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Editorial

Sehr geehrte Leserinnen,
sehr geehrte Leser,

die langsam ans Licht kommenden Umstände des Falk-Desasters werfen Fragen auf, die über den Fall selbst weit hinweg gehen. Tatsache ist: Da konnte sich ein Haus noch über Jahre am Markt halten, als es schon lange am Tropf der Banken hing. Es hatte mit Helmut Falk und vor allem Thomas Engels zwei Gesichter in der Öffentlichkeit, die den Eindruck von Seriosität, Erfolg und Kompetenz vermittelten. Nicht einmal die Tatsache, dass Engels in Hamburg zum „Man of the Year“ gekürt wurde, erweckte Misstrauen. Engels machte sich mit dem Vorsitz im Branchenverein VGF sogar zu einem Aushängeschild der Branche – und so ziemlich alle fanden das auch völlig angemessen. Schließlich galt Falk Capital als eines der ersten Häuser, zumindest in Sachen Inlands-Immobilien.

Tatsächlich war die Fassade nur noch mit Trickserien bei der Platzierungsstatistik, immer neuen Sanierungsprogrammen und weiteren Krediten von den Banken zu halten bis hin zum Konstrukt des Zinsfonds, mit dem sich die Falk-Verantwortlichen eine eigene Kasse schufen – und das Ganze dank Basel II der Öffentlichkeit sogar noch als Innovation aufschwatzen konnten. Schlimmer noch: Im Hintergrund scheinen am Ende auch Platzierungen frei erfunden und vorgetäuscht worden zu sein. Die diesen Zeichnungen entsprechenden Mittel wären, so der Verdacht weiter, mithilfe von Bankkrediten kurzfristig dargestellt worden. Das ist eine reife Leistung, immerhin wurde sogar der fachlich gewiss nicht inkompetente Vertrieb auf die falsche Fährte gelockt. Das allerdings konnten die Falk-Vorleute nicht ganz allein bewerkstelligen: Die Wirtschaftsprüfer halfen mit ihren schönfärberischen Stellungnahmen „... Risiken erkannt und Vorsorge getroffen...“.

Wenn Anleger und Vertriebe heute „enttäuscht“ sind von den Leistungen der Wirtschaftsprüfer, dann heißt das, dass sie sich auch „getäuscht“ fühlen. Dazu mussten aber mehr Leute – ob gewollt oder ungewollt – mitgeholfen haben als nur die beteiligten WPs.

Die Branche hat in den letzten Jahren bei der Information und Professionalisierung der Analyse und Bewertung der Angebote mächtig zugelegt. Es haben sich mehrere Unternehmen am Markt etabliert, die den Anspruch erheben, mit ihren „Ratings“ zu einer rationaleren Bewertung und Auswahl der Produkte beitragen zu können.

Angesichts des Versagens in Sachen Falk muss die Frage erlaubt sein, ob diese Dienste ihr Geld wert sind – denn letzten Endes sind Firmen wie Scope oder G.U.B. ja auch Weichkosten- Agenturen, die von den Anlegern irgendwie mit finanziert werden müssen. Da ist es nicht unbillig, eine Rechtfertigung für dieses Ergebnis zu erwarten.

Und aufgrund jetzt doch schon einiger Jahre Erfahrung ist die Frage, warum hier niemand wirklich rechtzeitig warnte, wohl eine vertiefte Diskussion wert – die wir auch offen führen wollen anlässlich der FINANZWELT-Vertriebstage in Bad Soden (s. hierzu S. 92 bis 94), wo wir neue Einsichten durch konstruktive Kritik und eine ernsthafte Auseinandersetzung erhoffen.

Ich freue mich darauf!

Dorothee Schöneich



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