Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
zwei Themen beschäftigen derzeit die Anbieter und Vertriebe von geschlossenen Fonds besonders: Die mögliche Anwendung der Richtlinie „Markets in Financial Instruments Directive“ – kurz MiFiD genannt – auf sämtliche Angebote sowie der dramatische Einbruch im ersten Quartal, der vermutlich auch im ersten Halbjahr nicht eingeholt wird.
Thema MiFiD: Die Richtlinie sieht für die Emissionshäuser eine Fülle von weiteren Regularien vor, die einerseits zur weiteren Transparenz beitragen könnten, auf der anderen Seite aber den bürokratischen Aufwand noch deutlich verstärken würden. Auf die Spitze getrieben könnte es darauf hinaus laufen, dass die Gründung eines Emissionshauses dem Erwerb einer Banklizenz gleich käme. Doch noch ist längst nicht entschieden, ob die Richtlinie wirklich auf geschlossene Fonds anzuwenden ist. Eine interessante Rolle fällt dabei dem Verband Geschlossener Fonds zu: So verkündete Dr. Torsten Teichert als Vorstandsvorsitzender der Lloyd Fonds AG und Vorstandsmitglied des Verbandes in einer Pressemitteilung, die vor der offiziellen Verbandspressemitteilung veröffentlicht wurde, wörtlich: „Die MiFiD-Richtlinien würden auch den ohnehin rasanten Prozess der Konsolidierung in der Branche weiter vorantreiben. Nicht jedes Emissionshaus wird willens oder in der Lage sein, diese anspruchsvollen Anforderungen – die auch Kosten verursachen – umzusetzen. Für viele Anbieter könnte dies das Aus sein.“ Damit könnte die Umsetzung der MiFiD-Richtlinie faktisch zu einem Vorteil für die großen Emissionshäuser, die weitestgehend im Verband Geschlossener Fonds organisiert sind, führen. Dennoch verhält sich der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, der Rechtsanwalt Eric Romba bislang zurückhaltend und hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, ob die Richtlinie wirklich anzuwenden ist. Schließlich hat Romba die Gesamtbranche vor Augen. Es bleibt also spannend zu sehen, welche Position der Verband künftig einnehmen wird.
Thema Umsatzeinbruch: Mit 760.000 Millionären, darunter 20.000 Personen mit zehn Millionen Euro und mehr und einem Volksvermögen von mehr als vier Billionen Euro wäre es sicher verfehlt, von einem armen Land zu sprechen. Die Kehrseite ist allerdings eine Einkommensschere, die seit Jahren weiter aufgeht. Soll heißen: Während auf der einen Seite einige Menschen immer wohlhabender werden, sinken auf der anderen Seite die Nettoeinkünfte. Diese Sichtweise ist zugestandenermaßen sehr pauschal. Es wird immer Menschen in Deutschland geben, die dem so genannten Mittelstand angehören und in der Lage sind, jährlich Beteiligungen mit 25.000 oder 50.000 Euro Eigenkapital zu zeichnen. Der Markt ist jedoch in Anbetracht fehlender Steuervorteile (Verkaufsargument eins) und fehlender Finanzierbarkeit (Verkaufsargument zwei) deutlich schwerer geworden. Zudem scheinen sich einige Verkäufer selbst im Weg zu stehen. Es fehlt der Mut, auf den Kunden zuzugehen. Die Konsequenz hieraus ist die Spezialisierung: Entweder mit Blickwinkel auf die vermögende Privatkundschaft, oder auf eine breite Kundschaft. In der Folge spielen ratierliche Fonds mit möglichst hoher Investitionsbreite, beispielsweise in unterschiedliche Assetklassen, eine zunehmend wichtigere Rolle. Auch das Thema Kapitalgarantie ist wichtig. Warum sollte ein geschlossener Fonds für eine breite Klientel nicht ebenfalls mit einem Zerobond oder ähnlichem abgesichert sein. Im Private Banking für wohlhabende Investoren gehören strukturierte Produkte dieser Art längst zum täglichen Geschäft. Die Produkte sind also da. Am Willen, auf den Kunden zuzugehen, kann jedoch jeder nur selbst arbeiten. Und hier schließt sich der Kreis: „Die MiFiD wird auch Änderungen im Vertrieb mit sich bringen“, meint Eric Romba. Vielleicht führt mehr Klarheit im Umgang zwischen Verkäufer und Kunde dann auch wieder zu mehr Umsatz.
Ihre Dorothee Schöneich, Michael Oehme