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Editorial

Sehr geehrte Leserinnen,
sehr geehrte Leser,

den geschlossenen Fonds ist schon oft das Totenglöckchen geläutet worden, und immer bewährte sich der Satz von den Totgesagten, die länger leben. So ist es jetzt auch nach dem weitgehenden Abbau der Steuervorteile. Just in dieser Situation kommt ein gewichtiger neuer Anbieter auf den Markt, die Deutsche-Bank-Tochter DWS. Sie legt einen geschlossenen Fonds auf, der mit dem Schwerpunkt Holz als Investmentvehikel in den Rohstoffbereich hinein dient. Spötter werden natürlich behaupten, dass man an dieser Emission ersehen könne, wie sehr die Deutsche Bank tatsächlich unter der US-Krise gelitten hat. Nähme man das beim Wort, wäre aus Sicht von Deutschlands Top-Bankern der Markt der Beteiligungsmodelle aber interessant genug, um Verluste aus dem milliardenschweren Geschäft mit verbrieften Hypotheken kompensieren zu können. So schön ist es denn wohl doch nicht.

Allerdings dürfte die Schwalbe DWS durchaus einen neuen Frühling ankündigen, weil hier offenbar ein Vorteil der geschlossenen Fonds eine Rolle spielte: Der geschlossene Fonds ist das flexibelste und am schnellsten maßgeschneidert an jedes Basisinvestment anzupassende Instrument, das hierzulande den Produktschmieden zur Verfügung steht. Zudem sollte man nicht unterschätzen, dass es eine große und finanziell potente Kundschaft gibt, die mit diesem Instrument vertraut ist und daher entsprechenden Angeboten auch immer ein grundsätzliches Interesse entgegenbringen wird. Dieser Markt hat ein Potenzial von gut 10 Mrd. Euro jährlich, was grob geschätzt ein Bruttovolumen von etwa 1,5 Mrd. an Provisionen und Dienstleistergebühren darstellt. Das sollte Anreiz genug sein, sich um die Pflege und den Ausbau dieses Potenzials zu kümmern.

Dabei könnte sogar die aktuelle Situation an den internationalen Finanzmärkten durchaus hilfreich sein, bieten sie doch sogar die Möglichkeit, ein so erfreulich stinknormales Investment wie heimische Immobilien jetzt wieder an die Anlegerin und den Anleger zu bringen. Wenn die Krise jetzt sogar große Investmentbanken der Wall Street zusammenbrechen lässt, ist das Bedürfnis nach Sicherheit und greifbaren Grundlagen groß. Diese Chancen werden sich aber nur nutzen lassen, wenn alle Initiatoren ihre Verantwortung für die Branche als Ganzes noch ernster nehmen. Vernünftige Standards für Prospekte und Leistungsbilanzen beschließen nützt wenig, wenn sie nicht in der Praxis umgesetzt werden, wie etwa die Ausstellung von Leistungsbilanzen. Gleiches gilt für die Peinlichkeiten um den Ratingkodex. Die gute Absicht ist durchaus erkennbar – ganz im Sinne Brechts: „Das Gegenteil von gut ist nicht schlecht, sondern gut gemeint.“

Ihre

Dorothee Schöneich



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