Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Editorial

Sehr geehrte Leserinnen,
sehr geehrte Leser,


am Standort Deutschland wird mal wieder heftig über Gerechtigkeit gestritten. Anlass ist diesmal der Abstand von ganz oben zu ganz unten in der Einkommensskala. Das ist wohl kein Zufall: Der Standort Deutschland war bisher ein Hochlohnstandort. Die hohen Löhne und Gehälter wurden durch technischen Vorsprung gesichert. Das klappt nur so lange, wie die Unternehmen tatsächlich an der Spitze des Fortschritts marschieren. Wenn dieser Vorteil verloren geht, wird die Konkurrenz über den Preis ausgetragen, und dabei verliert Deutschland. Ein Blick in die Exportstatistik etwa von 1970 zeigt: Schiffe von den Werften in Bremen, Hamburg oder Kiel wie auch deutsche Büromaschinen waren Renner auf dem Weltmarkt. Lange her.

Diese Geschichte zeigt mittlerweile aber auch, dass die Löhne bei uns nicht unbegrenzt sinken können. Wenn das Gehalt bei Vollzeitarbeit nicht mehr zum Lebensunterhalt reicht, entstehen automatisch subventionierte Jobs durch die „ergänzenden Sozialleistungen“, wie es amtlich heißt. Auch das können wir uns nur begrenzt leisten, weil diese Lasten über die Lohnnebenkosten zurückschlagen. Die aber werden so nur begrenzt billiger. Wer aber polnische oder rumänische Löhne für Beschäftigte in Deutschland fordert oder für tragbar hält, müsste sich dann auch mit einem öffentlichen Dienst und einer Infrastruktur auf polnischem oder rumänischem Niveau zufriedengeben. Denn nur was die Steuerzahler erwirtschaften, kann auch versteuert werden. Ohne technischen Vorsprung wird Deutschland arm.

Hier steht die Qualität unserer Führungskräfte in Frage, die mit ihren unternehmerischen Entscheidungen auch über Gewinn und Verlust des technischen Vorsprungs bestimmen. Dass es da nicht zum Besten steht, haben unsere Automanager gerade mal wieder bewiesen: Der politisch gesteuerte Trend geht seit vielen Jahren eindeutig in Richtung sauberere und sparsamere Motoren. Die Politik vollzieht dabei nur den Wunsch der Staatsbürger, die ja auch die Kunden der Autobauer sind. Die Reaktion der deutschen Autobauer war Defensive, Verzögerung, Verhinderung – gegenüber einem klar erkennbaren Kundenwunsch. Ergebnis: Franzosen und Japaner sind mit neuer Technik auf dem Markt gekommen. Die Deutschen haben sich mit ihrer Abwehrtaktik einen technischen Rückstand von mehreren Jahren eingehandelt und dabei auch technologisch unterlegenen Konkurrenten aus den Schwellenländern den Marktzutritt erleichtert. Das Ende solcher Entwicklungen ist gerade in England zu bestaunen: Die Edelmarken Jaguar und Land Rover werden vom indischen Konkurrenten Tata Motors übernommen. Die Tata-Manager werden über kurz oder lang wohl auch in Wolfsburg, Köln oder Rüsselsheim auf der Matte stehen.

Diese Fehlleistungen wecken das Misstrauen gegen die fürstlich entlohnten Manager. Denn für die Fehler bezahlen die vielen normalen Arbeitnehmer, die als Opfer der Kostensenkungen „dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt“ werden, während sich die Verantwortlichen in den vergoldeten Vorruhestand verabschieden. Leistung und Gegenleistung sind aus der Balance geraten.


Dorothee Schöneich



PS: Dass deutsches Know-how und dessen Umsetzungsfähigkeit in anderen Ländern, bspw. Dubai, noch gefragt sind, zeigt die Alternative Capital Invest. Namen wie Boris Becker, Niki Lauda und Michael Schuhmacher, in Verbindung mit einem jungen, als Top 100 Manager ausgezeichneten Robin Lohmann, verwirklichen dort ein Geschäft, das in Deutschland nicht mehr möglich scheint. Vielleicht können wir davon lernen.



Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: