Sehr geehrte Leserin, sehr geehrte Leser,
seit Jahren diskutieren Gesandte der Verbände der Finanzwirtschaft in Brüssel über eine Europäisierung Deutschlands. Lange genug Zeit gelassen haben wir uns ja. Schon vor Jahren haben an Deutschland angrenzende Staaten wie beispielsweise Österreich wesentlich schärfere Marktzugangsvoraussetzungen für Finanzdienstleister umgesetzt. Im Ergebnis – so hören wir es von vielen deutschen Anbietern, die beispielsweise in Österreich aber auch der Schweiz tätig sind – stoßen diese auf besser geschulte Partner mit deutlich festeren Kundenbeziehungen. Was zu beweisen wäre, denn bislang gibt es hierzu keine Erhebungen oder diese sind uns bislang nicht bekannt. Aber einige Veranstaltungen, die wir in den letzten Wochen besucht haben, lassen ein eindeutiges Ergebnis vermuten.
Die Umsetzung der europäischen MiFID-Richtlinie – also der Markets in Financial Instruments Directive – dürfte formal die Finanzbranche in Deutschland nur wenig verändern. So soll es ausreichend Wege geben, dass Verkäufer von Investmentprodukten hiervon nicht betroffen sind. Auch der Verband der geschlossenen Fonds (VGF) verkündet Entwarnung – keine Anwendbarkeit auf Vertriebe in diesen Asset Klassen. Wir sprachen mit dem VGF-Hauptgeschäftsführer Eric Romba und er versprach, weiterhin darauf hinzuwirken, dass sich die Branche einer freiwilligen Selbstverpflichtung was Qualität und Beratungs-Know how anbetrifft, zu unterwerfen. Das ist der richtige Weg. Und wir haben keinen Zweifel daran, dass Romba seinen Weg mit der Branche gehen wird. Ungeklärt ist die Frage, wie die vielen Anbieter von kapitalbildenden und fondsgebundenen Lebensversicherungen mit diesem Thema umgehen werden. Finanzhaus Rothmann-Vorstand Rüdiger Wolff sieht hier eine deutliche Trendwende (s. hierzu Interview Seite 84-85). Und bietet Antworten ...
Überhaupt sollten Sie (auch) diese Ausgabe von FINANZWELT aufmerksam lesen. Denn selten war das Interesse an qualifizierten Finanzdienstleistern so groß wie derzeit. So „buhlen“ derzeit gleich mehrere Banken in Deutschland um neue Partner. Im Umfeld der Börsenstrategie von Finanzhaus Rothmann baut beispielsweise die Hesse Newman Bank ihre Präsenz in Deutschland deutlich aus (s. hierzu Interview auf Seite 86). Das renommierte Bankhaus Sutor zeigt einmal mehr, dass man neben einer exklusiven Vermögensverwaltung auch hochprofessionelle Leistungen bei Sparplänen anbieten kann (s. hierzu Interview auf Seite 88). Nicht zu vergessen die KBC Asset Management, die Finanzdienstleistern ein besonderes Angebot machen möchte (s. hierzu Special Advertising auf den Seiten 33/33).
Der Markt ist also in Bewegung und Sie sind gefragt. Gehen wir einmal davon aus, dass in fünf Jahren die gleichen Gesetzmäßigkeiten funktionieren wie in anderen Ländern, dann werden es die Profis sein, die diesen Markt bestimmen. FINANZWELT ist aufgestellt, Sie auf diesem Weg zu begleiten.
Ihre
Dorothee Schöneich