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Editorial

Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,

ein Wechselbad der Gefühle erlebt der eine oder andere Finanzdienstleister, wenn er auf das Jahr 2006 blickt. Zugestanden: Die wirtschaftliche Situation ist offensichtlich besser als vielfach beschrieben. Dies lässt sich jedenfalls aus dem Stimmungsbarometer der deutschen Industrie bzw. deren Manager ableiten. Und die Politik hat einen Vertrauensbonus erhalten, was sich zumindest in verhaltener Euphorie widerspiegelt. „Du bist Deutschland“ entspricht zwar nicht dem Kohl`schen Spruch des „Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen“ (wie eng denn noch?) – lässt aber wenigstens Fantasie für ein wenig Aufbruchstimmung. Und dann auch noch die Fußballweltmeisterschaft ... Was heißt dies denn für die Finanzdienstleistung?

Die Versicherungswirtschaft sieht auch für 2006 ein gutes Jahr auf sich zukommen. Ob dies auch für alle Versicherungsvermittler zutrifft, bleibt anzuzweifeln, denn der Wegfall der Steuerfreiheit und niedrige Garantieverzinsungen machen so manches Verkaufsgespräch etwas zäh. Eine Alternative wird in der betrieblichen Altersvorsorge gesehen. Hier ist sicher noch einiges zu bewegen, denn die meisten Arbeitnehmer wissen, dass sie etwas verändern müssen. Oftmals bleibt das Tun jedoch an den guten Vorsätzen hängen. Das ist wie beim Rauchen oder Abnehmen. Die Vermittler von Investmentprodukten sollten ihre Kunden motivieren, dass man Verluste nur durch Gewinne ausgleichen kann. Und da ist jetzt der beste Zeitpunkt, denn ohne dass es viele mitbekommen, erleben wir aktuell eine kleine Hausse. In den kommenden Ausgaben werden wir daher die jeweils besten Fondsangebote für Sie unter die Lupe nehmen.

In dieser Ausgabe geht FINANZWELT-Redakteur Dr. Martin Klingsporn zunächst einmal auf Gewinner und Verlierer des vergangenen Jahres und die Perspektiven hieraus sowie die Grundlagen moderner Portfolio-Optimierung ein. Und die geschlossenen Fonds? Pünktlich zum Jahresanfang liefern Scope und Stefan Loipfinger die aktuellen Zahlen. Über Tendenzen wird zu diskutieren sein. Wir sind uns im Redaktionsteam uneinig, ob die Branche die Steuersparjahre in der kommenden Zeit ganz ohne Blessuren hinter sich lassen kann. Ganz anders (und vermutlich ein letztes Mal) geht Professor Dr. Karl-Georg Loritz daher doch noch einmal auf den Paragrafen 15 b Einkommensteuergesetz in einem interessanten Beitrag ein.

Schließlich wird dem erfahrenen Leser von FINANZWELT auffallen, dass wir auf einige Angebote und Anbieter wie bereits in den letzten drei Ausgaben einen kritischeren Blick werfen. Dieser hat ausschließlich die Aufgabe, den Vertrieb für mögliche Fehlentwicklungen zu sensibilisieren oder ihm Unterstützung zu geben, wenn das sprichwörtliche Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. In einer Zeit, in der Anleger den Vertrieb immer mehr in die Haftung nehmen, zumal dann, wenn beim Anbieter nichts (mehr) zu holen ist, eine wichtige Aufgabe für ein Fachmagazin für Finanzdienstleister. Lassen Sie sich von den Herausforderungen 2006 anstecken. Es könnte Ihr Jahr werden!

Ihre Dorothee Schöneich, Michael Oehme



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