Editorial
Dorothee SchöneichLiebe Leserinnen,
liebe Leser,
Krisen sind die Prüfungen für Unternehmen, die die effizienten von den überflüssig gewordenen trennen. Die schweren Zeiten haben neben anderem auch die Funktion, den Platz zu schaffen, auf dem die neuen Ideen, Techniken und Produkte der Zukunft erprobt und erarbeitet werden. Nicht zufällig wird Ludwig Erhardt der prägnante Satz zugeschrieben: „Die Konkursordnung ist das Grundgesetz der Marktwirtschaft." Denn wer Altes über seine Zeit hinaus erhält, verschenkt die Zukunft: Wäre uns wirklich damit gedient, wenn wir heute noch hunderttausende Hufschmiede, Sattler und Stellmacher in hoch subventionierten Betrieben beschäftigen würden, um weiter in Kutschen statt in Autos zu fahren? Oder hätte heute womöglich sogar jede Autobahn ihre eigene Kutschenspur? Die überlebten Unternehmen müssen sich wandeln oder weichen. Wenn sie an überholten Verfahren und Produkten festhalten, wird ihnen der Zugang zu Köpfen und Kapital immer schwerer gemacht, bis die Daumen endgültig runter gehen. So zwingt der Markt zum Wandel und wer ihm dabei in den Arm fällt, macht uns alle zusammen ein Stück ärmer. Marktwirtschaft heißt immer auch Wettbewerb. Und Wettbewerb heißt immer auch, dass es Verlierer geben muss. Da es nicht um Gladiatorenkämpfe geht, ist die nächste Frage immer: Wo erhalten die Verlierer von heute ihre neue Chance? Und siehe da: Nüchtern betrachtet ist gerade diese Gruppe auf die neuen Produkte und Verfahren angewiesen. Wo sonst sollte die Zukunft denn liegen? Und genau diese Schaffung neuer Chancen ist der Königsweg der sozialen Abfederung und letztlich das Erfolgsgeheimnis der Marktwirtschaft.
Daher lautet die Konsequenz für die Politik: Chancen schaffen. Es ist am Ende immer günstiger, zehn neue Versuche zu fördern, auch wenn letztendlich nur ein einziger davon erfolgreich ist, statt auch nur einen großen Betrieb künstlich zu erhalten. Je weniger die Politik auf die Idee kommt, hier „steuern" zu wollen, desto besser, denn sie bringt die falschen Kriterien mit: Wirtschaftlich kommt es auf die Zukunftsfähigkeit an, die Politik interessiert sich dagegen für eine möglichst große Zahl an „Beglückten". Man muss sich nur an Holzmann und den Macher Schröder erinnern, um zu sehen: So geht es eben nicht. Wobei der größte Verlust in Fällen wie Holzmann sogar unsichtbar bleibt: Es sind die Betriebe und Jobs, die im Wettbewerb dem subventionierten, betrieblich aber schwächeren Konkurrenten unterliegen. Auch bei äußerstem Wohlwollen und Respekt gegenüber unseren Politikern: Der Versuch, den Markt zu korrigieren, macht Auswahlentscheidungen nötig, an denen man nur scheitern kann. Wer kann schon abschätzen, welche verborgenen Möglichkeiten verschüttet werden, wenn der falsche Betrieb gestützt wird? Die wichtigste Voraussetzung des dauerhaften Erfolgs aller ist aber, dass die Einzelnen ihre Chancen nutzen können. Die gilt es zu schützen.
Ihre
Dorothee Schöneich







