eckhardt Wanner)


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