Editorial
Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,
von vielen beinahe unbemerkt durchlebt die Finanzdienstleistung derzeit einen revolutionären Wandel, dessen Ausgang noch offen ist. Allerdings vermittelt uns das Ausland bereits heute einen Eindruck dessen, was in wenigen Jahren (Monaten?) bei uns auch gang und gäbe sein dürfte. Beispiel Österreich: Hier zählen eine qualifizierte Ausbildung, eine vorgeschriebene Haftpflichtversicherung und vieles mehr längst zum Vermittleralltag. Dafür unterschreiben viele Kunden einen einjährigen Betreuungsvertrag beim Berater, dieser kann also endlich einmal von echtem Kundenschutz ausgehen. Und das Ergebnis? Weniger Vermittler als bei uns schreiben nach unseren Erfahrungen und vielen Gesprächen durchschnittlich mehr Geschäft als ihre deutschen Kollegen, das Image des Vermittlers oder Beraters steigt kontinuierlich. Österreichs Anleger sind durchaus bereit, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um dem Vorsorgegedanken Rechnung zu tragen.
Auf der anderen Seite sehen wir gerade im Vertrieb von Investmentanlagen und kapitalbildenden Versicherungsprodukten, aber auch von geschlossenen Fonds eine Entwicklung, die ein Weniger an persönlicher Freiheit bedeutet. Nur noch wenige Anbieter sind überhaupt bereit, Einzelgeschäft anzunehmen und fordern eine Abwicklung über Pools oder andere Formen von Kooperationen. Aber selbst hier erwarten wir in den kommenden Jahren einen Verdrängungswettbewerb, der nur wenige Anbieter übrig lassen wird. Teilen Sie uns hierzu Ihre Meinung mit! Ausgewählte Beiträge werden wir in der kommenden Ausgabe von FINANZWELT veröffentlichen.
Mehr spektakulärer Natur ist die Entwicklung in der Rechtsprechung bei den geschlossenen Fonds. „Eigentlich müssen wir uns beim Gesetzgeber für die drei Jahresendgeschäfte bedanken“, meinte hierzu jüngst ein Marktteilnehmer. Denn in Folge der Übergangsfrist zum Paragrafen 15 b Einkommensteuergesetz im April (der dann doch nicht kam), dem Verfallsdatum alter Fonds (30.6.) aufgrund der Genehmigungsfrist durch das BaFin sowie dem „echten“ Jahresendgeschäft wurden so manchem Anbieter die Kassen vollgespült. Auf die entsprechenden Entwicklungen gehen wir in der Titelgeschichte ein.
Es bleibt also spannend – und wir bleiben hoffentlich Ihr Begleiter bei allen Fragen rund um Ihre Arbeit als Finanzdienstleister. Denn darum geht es uns. Insofern freut es uns natürlich, dass wir vor wenigen Wochen den „Deutschen Wirtschaftspreis 2005“ als „Bestes Fachmagazin für Finanzdienstleister in Deutschland“ erhielten. Eine Auszeichnung, die uns anspornt, noch besser zu werden.
Eine erfolgreiche Zeit wünscht Ihnen Ihr FINANZWELT Team
Dorothee Schöneich und Michael Oehme