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Editorial

Editorial

Stürmische Zeiten

Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,

glaubt man ersten Umfragen, ändern sich noch in diesem Jahr die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Auch Sie als Finanzdienstleister haben derzeit mit einer Fülle von Änderungen zu kämpfen. Stichwort Umsatzsteuerpflicht: Zwar hat unter anderem der Arbeitgeberverband der finanzdienstleistenden Wirtschaft einen Teilsieg dahingehend errungen, dass Umsatzsteuern für die Vermittlung von Investmentanlagen und geschlossenen Fonds erst ab dem kommenden Jahr anfallen sollen. Aber kommen sollen sie schon – wenngleich europäisches Recht eindeutig dagegen spricht.
Stichwort Vermögensschadenhaftpflichtversicherung: Wieder einmal wurde die EU-Vermittlerrichtlinie nach hinten verschoben, die eine derartige Versicherung zur Pflicht machen dürfte. Um nicht in Zugzwang zu kommen, sollten Sie sich dennoch mit diesem Thema beschäftigen. Lesen Sie hierzu den Beitrag und das Interview mit Günter Giese. Stichwort Einführung des Paragrafen 15 b Einkommensteuergesetz: dieser dürfte das Aus für alle Steuerstundungsmodelle bedeuten. Zwar hat die anstehende Vertrauensfrage des Kanzlers eine Umsetzung noch in dieser Legislaturperiode unwahrscheinlich werden lassen, ob Sie allerdings Fonds mit Steuervorteilen weiterhin vertreiben, sollten Sie sorgsam überdenken. Zumindest sollten Sie sich von den jeweiligen Anbietern ein schriftliches Rücktrittsrecht für die Anleger geben lassen, die nach dem Stichtag 4. Mai 2005 beigetreten sind. Völlig sicher und gewollt sind Renditeanlagen.

Aus diesem Grund haben wir die Anbieter von Schiffsbeteiligungen und Erneuerbare Energien in einer Umfrage gebeten, uns ihre „15-b-sicheren Fonds“ zu benennen. Sie finden die Ergebnisse in den interessanten Beiträgen von Daniel Kellermann und Peter Kastell. Letztes Stichwort: Zulassungspflicht für Emissionsprospekte ab dem 1. Juli 2005. Bisher wurden nach Informationen der Superanstalt BaFin von über 80 vorliegenden Prospekten gerade ein bis zwei freigegeben. In Anbetracht der Tatsache, dass viele Fonds „einfach so“ – sprich nach den Vorgaben des Instituts der Wirtschaftsprüfer, aber nicht nach den Vorgaben der neuen Verkaufsprospekt-Verordnung – eingereicht wurden, ist das BaFin langsam aber sicher verschnupft. Ganz unschuldig ist es aber nicht, denn das angekündigte Auslegungsschreiben liegt immer noch beim Bundesfinanzministerium und unklar ist, ob es in Anbetracht der politischen Turbulenzen überhaupt noch vor dem 1. Juli freigegeben wird.

Aber, lieber Leserinnen und Leser, unserer Branche war noch nie einfach und die Gesellschaften und Emissionshäuser haben immer konstruktive Lösungen erarbeitet – auch diesmal. Hierzu finden Sie auch in dieser Ausgabe interessante Beiträge.

Für die unter Ihnen, die sich trotz der Widrigkeiten, die Freude an Ihre Arbeit nicht nehmen lassen und zur Entspannung gerne ein Buch in die Hand nehmen, eine Empfehlung: „Ich habe Finanzgeschichte geschrieben“ beschreibt die Unternehmerpersönlichkeit Dr. Reinfried Pohl und damit 40 Jahre Finanzgeschichte.

Mit den besten Wünschen an Sie!

Dorothee Schöneich Michael Oehme



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